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Dienstag, 12.08.2008

Vielen Dank für die ausgewogene Berichterstattung

War es das? Ist es vorbei? Gehört dieser kriegerische Albtraum der
Geschichte an? Nur zu gerne möchte man Präsident Pu... äh Medwedew Glauben
schenken. Nur zu gerne möchte man Saakaschwili trauen.

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Südossetien: Jede Seite kämpft mit ihrer Wahrheit

Kann ich aber nicht. Noch nicht. Nun, die nächsten Stunden und Tage werden uns belehren. Auf jeden Fall, ganz unabhängig davon, was jetzt noch geschieht, ich möchte Ihnen für die extrem faire Berichterstattung danken und gratulieren. Dieser grausame Minikrieg war vor allem auch ein Krieg der Propagandisten.

Ich glaube, dass es alle Kolleginnen und Kollegen - egal, ob sie es mit einer halbwegs objektiven Berichterstattung ernst meinen oder doch auf dem einen oder anderen Auge bestimmte Wahrnehmungsschwächen offenbarten. Für alle war es schwierig, Dichtung und Wahrheit, Lüge und Propaganda fein säuberlich zu trennen.

Ich denke, Sie haben einen tollen Job gemacht. In diesen Tagen habe ich so oft wie sonst nie aktuell.ru aufgerufen. Der Grund dafür war die immer möglichst zeitnahe und möglichst ausgewogene Berichterstattung. So muss es sein, so sollte es sein, so ist es aber bei vielen Medien in Deutschland leider nicht (und bei den russischen Staatsmedien wahrscheinlich auch nicht, wie ich einfach mal vermuten darf).

Zu diesem Krieg selbst haben sich schon viele geäußert. Ich verweise etwa auf die einschlägigen Foren bei Spiegel Online. Konkrete und tiefe Analysen werden folgen. Ich bin zu weit weg, um mich kompetent einmischen zu können. Was mich aber doch sehr frappiert hat, und das möchte ich noch loswerden ist, wie sehr sich einige Politiker in Georgien und im transatlantischen Westen verrechnet haben.

Im "Westen" wird man sich ernsthaft fragen müssen, mit wem man es denn da im Präsidentenpalast in Tiflis zu tun hat? Mit einem Größenwahnsinnigen? Einem Zocker? Oder mit einem, der da jemandem einfach ganz blauäugig in die Falle getappt ist? Objektiv gesehen hat dieser Mann seinem Land extrem geschadet. Besonders verwerflich finde ich dabei, dass er sich ausgerechnet den Tag des Olympiadestarts in Peking für sein halsbrecherisches Abenteuer ausgesucht hat. Zynischer geht es kaum noch. Nun, wir kennen das Sprichwort: "Wer sich in Gefahr begibt, kommt darin um."

Natürlich, das wissen Sie wohl am besten, auch im Kreml hocken keine Unschuldslämmer. Gerne hat man dort die beiden ungelösten Probleme namens Abchasien und Südossetien am Köcheln gehalten. Ob wir den Begriff "Friedenstruppe" für das, was sich da an hauptsächlich russischen Soldaten in beiden abtrünnigen Regionen aufhielt und aufhält, nicht doch eher als veritablen Euphemismus bezeichnen sollten?

Wenn ich das so betrachte, haben viele über Jahrhunderte hinweg die Völker der Region für ihre Machtspielchen gebraucht und missbraucht. Die Quittung dafür liegt auf dem Tisch und die internationale Staatengemeinschaft ist aufgefordert, den regionalen Mächten, mögen sie Russland, Georgien, Iran oder sonst wie heißen, bei der Lösung der Konflikte zu helfen. So, wie sich das Herr Saakaschwili vor knapp einer Woche gedacht hat, läuft das aber sicher nicht.

Ich bin Pazifist, habe in der DDR als Bausoldat gedient und mir deswegen zahlreiche Minuspunkte beim Staat eingehandelt - mich muss niemand von der Sinnlosigkeit des Gebrauchs von Waffen überzeugen: Ich war gegen den Warschauer Pakt und war und bin gegen die NATO. Sollte dieses Bündnis noch näher an Russland heranrücken, dann hätte ich bei allen Bedenken keine Scheu davor, auch Russland Gegenmaßnahmen zuzubilligen. Ich denke zwar einerseits, dass die NATO objektiv keine akute Bedrohung für Russland darstellt, doch räume ich angesichts der jüngeren Geschichte auf dem Balkan, in Irak und Afghanistan ein, dass nervöse Zuckungen im Kreml und überall in Russland zumindest nachvollziehbar sind.

In unser aller Interesse hoffe ich, dass die kommenden Tage, die restlichen Ferienwochen, wieder etwas ruhiger werden. Vor allem aber hoffe ich mit allen friedliebenden Menschen auf der Erde (ich weiß, das ist eine alte Floskel aus sozialistischen Zeiten, doch muss sie dewegen ja nicht inhaltlich falsch sein), dass alle Flüchtlinge so rasch wie möglich in ihre Heimat zurückkehren. Dass sowohl die Südosseten, Abchasier, aber natürlich auch die Georgier, wieder ruhig schlafen können. Hoffen wir, dass einmal mehr Diplomatie über Kriegslust siegt. Hoffen wir, dass diese so genannten "frozen conflicts" nicht wieder in ihre Eisesstarre zurückfallen, sondern endlich zur größt möglichen Zufriedenheit aller beigelegt werden.

Frank Fischer


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Sicherheitsabstand sieht anders aus. Aber wenn an der Peter-Pauls-Festung in St. Petersburg der Rundflug-Helikopter startet und landet, sind Zuschauer immer ganz nah dabei. Sobald sie allerdings der Rotorwind samt Staubwolke erfasst, haben die Neugierigen wieder etwas Nützliches fürs Leben gelernt. (Topfoto: Deeg/.rufo)




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