Russische Ostalgie: Sowjethymne, Doppeladler und Trikolore (Teil 3)
Von Gisbert Mrozek (Moskau). Gesprach mit dem bekanntesten russischen Filmregisseur und -Produzenten NIKITA MICHALKOW uber die russische Hymne, die Kronung Putins, den Zaren, Juan-Carlos im Kreml, den Dalai-Lama und das russische Hollywood (Teil 3, den ersten Teil finden Sie HIER, den zweiten Teil HIER).
rUFO: Wird ihr letzter Film "Der Barbier von Sibirien" im Fernsehen nicht gezeigt werden ?
Michalkow: Doch. Am 1.Januar.
rUFO: Zum Neuen Jahr, zum neuen Jahrtausend ?
Michalkow: Ja.
rUFO: Wo wird er gezeigt ? Bei Gussinskijs NTW oder bei Beresowskijs ORT ?
Michalkow: Bei Dobrodejews RTR.
rUFO: Also im Staatsfernsehen. Was macht das "Grosse Kino", der Grosse Film für Russland und das russische Selbstbewusstsein ?
Michalkow: Es wäre naiv zu glauben, dass ein Film das Bewusstsein ändern kann. Aber er beeinflusst das Denken. Lässt über das eine oder andere Problem nachdenken. Er hilft auch Antworten auf die Fragen zu finden, die du gestellt hast. Kino hat Einfluss. Wir sehen es ja am amerikanischen Beispiel. Das Kino hat Amerika gemacht.
rUFO: Hollywood - das ist Amerika !
Michalkow: Nein. Hollywood hat Amerika geschaffen. Hollywood hat die Illusion über Amerika geschaffen, der das Land dann selbst folgte. 98 Prozent der Russen waren nie in Amerika. Aber sie wissen alles über Amerika. Dass Amerika stark ist. Der Präsident unantastbar. Das Gesetz und die Familie unerschütterlich. Wir müssen hier tatsächlich gute Schüler von Amerika werden. Allerdings mit dem Unterschied, dass wir auch eine grosse Literatur und eine grosse Geschichte haben - was Amerika bis heute fehlt.
rUFO: Wird es also auch ein russische Hollywood geben ? Staatlich finanziert, wie von Premier Kassjanow versprochen ?
Michalkow: Ja. Das Wichtigste ist jetzt, ausreichend viele Kinos zu bauen, um die Filme auch zeigen zu können. In den vorhandenen Kinos werden aber bislang leider nur amerikanische Filme gezeigt. Denn bei uns wird nichts produziert. Und das ist die Hauptfrage: Woher bekommen wir eine ausreichende Finanzierung und woher kommen die Kader.
rUFO: Indem die Filme im Ausland gezeigt werden ?
Michalkow: Leider ist das, was wir hier drehen, nicht nur für uns nicht besonders interessant, sondern auch im Ausland. Die Hauptfrage ist also: Wer produziert ? Was wird produziert ?
rUFO: Bekommt das russische Hollywood eine demokratische oder eine monarchistische Verfassung ?
Michalkow: Nein, nein. Ich verstehe nicht, warum der Begriff Monarchie Sie so stark erregt. Das russische Hollywood wird eine grosse Aktiengesellschaft, die alle Kräfte vereint. Heute ist es real möglich, bei Privatleuten und beim Staat die Mittel für fünf bis sieben grosse Filme pro Jahr zu finden. Historische Filme, Kostümfilme. Grosse Bilder, wie sie auch Hollywood gross gemacht haben - "Kleopatra", "Ben Hur", "Robin Wood" usw.
rUFO: Haben Sie eigene Pläne ?
Michalkow: Viele.
rUFO: Verraten Sie wenigstens einen !
Michalkow: Nein, dafür ist es noch zu früh. Oder, sagen wir so: Es geht um einen Film über den Krieg. Den Zweiten Weltkrieg.
Leser-Kommentare zu diesem Artikel (und Kommentare zu Kommentaren): ↓
Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar, nachdem Sie sich hier unten für Kommentare neu registriert haben. Sie können hier oder im Forum (www.forum.aktuell.ru) mitdiskutieren.
Bisher gibt es zu diesem Artikel noch keine Leserkommentare