Yuriy Gurzhy und das Rotfront-Kollektiv sagen der Langeweile den Kampf an. (Foto: Barth/.rufo)
Donnerstag, 19.01.2012
Das Rotfront-Kollektiv marschiert für die Toleranz
Berlin. Alte Bekannte werden uns einmal mehr den Marsch blasen. Das Rotfront-Kollektiv aus der „Emmigrantski Republik“ tingelt wieder durch die Lande. „Visafree“ mit einem aktuellen Album und einer Botschaft im Gepäck.
Der zehnköpfige Truppe um Yuriy Gurzhy, dem Ukrainer mit russischer Muttersprache und jüdischer und griechischer Abstammung, und dem Ungarn Simon Wahorn, ist vor allem in einer Mission unterwegs: Anarchischen, visafreien Schmelztiegel-Rock vom Prenzlauer Berg im Volk zu verbreiten.
Seit 2003 erspielte sich das Rotfront-Kollektiv vom Fleck weg den Ruhm, die ultimative Partyband Berlins zu stellen. Branchenkenner der Berliner Party-Szene sind sie eh alle aus dem Musikerkollektiv.
Yuriy stellt die eine Hälfte der bereits schon legendären „Russendisko“, die er zusammen mit dem Schriftsteller und Kolumnisten Wladimir Kaminer ins Leben rief und Simon ist der Initiator des HungaroGroovers Soundsystems.
Grenzen durchbrechen
Rotfront macht durchaus politisch motivierte Musik. Jedoch ist diese Politik subtiler. Sie stammt geradewegs von der Straße und hat es nicht nötig, sich auch noch durch Texte als politisch motiviert vorzudrängeln. Hier wird unterschwelliger, ja durchaus verständlicher argumentiert.
Da ist diese archaisch gestrickte, sich aufbäumende Bläsermusik irgendwo zwischen HipHop und Polka. Lebendige Kultur, gewachsen um Currywurst, Pelmeni und Döner. Rotfront verbreitet umtriebige Musik aus der „Emmigrantski Republik“, multikulturell wie das „Heimatland Berlin“ in dem sie sich alle trafen.
Die Botschaft: Toleranz
Auf die Frage, ob etwas Besonderes in dem Text stehen solle, vielleicht eine Botschaft zum drohenden Weltuntergang oder so etwas in der Art, meinte Yuriy Gurzhy: „Klar, hier ist unsere Botschaft Nr. 1.“ Anbei lag ein Link zu einem Videoclip zu dem Song „Gay, Gypsy & Jew“ aus dem aktuellen Album „Visafree“.
Das Kollektiv selber ist das gelebte Beispiel, wie harmonisch und tolerant es doch auf diesem Planeten zugehen könnte. Die Musiker stammen aus der Ukraine, Ungarn, den USA, Australien und natürlich Deutschland. Die Texte sind demzufolge ein babylonischer Sprachmix aus aller Herren Länder.
Wie hervorragend das funktionieren kann, wird das Rotfront-Kollektiv in der nächsten Zeit wieder auf der Bühne beweisen. Zunächst mit einem „Halfplugged“-Auftritt im Berliner Kafe Burger und danach mit voller Kraft voraus.
Feier frei für die postsowjetischen Hymnen aus der freien Marktwirtschaft.
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