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An den Weihnachtsbaum hat man sich in Russland in den letzten 300 Jahren gewöhnt - an Feiertage ohne Schnee und Eis wie dieses Jahr jedoch nicht. (Foto: ld/rufo)
An den Weihnachtsbaum hat man sich in Russland in den letzten 300 Jahren gewöhnt - an Feiertage ohne Schnee und Eis wie dieses Jahr jedoch nicht. (Foto: ld/rufo)
Montag, 25.12.2006

Brauchtum: Vom Weihnachtsbaum zur Neujahrstanne

St. Petersburg. Zar Peter der Große und 200 Jahre später die Bolschewiken haben das russische Feiertags-Brauchtum nachhaltig geprägt. Ein kleiner Spaziergang durch den Wechsel der Traditionen zu den Winterfesten.

Natürlich kann man die kommende stille Zeit zwischen Neujahr und dem russischen Weihnachtsfest am 7. Januar auch mit Verwandten oder guten Freunden am Tisch sitzend verbringen. Wer den stickigen Zimmern die frische Luft vorzieht, kann sich bei öffentlichen Veranstaltungen verlustieren: Da werden von Jung und Alt Eisskulpturen gegossen und gemeisselt, Burgen aus Schnee gebaut, Rutschbahnen errichtet – und manche tanzen auch ganz klassisch um den Weihnachtsbaum, ein Volkslied auf den Lippen.

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Aber nicht immer wurde Silvester in Russland so dauerhaft und üppig gefeiert. Es wurde erst unter Peter dem Großen als Volksfest eingeführt. Auf Erlass des Zaren wurde der 1. Januar 1700 in den Rang eines offiziellen Feiertages erhoben. Peter hatte damals einen neuen, im damaligem Russland noch unbekannten Kalender eingeführt, der schon seit langem in allen westeuropäischen Ländern anerkannt war. Ihm zufolge feierte man den Eintritt des neues Jahres am 1. Januar, während in Russland das neue Jahr erst im Frühling begann. Der Jahreswechsel fiel dabei immer auf Ostern; auch zählte man damals die Jahre seit der (angenommenen) Schöpfung der Welt, nicht nach Christi Geburt.

Peter I. brachte den Weihnachtsbaum nach Russland


Ein neuer Kalender, ein neues Fest - mit ihnen übernahm Russland auch die Bräuche, ohne die Weihnachts- und Silvesterfeiern in Mitteleuropa unvorstellbar waren. So wurde 1700 auf Peters Weisung zum ersten Mal auch ein großartiger Tannenbaum auf den Hauptplatz von Moskau aufgestellt. Der Zar empfahl seinen Untertanen, ebenfalls Tannenbäume oder Tannenzweige zu besorgen und an den Türen Kränze aus Tannenzweigen anzubringen. Diese Tradition, die von den Russen gerne angenommen wurde, hatte er einige Jahre zuvor auf seiner berühmten Reise durch Deutschland in die Niederlande, nach England und Frankreich kennen gelernt und war von ihr entzückt.

Allerdings wurden die Christbäume im 18. Jahrhundert nicht mit Lametta und Christbaumkugeln, sondern mit Früchten und Süssigkeiten geschmückt. Einen Unterschied gab es allerdings zwischen dem russischen und dem deutschen Weihnachten: Russische Kinder fanden ihre Geschenke schon damals unter dem Christbaum liegend vor, während man sie in Deutschland aus Strümpfen herauszog.

Aus dem Jahr 1700 stammt auch der Brauch, zum Jahreswechsel Feuerwerke zu entzünden. Peter selbst hatte in Russland die erste „Feuershow“ veranstaltet; eine von ihm abgeschossene Rakete markierte die runde Jahreswende.

Wie Kirche und Staat zu den abweichenden Kalendern kamen


So wurden Weihnachten und Silvester vor der Revolution 1917 von Jahr zu Jahr gefeiert. Weihnachten war eindeutig das bedeutendere Fest, Neujahr eher eine Belustigung. Heute ist es eher umgekehrt – terminlich wie inhaltlich. Letztlich ist dieser Wandel eine Folge der Machtübernahme der Bolschewiken 1917.

Zunächst einmal wurde der alte julianische Kalender von der neuen Staatsmacht abgeschafft; stattdessen führte man den gregorianischen Kalender ein, der in ganz Europa schon in Kraft war. Die russische Kirchenführung blieb jedoch dem alten Kalender treu. Da der alte Kalender gegenüber der modernisierten Variante schon um 13 Tage „nachgeht“, begehen seit 1918 alle Gläubigen in Russland Weihnachten am 7. Januar und feiern den Jahreswechsel (im Volksmund „Altes neues Jahr“ genannt) in der Nacht vom 13. auf den 14. Januar.

