Guy Laliberté will seine Raumfahrt nicht mit dem gebührenden Ernst antreten (Foto: rian.ru)
Dienstag, 29.09.2009
Eine Pappnase hebt ab: Der erste Clown im Weltall
Baikonur/Kasachstan. Am Mittwoch startet Guy Laliberté als erster kanadischer Weltraumtourist ins All. Im Gepäck hat er Pappnasen und viele Ideen – denn der Zirkusdirektor im Kosmos verspricht eine überirdische Show.
Während andere Raumfahrer gerne ihren Raumflug mit der Wichtigkeit ihrer Mission und der einzelnen bevorstehenden Aufgaben begründen, kündigte der Kanadier auf der letzten Pressekonferenz vor dem Start an, er werde dort nächtens seine Mitflieger durchkitzeln. „Ich kitzele sie schon jetzt jeden Tag, um sie vorzubereiten.“
Wenn ein Zirkusdirektor richtig abhebt
In erster Linie hat sich Laliberté aber nicht durch seinen Humor, sondern seinen Geldbeutel für den Mitflug mit der russischen Sojus-TMA-16 zur Raumstation ISS qualifiziert. Das zwölftägige Raumabenteuer kostet den 50-jährigen Milliardär etwa 24 Mio. Euro. Sein Vermögen machte der Kanadier mit der Gründung des Show- und Zirkus-Weltkonzerns „Cirque du Soleil“.
Aus dem Orbit will er dann, neben ein paar guten Gags, auch ernsthafte Botschaften zur Erde schicken: Er will – vor allem mit Gedichten - auf den Wassermangel in der Welt aufmerksam machen. Als Beteiligte seines gleichzeitig in 14 Metropolen stattfindenden Medienspektakels hat er Shakira, Peter Gabriel und Al Gore gewonnen.
Kasachische Klammheit lässt Träume wahr werden
Koordiniert werden soll die Magashow vom Zirkusdirektor aus dem Weltall – wenngleich Laliberté aus Gewichtsgründen letztlich auf die Mitnahme des Drehbuchs verzichtete. Auf Anraten seines russischen Mitfliegers nimmt er jetzt den eher leichtgewichtigen „Kleinen Prinz“ von Saint-Exupery als Lektüre mit. „Dieser Flug ist trotz allem nicht der Traum meines Lebens. Mein Traum ist, dass Träume wahr werden“, erklärte er dazu ganz passend.
Neben Geld und Witz hat Laliberté den Raumflug dann auch einfach glücklichen Umständen zu verdanken: Nur weil Kasachstan - vermutlich aus Finanzmangel - seinen Kosmonauten von dem schon gebuchten Platz zurückzog, konnte der Kanadier einsteigen.
Bloß nicht den falschen Knopf drücken ...
Wie für Amateur-Raumfahrer üblich hat er jetzt ein dreimonatiges Trainingsprogramm für den Raumflug hinter sich gebracht. Er habe keine Angst vor dem Flug und wisse, wie er sich auf der Raumstation zu verhalten habe. „Ich hoffe, ich mache nichts falsch“, sagte er.
Zusammen mit dem glatzköpfigen Clown brechen der russische Kosmonaut Maxim Surajew und der US-Astronaut Jeffrey Williams als nächste Langzeitbesatzung zur ISS auf. Sie sollen dort 169 Tage bleiben. Laliberté wird hingegen nach acht Tage Aufenthalt in der Raumstation mit der vorherigen Crew in einer anderen Sojus-Kapsel wieder zu Erde zurückkehren.
Pappnasen als kosmisches Stimmungs-Barometer
Die Pappnasen sollen in der Zeit auch eine ganz praktische Rolle spielen: Wenn er schlechte Laune hat, wird der Profi-Unterhalter eine gelbe aufsetzen - als Warnung an den Rest der Crew, sich besser von ihm fernzuhalten, so Laliberté. Bei guter Stimmung trägt er dann wieder eine rote Pappnase.
Parallel laufen auf der ISS die wissenschaftlichen Experimente und der Ausbau der Station weiter. Die ISS wird auf das Andocken von neuen Modulen, je einem aus Russland, Europa und den USA, vorbereitet.
Laliberté ist übrigens vorerst der letzte Weltraumtourist, da die USA ihre Space Shuttles still legen. Wenn es dann vorerst nur noch die russischen Sojus-Zubringerdienste gibt, werden wieder alle Plätze für Profis gebraucht. Da hört der Spaß im Kosmos auf.
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