Geldwäscheverdacht: Kein US-Visum für Vizeminister
Binnenwasserwege für ausländische Yachten jetzt frei
Russland-Aktuell zur Startseite machen


Putin gibt Russlands Richtung bis zur WM 2018 vor:  Vorwärts zu neuen Miliarden-Investitionen!  (foto: gov.ru)
Putin gibt Russlands Richtung bis zur WM 2018 vor: Vorwärts zu neuen Miliarden-Investitionen! (foto: gov.ru)
Freitag, 03.12.2010

WM-2018 wird ein teurer Spaß für Russland

Moskau/Zürich. Der Zuschlag ist erteilt, nun geht’s an Planen und Rechnen: Damit Russland in acht Jahren WM-fit ist, müssen ca. 40 Mrd. Euro investiert werden. Viel Geld - aber es sollte sich trotzdem lohnen.


Russland ließ nach seinem Triumph bei der WM-Vergabe die Welt erst einmal ein bisschen warten: Die russische Bewerbungs-Delegation verweigerte eine Pressekonferenz und erklärte, dass alle Fragen Premierminister Wladimir Putin beantworten wird. Der war zu diesem Zeitpunkt aber noch in der Luft und unterwegs nach Zürich, da er in Moskau erst startete, nachdem FIFA-Chef Joseph Blatter „Russia!“ in den Saal gerufen hatte.

Putin: Russland packt das bestens


Endlich in Zürich angekommen, versprach Putin, was nun zu versprechen war: Die WM wird „auf höchsten Niveau ausgerichtet, alle notwendige Infrastruktur wird rechtzeitig gebaut“. Es werde alles Machbare getan, um den Gästen „Komfort und Sicherheit“ zu gewähren.

Russland schaffe das, das Land sei im Aufschwung – und alle noch umgehenden Vorurteile gegen das Land sind „Überbleibsel und Klischees aus der Zeit des Kalten Krieges“, so Putin kategorisch.

Direkte Ausgaben "wie in Südafrika"


Also wird jetzt in die Hände gespuckt – und das nötige Geld gezählt. Allein in den Bau der WM-tauglichen Stadien sollen ca. 2,9 Mrd. Euro investiert werden – denn in ausnahmslos allen Spielorten müssen neue Arenen gebaut werden.

Putin nannte in Zürich noch eine andere Zahl: 300 Mrd. Rubel (ca. 7,3 Mrd. Euro) werde in die "Vorbereitung der Stadien und der umliegenden Infrastruktur“ gesteckt. Das sei ähnlich viel wie in Südafrika bei der diesjährigen WM aufgewandt worden sei.

Abramowitsch und Co. sollen sich beteiligen


Putin nahm gleich einen potentiellen Geldgeber in die Pflicht: „Ich schließe nicht aus, dass Herr Abramowitsch sich an einem dieser Projekte beteiligt“, sagte Putin mit einem Seitenblick auf den zur Delegation gehörenden Multimilliardär: „Er kann ruhig mal den Geldbeutel aufmachen, das ist nicht schlimm, er hat da viel Geld drin.“

Auch andere russische Business-Strukturen werden sich in „staatlich-privaten Partnerschaften“ an den WM-Investitionen beteiligen. So finanziert Lukoil das neue Spartak-Stadion, eine weitere Moskauer Arena wird die Bank VTB sponsorn. Und „in Petersburg baut Gazprom“, so Putin.

Die realen Kosten werden allerdings noch einige Hausnummern größer ausfallen – denn auch Flughäfen, Bahnlinien, Straßen und das Hotel-Angebot müssen gewaltig ausgebaut werden.

Russische Provinz wird zum Nabel der Welt


Und dies nicht wie bei der Winterolympiade 2014 in Sotschi an nur einem Ort, sondern an gleich 13 Stellen im europäischen Teil Russlands – samt der Verbindungen zwischen ihnen. Vor allem die provinzielleren Austragungsorte wie Samara, Saransk, Kaliningrad oder Krasnodar haben noch viel nachzuholen. Eine der in der Bewerbung genannten 13 Städte soll übrigens später noch aussortiert werden.

Bei Russland-Aktuell
• Fußball-Jubel! Russland gewinnt die WM 2018 (02.12.2010)
• WM-Zuschlag: Putin kommt, wenn es was zu feiern gilt (02.12.2010)
• Arschawin: In einer Mannschaft mit der FIFA! (02.12.2010)
• Vor der FIFA-Entscheidung: Russland probt für WM-2018 (01.12.2010)
• Fußball-WM-Bewerbung: Russland ist der FIFA zu groß (17.11.2010)
Putin verwies allerdings darauf, dass schon jetzt umfangreiche staatliche Programme „mit kolossalen Summen“ für den Infrastruktur-Ausbau verabschiedet seien. Diese würden jetzt in Hinblick auf die WM in Zusammenarbeit mit der FIFA einer Korrektur unterzogen. Auch sei nicht auszuschließen, dass wie zur Vorbereitung der Winterolympiade in Sotschi 2014 ein eigenes Gesetz über die WM-Projekte verabschiedet wird.

