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Chef der Folterer in Uniform: Tatarstans Ex-Innenminister und Noch-Polizeichef ist ein bekennender Freund der Justiz des Mittelalters.  (Foto: MWD Tatarstan)
Chef der Folterer in Uniform: Tatarstans Ex-Innenminister und Noch-Polizeichef ist ein bekennender Freund der Justiz des Mittelalters. (Foto: MWD Tatarstan)
Freitag, 23.03.2012

Kasan: Polizeichef verteidigt mittelalterliche Folter

Kasan. Der Gipfel des Flaschenfolter-Skandals: Tatarstans Polizeichef hat sich in seinen Memoiren nicht nur für die Todesstrafe ausgesprochen, er äußerte auch Verständnis dafür, dass man früher Verbrecher zu Tode quälte.

Anatoli Kutscheren, ein renommierter Anwalt und Mitglied der Gesellschaftskammer beim Präsidenten, forderte jetzt den Rücktritt oder die Entlassung des tatarischen Polizeichefs Asgat Safarow – sofern der von der Presse zitierte Abschnitt aus dessen Memoiren tatsächlich so von ihm geschrieben worden sei.

In seinem erst vor einem Monat erschienenen Buch hatte Safarow erklärt, es sei seine „tiefe innere Überzeugung“, dass ein Verbrecher, der fremdes Leben genommen hat, dafür mit seinem eigenen bezahlen müsse.

Das sei sogar noch human, denn: „Die mittelalterliche Härte hatte ihre logische Begründung: Da man einen Mörder schon nicht mehrmals hinrichten kann, so kann man ihm das Leben wenigstens auf maximal qualvolle Weise nehmen – allen anderen zur Mahnung.“

Polizeichef ist jetzt nicht mehr Minister


Safarow hat aufgrund der bekannt gewordenen brutalen Verhörmethoden in verschiedenen Kasaner Polizeiwachen bisher nur einen Verweis kassiert. Außerdem verlor er gestern den Titel eines Ministers, da die Polizeiführung – wie in anderen Republiken auch üblich - dem föderalen Innenministerium untergeordnet wurde. Nach Angaben aus der Behörde handelte es sich dabei aber schon um eine seit längerem geplante Umstrukturierung.

Die Rechtfertigungen eines prügelnden Polizisten


Ein Kasaner Polizist, der sich nur „Jura“ nannte, verteidigte gegenüber der Zeitung „Moskowski Komsomolez“ die brutalen Methoden seiner Kollegen in der Stadt. Schläge, Drohungen und Folterungen wie das Vergewaltigen mit Flaschen seien zum Erpressen von Geständnissen nur gegenüber Verdächtigen angewandt worden, bei denen die Beamten sich sicher gewesen seien, dass sie schuldig seien, aber die Beweise fehlten. „Was hätte das für einen Sinn, wenn dann vor Gericht wieder alles auseinander fällt?“, behauptete er.

Bei Russland-Aktuell
• Moskauer Polizist erschießt Autofahrer wegen Rempler (23.03.2012)
• Folter-Skandal: Tatarstan verliert Hoheit über Polizei (23.03.2012)
• Polizei-Folter in Kasan: Zwei weitere Festnahmen (20.03.2012)
• Flaschen-Folter: Vier Kasaner Polizisten in U-Haft (15.03.2012)
• Polizist kastriert Drogendealer bei der Festnahme (08.11.2011)
Wenn sich die Ordnungshüter an das Gesetz halten würden, so der Beamte, würde es keine Gerechtigkeit mehr geben „und die normalen Bürger können nicht mehr ruhig schlafen, weil dann „Verbrecher und Mörder mit ihren Anwälten“ die Vorherrschaft übernehmen würden. Die Polizei wolle mit ihren rabiaten Methoden nur verhindern, dass wieder „das Chaos der 90er Jahre“ ausbreche.

"Miststücke verstehen nur Gewalt"


Schläge und Misshandlungen hätten sich zudem nur „Miststücke“ eingehandelt, deren Schuld anders nicht zu überführen gewesen sei.

