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Sonntag, 23.06.2013

Beutekunst: Gibt es überhaupt noch eine deutsche Aussenpolitik?

Thomas Fasbender, Moskau. Wenn schon die Bronzezeit vor über 3.000 Jahren die deutsch-russischen Beziehungen zum Beben bringt, was steht erst zu erwarten, wenn es um die Gegenwart geht? Gibt es überhaupt noch eine deutsche Aussenpolitik?


Dünnhäutig wie der pubertierende Nachwuchs reagieren Moskau und Berlin auf die geringste Verstimmung. Noch jede Differenz findet ihren Weg in die Öffentlichkeit, wird in den Medien durchgehechelt und wiedergekäut. Dass sogar ein alter Hut wie die Beutekunst, ein Thema mit langem weißem Bart, die Agenda von Kanzlerin und Präsident durcheinander zu bringen droht, spricht für sich selbst.

Vom schleichenden Niedergang der deutsch-russischen Beziehungen ist an dieser Stelle wiederholt die Rede gewesen. Auch die Ausstellung "Bronzezeit - Europa ohne Grenzen" ist nicht mehr als der Versuch zerrütteter Ehepartner, ihre Beziehung mit einem festlichen Abendessen zu kitten.

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Dabei hat das deutsch-russische Verhältnis gerade in den Jahrzehnten nach 1945 einen letzten, unerwarteten Frühling erlebt. Die DDR hat viel dazu beigetragen, dass heute nicht die Deutschen, sondern die faschistische Ideologie als Urquell des Großen Vaterländischen Krieges 1941-45 wahrgenommen wird.

Und die Bundesrepublik hat selbst zu Zeiten des Kalten Krieges, solange die Wiedervereinigung lockte, eine eigenständige Ostpolitik noch gekannt – oft zum Leidwesen der westlichen Verbündeten.

Mit dem Ende des Kommunismus ist das mittlerweile saturierte Deutschland dann gänzlich im Faltenwurf des westlichen Lagers verschwunden. Wenn es von Zeit zu Zeit sein Antlitz zeigt, dann als überzeugt pazifistische Nation, die gelernt hat aus ihrer selbstverschuldeten schrecklichen Geschichte und fürderhin nur noch Gutes bewirken will.

Im geölten Profi-Jargon der Politiker heißt das „wertegeleitete Außenpolitik“. Man kann das Ganze auch Eunuchen-Politik nennen, getreu der Devise: Seit 1945 haben wir sowieso nichts mehr zu verlieren.

Doch Politiker wären keine Politiker, wenn sie nicht auch die Demut zum eigenen Zweck ummünzten. So ist die „wertegeleitete Außenpolitik“ gar keine Außenpolitik – sie ist auf links gedrehte Innenpolitik.

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Das Ausland ist nur Projektionsfläche. Fettgedruckt und in Großbuchstaben werden darauf die Glaubenssätze der eigenen Eliten abgebildet. Sätze, die Identifikation erleichtern. Eingedampft etwa: Wer Putin schlecht und Pussy Riot gut findet, ist ein Demokrat.

Für die russischen Diplomaten ist Außenpolitik immer noch das traditionelle Feld des Ausgleichs von Sicherheitsinteressen. Dagegen lebt Deutschland bereits im postpolitischen Zeitalter. Energiewende, Frieden schaffen ohne Waffen und Happy Mäc für alle.

Ob der faktische Verzicht auf Außenpolitik den Interessen unseres Landes nutzt oder schadet, mögen Historiker künftiger Generationen entscheiden. Unsere eigenen Verbündeten ziehen jedenfalls Nutzen aus der Zurückhaltung der Berliner Politiker.

An der internationalen Sicherheitskonferenz in Moskau Ende Mai nahm aus Deutschland gerade einmal ein Parlamentarischer Staatssekretär teil – gemähte Wiese für den französischen Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian. The Show goes on.
Russische Übersetzungen >>>
Thomas Fasbender lebt seit 1992 in Moskau und ist mit regelmäßigen Kommentaren auf Russland Aktuell präsent.



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beliaev 24.06.2013 - 23:50

Beutekunst

Das Thema der deutsch-russischen Verhaeltnisse bleibt immer noch terra incognita fuer heutige Generation der Deutschen und der Russen
Ein Eklat um \"Beutekunst\" waehrend des Besuches der Ermitage im Rahmen des Gipfeltreffens wirkt provokativ und spiessbuergerlich in Bezug auf Niveau der wirklichen Herausforderungen unserer Zeit.
Erfreulich war es uebrigens die Leser - Kommentare der deutschen Zeitgenossen aufzufinden , die Tatsachen ueber Russland nicht nur vom Hoerensagen kennengelernt haben
Ich bin einverstanden mit der Schlussfolgerung:
\"Die DDR hat viel dazu beigetragen, dass heute nicht die Deutschen, sondern die faschistische Ideologie als Urquell des Großen Vaterländischen Krieges 1941-45 wahrgenommen wird\".
Lernen muss sinnvoll sein!


Paulsen-Consult 23.06.2013 - 22:38

Diee Frage ist gut gestellt

denn tatsächlich gibt es keine deutsche Außenpolitik mehr. Wer es noch nicht gemerkt hat: Unlängst hat Merkel Herrn Westerwelle als Außenminister abgelöst. Was bei dieser Mutti macht es selbst-Politik herauskommt, sehen wir an solchen albernen Verstrickungen, wie der Beute-Kunst- Miniaffäre.\\r\\nMan kann nur auf die Zeit nach Merkel hoffen. Mit der deutschen Gesellschaft hat das eher wenig zu tun. Die Medien sind ja auch Merkelianer, Friede Springer und Liz Mohn lassen recht herzlich grüßen.


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