Die "Nebenkosten" gehen richtig ins Geld


In FIFA-Unterlagen war davon die Rede, dass die nötigen Investitionen in die Tourismus-Infrastruktur 11 Mrd. Dollar (8,5 Mrd. Euro) betragen. Hotelbetten würden in allen Städten bis auf Moskau und St. Petersburg fehlen. Und die Kosten für den nötigen Bau von 7.700 Kilometern Straßen und 2.000 Kilometern Bahnlinien summieren sich nach Expertenschätzungen auf etwa 27 Mrd. Euro.

Die WM-2018 bedeutet für Russland also ein Konjunktur-Programm im Umfang von etwa 40 Mrd. Euro. Als erstes sollte aber sicher gestellt werden, dass nicht wie üblich 20 Prozent als Provisionen und Schmiergelder von unlauteren Geschäftsleuten und Beamten abgezweigt werden, forderten noch am gleichen Abend Oppositionspolitiker wie Kommunisten-Chef Gennadi Sjuganow und Wladimir Schirinowski.

Die WM-Vorbereitungen könnten ein gutes Pilotprojekt für ein „korruptionsfreies Russland“ abgeben - in Sotschi scheint das bislang nicht gelungen zu sein.

Stadien und Straßen haben bleibenden Wert


Und was hat Russland davon, wenn das einen Monat dauernde Fußball-Fest vorbei ist? Die neuen Stadien wie auch die vielen neuen Trainingszentren werden in Zukunft dem russischen Sport zugute kommen – und der soll ja bekanntlich Leib und Seele des ganzen Volkes gut tun.

Auch die erneuerte Infrastruktur macht sich langfristig bezahlt, denn viele Verkehrsobjekte in Russland sind noch sowjetische Erbmasse und bremsen mit ihren geringen Kapazitäten die wirtschaftliche Dynamik und die Mobilität der Bürger.

Der Fußball kann ein "neues Russland" gebären


Hinzu kommt der ideelle Gewinn an Prestige und Image: Eine Fußball-WM ist mit Abstand das weltweit größte Medienereignis. Das kumulierte TV-Auditorium der WM in Südafrika betrug 26 Mrd. Menschen in aller Welt, die auf diese Weise nun auf Russland schauen werden. Und zehntausende Fans, Funktionäre, Journalisten und Aktive werden (visafrei, wie es heißt!) nach Russland kommen, dort herumreisen, Land und Leute mit eigenen Augen sehen und darüber berichten.

Russland hat damit für 2018 eine einmalige Chance bekommen: Das Land kann sich der Welt in einem ganz neuen Stil präsentieren – fröhlich, entspannt, ordentlich, sportlich, weltgewandt, wohl organisiert und kompetent. Dafür ist viel zu tun, sehr viel - und es wird sicher nicht einfach.

Aber gelingt es, sollten gut 40 Jahre nach dessen Ende die „Klischees aus dem Kalten Krieg“ endgültig begraben sein.



Artikel versenden Druckversion

Leser-Kommentare zu diesem Artikel (und Kommentare zu Kommentaren): ↓

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar, nachdem Sie sich hier unten für Kommentare neu registriert haben. Sie können hier oder im Forum (www.forum.aktuell.ru) mitdiskutieren.

Bisher gibt es zu diesem Artikel noch keine Leserkommentare


Überblick aller Leserkommentare zu allen Artikeln >>>



E-Mail (Zur Registrierung. Wird nicht veröffentlich)

Kennwort

Schnelle Neuanmeldung zum Schutz vor Spam
Klicken Sie hier, wenn Sie sich bisher noch nicht für Kommentare registriert haben.




nach oben
Alle Berichte aus dieser Rubrik
Alle Artikel vom Freitag, 03.12.2010
Zurück zur Hauptseite







(Topfoto: Siegmund/.rufo)


Mail an die Redaktion schreiben >>>








Die populärsten Artikel der letzten drei Tage


Mail an die Redaktion schreiben >>>


Schnell gefunden
Russland Veranstaltungen und Kultur-Events in D+A+CH

Die Top-Themen
St.Petersburg
Nach dem Schwulengesetz: „Wir wollen uns mehr zeigen!“
Kopf der Woche
Deripaska setzt auf Ex-Stasi-Agent und Putin-Spezi
Kommentar
G-8 u ASEAN: russische-amerikanische Beziehungsprobleme
Moskau
Protest-Lager: Barrikadnaja statt Saubere Teiche
Thema der Woche
Ämtertausch vollendet: Medwedew ist Premierminister
Kaliningrad
AirBerlin nimmt Kaliningrad wieder in Flugplan auf
Der Russland-Aktuell
Nachrichten-Monitor
Samstag, 26. Mai
01:03 

