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Die Crew des Mini-U-Bootes bei der ankunft in Petropawlowsk (foto: vesti)
Die Crew des Mini-U-Bootes bei der ankunft in Petropawlowsk (foto: vesti)
Sonntag, 07.08.2005

Happy-End des U-Boot-Dramas vor Kamtschatka

St. Petersburg. Erst mit britischer Hilfe gelang es, das in 190 Meter Tiefe festsitzende U-Boot zu befreien. Die sieben Mann Besatzung haben die dreitägige Gefangenschaft in der Tiefe gut überstanden.

Großes Aufatmen bei der russischen Flotte – aber kein Vergleich zu dem tiefen Atemzug, den die sieben Mann Besatzung am Sonntag um 5.25 mitteleuropäischer Zeit wohl machten, als ihr Tauchapparat AS-28 Pris endlich die Meeresoberfläche erreichte und sie die Luke öffnen konnten.

76 Stunden hatten sechs Seeleute und ein ziviler Techniker bei nur 5 Grad Wärme und zur Neige gehenden Sauerstoffvorräten in dem rotweißen U-Boot ausharren müssen. Außer Erkältungen, so die ersten Diagnosen, haben die Männer keine Schäden davon getragen.

Illegale Fischernetze und streng geheime Antennen

Am Donnerstag hatte sich das eigentlich selbst zur Rettung von U-Boot-Besatzungen konstruierte, 14 Meter lange Tauchboot in der Berjosowaja-Bucht an der Ostküste Kamtschatkas in 190 Meter Tiefe verfangen. Nach Darstellung von Admiral Viktor Fjodorow, dem Kommandeur der russischen Pazifikflotte, waren es illegal ausgebrachte Netze von Fischwilderern, die dem Boot zum Verhängnis wurden. Eigentlich sei die Bucht militärisches Sperrgebiet, weshalb hier niemand mit derartigen Hindernisse gerechnet habe. Nachdem die Netze die Ruder der „Pris“ blockiert hatten, verhedderte sie sich zusätzlich noch in jenen geheimen Unterwasser-Anlagen, zu deren Wartung das Boot abgetaucht war. Dabei handelt es sich um Lauschantennen, mit denen die russische Marine die Bewegungen fremder U-Boote vor ihrer Küste zu kontrollieren versucht. 60 Tonnen schwere Betonblöcke halten diese Konstruktion am Meeresboden.

Russland hat keine mobile U-Boot-Rettungstruppe

Mit eigenen Mitteln gelang es der russischen Pazifikflotte nicht, das Tauchboot wieder frei zu bekommen. Denn auch fünf Jahre nach der „Kursk“-Katastrophe verfügt Russland nicht über mobile Unterwasser-Rettungstechnik, die auf dem Luftweg in den geforderten wenigen Stunden zur Unglücksstelle hätte gebracht werden können. Das auf dem Mutterschiff der „Pris“ üblicherweise stationierte zweite Tauchboot des gleichen Typs war wegen fälliger Reparaturen nicht mit an Bord.

Bei Russland-Aktuell
• Der Kursk-Effekt – Wiederholungszwang des Systems (07.08.2005)
• Kamtschatka: Bergung des Mini-U-Bootes hat begonnen (05.08.2005)
• Kamtschatka: Mini-U-Boot gehoben, Besatzung wohlauf (07.08.2005)
• Seeleute auf Mini-U-Boot atmen über Tauchretter (05.08.2005)
• Sieben Mann auf dem Grund des Pazifiks - Kursk-II? (05.08.2005)
Das Vorhaben der aus zehn Schiffen bestehenden Rettungsflotte, die „Pris“ samt des Drahtverhaus in seichteres Gewässer zu schleppen, musste nach nur 100 Metern Strecke abgebrochen werden. Ebenso scheiterte am Samstag ein Versuch, die „Pris“ mitsamt des ganzen Ballastes soweit anzuheben, dass Taucher zum Einsatz hätten kommen können: Nach 30 Metern drohte das U-Boot umzukippen, weshalb man beschloss, es wieder in die Ausgangslage am Meeresboden zu bringen.

Briten landeten als erste auf Kamtschatka

Wohl oder übel musste die russische Flotte in dieser Situation, wie schon im Falle des gesunkenen Atom-U-Bootes „Kursk“, auf ausländische Hilfe warten. Wenigstens hatte man im Unterschied zu damals mit dem Hilferuf nicht zuviel Zeit verschwendet: Zwar war nach Auftreten des Problems ein Tag vergangen, bis der Vorfall öffentlich gemacht wurde.

Doch schon am Samstag landeten in Petropawlowsk auf Kamtschatka – nur 75 Kilometer von der Unglücksstelle entfernt – britische und amerikanische Transport-Jets mit modernster Tauchtechnik an Bord. Auch japanische Bergungsschiffe waren auf dem Weg nach Kamtschatka. Als erstes kam in dem Rennen gegen die Uhr jedoch der ferngesteuerte britische Tauchroboter „Scorpio“ zum Einsatz.

Auch der „Scorpio“ hatte seine Macken

Wie Russlands Verteidigungsminister Sergej Iwanow berichtete, gelang es dem „Scorpio“-Team innerhalb von sechs Stunden, fünf dicke Kabel zu durchtrennen, die das U-Boot gefangen hielten. Auch wurden diverse Schläuche der Außenbord-Mechanik der „Pris“ gekappt. Zwischenzeitlich hatte aber auch der britische Roboter ein technisches Problem, weshalb es nötig wurde, ihn zu einer schnellen Reparatur nochmals an die Oberfläche zu holen.

Auftauchen aus eigener Kraft

AS-28 hatte noch genug Energie, um aus eigener Kraft aufzutauchen. Doch spätestens am Sonntag Abend wäre die schon mit allen Tricks gesparte Atemluft zu Ende gegangen.

„Wir haben bis zuletzt an unsere Rettung geglaubt“, sagte Kapitän-Leutnant Wjatscheslaw Milaschewski, der erst 25 Jahre alte Kommandeur des Tauchbootes, als er und seine Crew wenige Stunden später in Petropawlowsk an Land gingen.

Das russische Außenministerium beeilte sich, Großbritannien, den USA und Japan seinen Dank für die schnelle Hilfsaktion auszudrücken. Auch Flottenkommandeur Fjodorow in Wladiwostok bedankte sich mit einem verbalen „tiefen Diener“ bei den britischen Kollegen und lobte deren Professionalität.

Die Crew der „Pris“ habe in dieser Situation Heldenmut und Kaltblütigkeit bewiesen und keine Fehler begangen – womit er die Frage, ob sie durch eigenes Verschulden in die Zwangslage gerieten, erst einmal ausklammerte.

Präsident Wladimir Putin ordnete jedoch eine gründliche Aufklärung der Unglücksursachen an – was auch die Kreml-Opposition einfordert. Dmitri Rogosin, Chef der „Heimat“-Fraktion in der Duma kritisierte, dass die russische Flotte fünf Jahre nach dem „Kursk“-Desaster keine geeigneten Rettungsgeräte aufbieten könne, um sich selbst zu helfen. Auch sei zu klären, wie offenbar unbekannte Kabel und Netze in die militärischen Küstengewässer kamen. Kommunisten-Chef Gennadi Sjuganow sprach von „grenzenloser Verantwortungslosigkeit“ im Verteidigungsministerium.
(ld/rufo)


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