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W. Gussinski (Foto: Chworostow/rUFO)
W. Gussinski (Foto: Chworostow/rUFO)

Wladimir Alexandrowitsch Gussinski

Russischer Medienmagnat im Exil. Ex-Aufsichtsratsvorsitzender der Media Most (NTW), Ex-Vorsitzender des Russischen Jüdischen Kongresses.

Zitat: „Wie alle Juden habe ich zwei Heimatländer – Russland und Israel.“
Geboren: 6. Oktober 1952 in Moskau.
Laufbahn: Regie-Studium. Theaterregisseur in Tula. Gründer und Eigentümer der Most-Bank. Präsident der Medien-Holding Media-Most. Exil in Spanien.
Freunde: Most-Geschäftsführer Igor Malaschenko. Ex-NTW-Chefredakteur Jewgeni Kisseljow. Juri Luschkow.
Feinde: Jelzins Ex-Leibwächter Alexander Korschakow. Wladimir Putin.
Skandale: Festnahme im Juni 2000. Vorwurf der Unterschlagung von 10 Millionen Dollar. Wird nach sechs Tagen wieder freigelassen.
Familie: Verheiratet, drei Söhne.
Hobbies: Tennis. Gutes Essen.

Laufbahn:

2001: Gussinski verliert alle russischen Medienbeteiligungen an den Most-Hauptgläubiger Gasprom. Liquidierung der Most-Holding.

Dezember 2000: Gussinski wird von Interpol in Spanien festgenommen, doch dann wieder freigelassen. Lebt seitdem dort im Exil.

13.11.2000: Strafverfahren gegen Gussinski wird von der russischen Staatsanwaltschaft wieder aufgenommen.

August 2000: Gussinski und Presseminister Michail Lessin unterzeichnen das “Protokoll Nr. 6”, in dem vereinbart wird, dass Gussinski alle seine russischen Medien-Aktien verkauft und dafür das Strafverfahren gegen ihn eingestellt wird.

13.6.2000: Festnahme unter dem Vorwurf des Betrugs und der Unterschlagung in großem Umfang. Gussinski verbringt drei Tage im berüchtigten Butyrka-Gefängnis in Moskau.

1999: Gussinski erhält den nationalen Fernsehpreises TEFI für seinen Beitrag zur Entwicklung des russischen Fernsehens.

(Foto: Djatschkow/rUFO)
(Foto: Djatschkow/rUFO)
1997: Präsident der Holding Media-Most, der die Aktien der bis dahin von der Most-Gruppe kontrollierten Massenmedien übergeben werden. Zur Media-Most gehören die Fernsehgesellschaft NTW, das digitale Satellitenfernsehen NTW Plus, die Radiosender Echo Moskwy, Sport FM, DO-Radio, Radio Delowaja Wolna, der Verlag “7 Dnej” mit der Zeitung Segodnja, den Zeitschriften 7 Dnej, Itogi und Karawan Istorii sowie die Provider-Gesellschaften NTW Internet und Memonet.

Gussinski tritt zugleich als Generaldirektor der Gruppe Most und als Präsident der Most Bank zurück.

1996: Verleihung des Völkerfreundschaftsordens für seinen Beitrag zur Entwicklung der russischen Kultur. Gussinskis TV-Sender NTW unterstützt die Wiederwahl von Boris Jelzin.

1992: Generaldirektor der Holding Most-Gruppe, die aus 42 Unternehmen besteht. Im Jahre 1993 wird die Most-Gruppe Eigentümer der Zeitung Segodnja und der Fernsehgesellschaft NTW.

1989: Gussinski gründet und leitet die Most-Bank, die dem Stammkapital nach sofort zu den zehn größten russischen Privatbanken gehört. Die Bank ist als eine der Hausbanken der Moskauer Stadtregierung für die Finanzoperationen kommunaler Unternehmen im Sozialbereich zuständig. Gussinski übernimmt die Leitung des Joint Ventures Most, das von Infex und der amerikanischen Firma Arnold & Porter gegründet worden war. Im Jahr darauf kauft Gussinski den amerikanischen Anteil.

1988: Eröffnung der Beratungsgenossenschaft Infex, die auf den Gebieten Recht, Finanzen, Geschäft und politische Analyse tätig ist.

1986: Gemeinsam mit Boris Chait Gründung der Genossenschaft Metall, die Modeschmuck und Metall-Garagen herstellt.

1984-1986: Nach seiner Rückkehr nach Moskau organisiert Gussinski kulturelle Massenveranstaltungen, leitet den Kultur-Teil bei den Weltfestspielen der Jugend und Studenten in Moskau, ist Chefregisseur bei den “Goodwill Games”, verdient sich als Taxifahrer mit dem eigenen Auto etwas hinzu.

1981-84: Theaterregisseur in Tula.

1975–81: Regie-Studium am Staatlichen Institut für Theaterkunst. Gussinskis Mentor ist Boris M. Rawenski. Als Diplomarbeit führt Gussinski Regie bei dem Molieres-Stück “Tartuffe”.

1973-75: Dienst in der sowjetischen Armee bei der chemischen Aufklärung.

1969-1973: Nach der Schule Studium am Moskauer Institut für Erdöl und Erdgas. Exmatrikilation wegen schlechter Leistungen.

