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Foto: www.kommersant.ru
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Montag, 12.07.2004

Bauvorhaben: Petersburg guckt in die Röhre

St. Petersburg. Wenn die Petersburger Stadtregierung dachte, sie könnte endlos auf die großzügige Unterstützung ihrer Großbauprojekte aus föderaler Kasse hoffen, so ist es wohl an der Zeit, sich von dieser Illusion zu befreien. Wirtschaftsminister German Gref gab Gouverneurin Valentina Matwijenko am Samstag jedenfalls zu verstehen, dass weder die West-Ungehungsbahn noch der neue Passagierhafen auf einen Moskauer Geldregen hoffen kann.

Gref war sichtlich verärgert, als Matwijenko ihm die Pläne für die geplante weiträumige Umgehungsstraße vorlegte, die einst Petersburgs Norden über die Wassili-Insel mit dem Flughafen Pulkowo und der Moskauer Chaussee verbinden soll. „Ich habe keine 1,5 Milliarden Dollar!“ und: „Bevor es keine vernünftige Expertise gibt, ist das ganze Gespräch reinste Zeitverschwendung!“, blaffte er die Stadtherrin an.

Ähnlich verlief die Diskussion um den neuen Passagierhafen, für den die Stadt 90 Millionen Dollar aus dem Staatshaushalt haben will. Gref hörte sich nicht einmal die Vorstellung des Projekts bis zum Schluss an. „Das sind alles nur Vorschläge!“, fuhr er dem Vortragenden ins Wort. Gref würde am liebsten wohl gar nicht mehr über die hochfliegenden Petersburger Projekte sprechen, denn im Laufe der Gespräche wies er mehrfach darauf hin, dass er erst die Gutachten eines unabhängigen westlichen Beraters hören will.

Petersburg verliert die Gunst des Kremlherren
Die Tageszeitung „Kommersant“ sieht hinter dieser Diskussion ein ernstes Signal für Matwijenko, dass sie ihre Kreditwürdigkeit gegenüber Moskau wohl eingebüßt hat. Der Kreml wolle wieder zu pragmatischen Beziehungen zu den Regionen übergehen, und Petersburg könne dabei kaum mehr auf die so heiß erwünschte Neuverteilung der föderalen und regionalen Steuermittel zu seinen Gunsten hoffen.

Das Thema: „Putin ist ein Petersburger und tut alles für seine Heimatstadt“ scheint ebenfalls ausgereizt zu sein. Der „Kommersant“ frotzelt, die kürzlich unternommene gemeinsame Fahrt von Putin und Matwijenko im Metrowaggon anlässlich der Wiederherstellung der unterbrochenen U-Bahn-Linie sei „die letzte effektvolle Demonstration ihres gegenseitigen tiefen Verständnisses für die Probleme der Nördlichen Hauptstadt“ gewesen.

Bezeichnend ist auch, dass Gref gleich im Anschluss an die erteilte Abfuhr an Petersburg zum neuen Hafen nach Ust-Luga (Leningrader Gebiet) eilte und dort eine Milliarde Rubel (ca. 28,5 Millionen Euro) Unterstützung aus dem Staatssäckel versprach. Mehr noch: Er will sich persönlich um die Heranziehung von westlichen Investoren kümmern.

Auch Planen muss gelernt sein
In Petersburg sollte man sich indes ernsthaft Gedanken über die eigene Planungspolitik machen. So scheint es bis heute kein einheitliches Verkehrskonzept zu geben. Die West-Umgehungsbahn überschneidet sich z.B. in der Konzeption mit der Ringautobahn (die auch nicht fertig werden will!). Kein Wunder, dass Gref anmerkte, für beides hätte der Staat kein Geld. Statt ein grandioses Projekt nach dem anderen zu „gebären“ und für die Vorprojektierung Unmengen an Geld auszugeben, wäre eine Angleichung der Vorhaben vonnöten.

Bei Russland-Aktuell
• Es kommt zu wenig Geld aus Moskau (25.06.04)
Jüngstes Beispiel für diese äußerst unlogische und unglaubhafte Vorgehensweise: Der Obwodny Kanal, einer der staugeschüttelsten Abschnitte der Stadt, soll zwischen Moskowski Prospekt und Newa in eine sechsspurige Autobahn verwandelt werden. Gleichzeitig ist gleich nebenan eine Überführung über die Gleise hinter dem Moskauer Bahnhof und die Verbreiterung des Ligowski Prospekts geplant. Beiden Projekten sieht auch der Nicht-Experte an, dass da die eine Hand nicht weiß, was die andere tut.

Mit solch einer Unprofessionalität braucht man in Zukunft weder in Moskau noch bei potentiellen ausländischen Investoren um Geld anzuklopfen. Will Petersburg den so viel und oft beschworenen „europäischen Standart“ erreichen, muss es sich erst einmal das moderne und international übliche Planungsinstrumentarium aneignen. (sb/.rufo)


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Die zwei Türme: Die goldene Kuppel der Isaaks-Kathedrale und die Nadel der Admiralität markieren weithin sichtbar das Petersburger Stadtzentrum. (foto: ld/rufo)

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