Geschichte Russland: Nikolaus II. wird gekrönt

Freitag, 25. Mai
20:02 

CH-Staatsanwälte legen Deripaska-Klagen zu den Akten

18:27 

Geldwäscheverdacht: Kein US-Visum für Vizeminister

18:03 

Baku: Missklänge beim Grand Prix – vorrangig politisch

17:09 

26-facher Mumienmacher muss in psychiatrische Klinik

16:26 

Medwedew will „Einiges Russland“ intern demokratisieren

14:37 

Russische Motorradfahrer im Irak freigelassen

13:28 

Fünf Tote: Familientragödie unter Russen in den USA

12:47 

Schlägerei bei Sprach-Debatte im ukrainischen Parlament

11:09 

Binnenwasserwege für ausländische Yachten jetzt frei

09:27 

Ferien! Heute letzter Schultag für Russlands Schüler

01:03 

Russland Geschichte: Aus finstersten Tiefen

Donnerstag, 24. Mai
18:22 

ESC: udmurtische Äffin sagt Sieg der Babuschki voraus

17:57 

Russland verliert Raketen-Radarstation in Aserbaidschan

17:22 

Trotz Timoschenko: Polen und Ukraine erwarten gute EM

16:14 

Nach dem Schwulengesetz: „Wir wollen uns zeigen!“

15:04 

Alu-Zar Deripaska verliert Petersburger Großprojekt?

13:58 

Minister verspricht Abschleppdienst per Helikopter

12:42 

Irak: Vier russische Biker sitzen in Militär-Gefängnis

12:13 

Vergewaltigtes Kind im Müllschlucker: 22,5 Jahre Haft

10:53 

Kremlwache kauft Atomschlag-sichere Kinder-Wiegen

09:23 

Demonstrantenführer Udalzow wieder auf freiem Fuß

01:03 

Geschichte Russland: Die „Aurora“ läuft vom Stapel

Mittwoch, 23. Mai
18:23 

Moskauer sollen eigene Speakers Corners bestimmen

17:53 

Ukraine lehnt Behandlung von Häftlingen im Ausland ab

17:13 

Verletzte bei Bruchlandung von Militärflugzeug

16:24 

Vor der EM: Sportjournalist pöbelt über Nationalspieler

15:11 

Tschetschenische Saurier-Eier sind profane Steine

13:51 

Kapitalflucht aus Russland kann auf 100 Mrd. USD steigen

12:35 

Anti-Alkoholkampagne: Wodka in Jakutien nur nachmittags

12:04 

Rosneft-Boss Setschin – der Mann, der Yukos beerbte

10:20 

Russlands Pop-Omas singen sich ins Finale des ESC

08:53 

Gorbatschow dementiert Gerüchte über seinen Tod

01:03 

Russland Geschichte: Schachkönig Karpow geboren

Dienstag, 22. Mai
18:33 

Späte Wiedergutmachung: Beutekunst zurück in Russland

Unseren kompletten
aktuellen News-Uberblick
finden Sie bei
russland-news.RU

Alle Berichte bei Russland-Aktuell ab 2000 finden Sie in unserem Archiv
Weitere Nutzung im Internet oder Veröffentlichung auch auszugsweise nur mit
ausdrücklicher Genehmigung der Redaktion (Chefredakteur: Gisbert Mrozek) und mit Quellenangabe www.aktuell.ru
E-mail genügt
www.Russland-Aktuell.ru (www.aktuell.ru) ist nicht verantwortlich für die Inhalte externer Internetseiten.


Basis-Information aus Russland, der Provinz und der GUS auf deutschen Internetseiten:
www.kasachstan.ru, www.russlanddeutsche.ru, www.georgien.ru, www.abchasien.ru, www.ossetien.ru, www.waldikawkas.ru, www.grosny.ru, www.sibirien.ru, www.wolga.ru, www.baikalsee.ru, www.kaukasus.ru, www.sotschi.ru, www.baltikum.ru, www.nowgorod.ru, www.nischni-nowgorod.ru, www.nowosibirsk.ru, www.rubel.ru, www.kultur.ru, www.puschkin.ru, www.wladiwostok.ru, www.sotschi.ru ... und noch einige andere mehr!
Russia-Now - the English short version of Russland-Aktuell








google.com
yahoo.com