Weihnachten in Sowjet-Russland: Das Fest der Verschwiegenen


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• Russland im Weihnachts- und Neujahrsfieber (18.12.2006)
Nach der Revolution waren Weihnachtenfeiern offiziell zwar nicht verboten. Doch war es offensichtlich, dass die Sowjet-Macht den Christen gelinde gesagt nicht grün war. Deshalb war es angebracht, dass die Gläubigen verschwiegen, dass sie an Weihnachten Kirchen besuchten. Ohnehin gab es in der Sowjetzeit nicht viele offene Kirchen, Kapellen und Kathedralen: Viele waren in den 30er Jahren geschlossen, manche auch zerstört und abgerissen worden – und ihre Geistlichen als „politische Verbrecher und Volksfeinde“ in die Lager gewandert.

„In allen großen Städten gab es dennoch drei bis fünf Kirchen, die nicht geschlossen waren und wo jeden Tag Andachten stattfanden“ erzählt Ludmila, deren Kindheit in die Stalin-Ära fiel. „Unsere Oma und die Tante, die sehr fromm waren, nahmen mich und meine Schwester jedes Jahr zur Weihnachtsmesse mit, an der zahlreiche Gläubigen teilnahmen. Dabei ist uns nichts geschehen. Wir verhielten uns einfach sehr vorsichtig - außerhalb der Familie sprachen wir sehr wenig darüber“, berichtet sie.

Neujahr – zunächst ein Fest für Kinder und das Kollektiv


Doch auch der verordnete Atheismus in der Sowjetzeit verlangte nach einem großartigen und lustigen Winterfest. Deshalb wurde schon bald nach der Revolution Neujahr in den Rang des bedeutendsten Festes erhoben (zu einem offiziellen Feiertag wurde es aber erst 1949) – und bekam viele der alten Weihnachtsbräuche überschrieben.

Aus den 20er Jahren stammt auch die Tradition, den Jahreswechsel mit den Kollegen zu feiern - zwar nicht am 31. Dezember, aber kurz zuvor. Die Belegschaften saßen dabei nicht nur essend und trinkend beisammen und tauschten Geschenke aus, man organisierte auch verschiedene Darbietungen und führte häufig sogar Bühnenstücke auf.

„Diese Silvestervorbereitungen machten zweifellos allen Spaß“, erinnert sich die 74-jährige Elvira, die einst als Näherin arbeitete. „Unsere Werksjugend versammelte sich ab Anfang November ein-zwei Mal pro Woche, besprach ihre Ideen und probte. Es war immer sehr lustig, sich etwas selbst auszudenken, aufzuführen und die Kollektive wurden dadurch besser als heute zusammengeschweißt.“

Auch für die Kinder wird seit den 20er Jahren ein spezielles Fest um den Jahreswechsel herum ausgetragen- die sog. „Jolka“. Auch heutzutage finden solche „Tannenbaum-Feste“ in allen Schulen und Kindergärten statt. Die Kinder haben ihren Spaß dabei, man trägt Karnevalskostüme und jedes Kind wird bei einer Bescherung mit Geschenken beglückt.

Die Russen feiern zehn Tage lang – wenn sie durchhalten


Inzwischen wird aber nach dieser Tradition nicht nur Neujahr, sondern immer mehr auch Weihnachten im großen Stil gefeiert - nicht nur in den Kirchen. Eine Moskauer Weihnachtsmesse, an der Patriarch und Präsident, also das Kirchen- und das Staatsoberhaupt, teilnehmen, wird im Fernsehen live übertragen. Weihnachten ist seit den 90er Jahren auch wieder ein gesetzlicher Feiertag.

Während andere Länder nach dem Jahreswechsel schnell wieder zur Tagesordnung übergehen, wird der Beginn des neuen Jahres in Russland über all diese Feiertage hinweg ungewöhnlich lange gefeiert. 2005 trat ein Gesetz in Kraft, mit dem auch offiziell zehntägige Neujahrsferien eingeführt wurden. Deshalb bleiben jetzt Anfang Januar anderthalb Wochen lang die meisten Fabriken, Firmen und Behörden geschlossen. Zeitungen erscheinen in dieser Zeit auch so gut wie keine, denn es gibt – zumindest aus Russland – ohnehin so gut wie nichts zu berichten.

Dennoch sollte man es in diesen Tagen mit dem Essen, Trinken und Faulenzen nicht übertreiben. Denn nach allgemeiner Überzeugung gilt in Russland auch folgende Weisheit: „Wie man das neue Jahr begrüßt, so wird es auch werden.“ (Nika Ageeva/SPZ)


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