Freunde:

Zu Gussinskis persönlichen Freunden gehören seine Partner im Medien-Geschäft Igor Malaschenko und Jewgeni Kisseljow, aber auch Boris Chait, mit dem Gussinski bereits zu Sowjetzeiten sein Geschäftsleben begann. Befreundet ist er auch mit dem Journalisten Alexander Minkin.

Enge Beziehungen unterhält er über Jahre zum Moskauer Oberbürgermeister Juri Luschkow. Beide lernen sich 1987 kennen. Bei den Parlamentswahlen von 1999 unterstützt Media-Most die Bewegung “Vaterland – Ganz Russland” mit Juri Luschkow und Jewgeni Primakow an der Spitze. Gussinski verdirbt sich damit die guten Beziehungen zum Kreml. Luschkow beendet die Freundschaft, als Gussinskij in Konflikt mit dem Kreml gerät.

Gussinski ist außerdem mit Filipp Bobkow befreundet, der stellvertretender KGB-Vorsitzender war und sich nach seiner Pensionierung für Most mit der Beschaffung und Auswertung kompromittierender Hintergrundmaterialien befasste.

Feinde:

Zu Gussinskis Erz-Feinden zählt sich der ehemalige Leibwächter von Boris Jelzin, Alexander Korschakow, der nach der ersten Geheimdienstoperation gegen Most in Anspielung auf Gussinskis Familiennamen sagt: “Meine Lieblingsbeschäftigung ist die Gänsejagd” (Gus heißt auf Russisch Gänserich). Später berichtet Korschakow in seinen Memoiren, dass ihn Boris Beresowski überreden wollte, Gussinski zu töten.

Die Beziehungen zum früheren Rivalen und Lieblingsfeind Beresowski verbessern sich vorübergehend, als beide Magnaten ins unfreiwillige Exil gezwungen werden, ihre Medienimperien und ihren Einfluss auf den Kreml verlieren.

Weitere Feinde sind Alfred Koch und Boris Jordan, die Gussinski im Auftrag von Gasprom dessen Medienimperium abnehmen.

Skandale:

Festnahme im Juni 2000 unter dem Vorwurf der Unterschlagung von 10 Millionen Dollar. Gussinski wird nach sechs Tagen wieder freigelassen. Wenig später unterzeichnet er mit Presseminister Michail Lessin das „Protokoll Nr. 6”, in dem vereinbart wird, dass Gussinski alle seine russischen Medien-Aktien verkauft und dafür das Strafverfahren gegen ihn eingestellt wird. Im November 2000 wird das Strafverfahren gegen Gussinski von der Staatsanwaltschaft wieder aufgenommen.

Gussinskis Most-Holding betreibt einen firmen-eigenen Geheimdienst, der in den 90er Jahren kompromittierende Materialien über führende russische Persönlichkeiten sammelt.

Familie und Eltern:

Der Großvater Gussinskis wird 1937 erschossen, seine Großmutter war neun Jahre inhaftiert. Gussinskis Mutter unterrichtet am Moskauer Institut für Erdöl und Erdgas.

Gussinski ist zum zweiten Mal verheiratet, seine Frau heißt Jelena. Er hat drei Söhne, Ilja aus erster Ehe sowie Stanislaw und Wladimir-Daniil aus zweiter. Ilja studiert an der Standford Universität Wirtschaft und Finanzen.

Hobbies:

Gussinski spielt Tennis, u.a. als Partner von Boris Jelzin. Besucht gern luxuriöse Restaurants, wie “Klub T”, “Sirena”, “Zarskaja Ochota”, bevor er Russland verlassen muss. Seine Freunde nennen ihn “Gus” (Gänserich).

Zitate:

„Wie alle Juden habe ich zwei Heimatländer – Russland und Israel.“

“Es gibt weder eine Milliarde, noch eineinhalb Milliarden nicht gezahlter Kredite von Media-Most, das ist alles eine Lüge. NTW ist ein gewinnbringender Betrieb, der Steuern in den Staatshaushalt zahlt.”

“Ich gebe den Fernsehsender NTW nur auf, wenn mir mit dem Leben gedroht wird.”

“Ich bin kein Fernseh-Fanatiker, ich bin ein Fanatiker im Geldverdienen. Und im Fernsehbereich lässt sich das heute am besten machen.”

“Man beschuldigt uns, dass wir Telefongespräche abhören. Selbst wenn man sich vorstellen würde, das wir uns dazu entschlossen hätten, muss man doch sagen, daß es äußerst schwer ist, so eine Abhör-Aktion zu organisieren.”

“Wir kämpfen weder ums Geld, noch um uns persönlich. Für mich wäre es nicht schwierig, mich einfach in ein Flugzeug zu setzen und dorthin zu fliegen, wo wir investiert haben. Aber es ist nun mal so gekommen, dass wir das Zentrum der Opposition geworden sind. Die Menschen sehen unser TV-Programm und warten darauf, was geschieht. Es gibt im Prinzip keine Dissidenten-Medien. Media-Most ist nicht Samisdat, sondern eine große Struktur, die sich nur an seinem Platz behaupten kann, wenn sie von der Gesellschaft unterstützt wird.”

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