„Mit den Dreckskerlen geht es nicht anders, Sonst schauen sie dich mit debilem Blick an und grinsen. Und dann vergeht die Frist, in der man gegen sie Anschuldigungen erheben kann und man muss sie rauslassen, wenn es sonst nichts anderes gibt“, erklärte der Polizist die Logik der amtlichen Gewaltexzesse. Schläge müssten dabei so gesetzt werden, dass keine Spuren am Körper blieben.

Den Todesfall nach einer Vergewaltigung eines Festgenommenen mit einer Sektflasche erklärte der Beamte mit Dummheit der betreffenden Kollegen. Sie hätten es wohl angesichts der von den Vorgesetzten geforderten „Planerfüllung“ (bei der Aufklärung von Fällen) übertrieben und die Nerven verloren. Üblicherweise reiche es, den Delinquenten die Folterungen nur anzudrohen.

Welle von Anschuldigungen gegen die Kasaner Polizei


Fünf Beamte, die in Verdacht stehen, an der Flaschenfolter beteiligt gewesen zu sein, sitzen in U-Haft. Den Sonderermittlern von Ermittlungskomitee und Generalstaatsanwaltschaft wurden inzwischen etwa 20 Beschwerden von Kasanern Bürgern über Misshandlungen zugetragen. Einige davon wurden seinerzeit von den Opfern zur Anzeige gebracht, doch passierte dann nichts weiter.

Inzwischen berichtete ein Anwalt über zwei weitere Fälle von Misshandlungen auf einem anderen Kasaner Polizeirevier – bereits dem fünften, das nun unter Verdacht steht.

Dort seien Festgenommene mit einer anderen Methode gefügig gemacht worden: Man habe den mit Handschellen gefesselten Opfern Gasmasken aufgesetzt und dann Zigarettenqualm unter die Maske geblasen. Dies führt zu Erstickungsanfällen.



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stuartpet@googlemail.com 28.03.2012 - 00:03

Diese durchgeknallten Perverslinge entschuldigt Gmelin mit dem Hinweis auf das Wasserboarding. Das lässt auf eine Grundhaltung schließen, die man immer wieder bei Befürwortern von Diktaturen findet. Entweder sind sie Profiteure des Systems, oder ihre Geisteshaltung ist geprägt von der Lebenssituation in der sie leben und aufgewachsen sind.
Bei Waterboarding, was ich absolut verurteile, geht es um Terrorismus.
Bei der perversen Flaschenfolter geht es im Zweifel um ein Geständnis wegen des Diebstahls einer Flasche Wodka.
Doch die russische Polizei und der Justizapparat sind zwei ganz große Probleme in Russland. Welche Probleme hat Rußland eigentlich nicht !


JohannGmelin 23.03.2012 - 22:30

In Kasan ist

man zu altmodisch. Hängt noch mit der Reiterzeit zusammen.
Der Kasaner Polizeichef, hätte sich mal besser mit den \"US-Kollegen\" in Guantanamo abgesprochen. Unter Bush II war das \"Waterboarding\" jedenfalls \"freiheitlich demokratischer\", als diese Strafen aus der Steppe...


Royaler 23.03.2012 - 18:31

Gruselkabinette

Gruselkabinette gibt es überall in der Welt - das ist zu bedauern.
Die Schuldigen, die Gesetz und Recht, gerade im Bereich von Ermittlung und Strafverfolgung verletzten, müssen in besonderer
Weise kontrolliert werden. Hier wäre ein lupenreines Verhalten einzufordern.

Zu fragen ist, ob die eklatante Situation in Kasan, die sich da auftut, symptomatisch für Russland unter Putin ist.
Rüdes Verhalten von Beamten in Uniform ist landesweit bekannt.
Die Verhaltensformen zu verbessern
wäre sicher ein sinnvoller gesellschaftspolitisch relevanter
Bereich, in den die Milliarden aus dem Ölgschäft hingeleitet werden sollten - besser zumindest als in Aufrüstung, wie es der angehende Präsident für die Putin III Zeit angekündigt hat.

Man kann gespannt sein auf die Reaktion des Staatsapparats auf die Kasaner Verhältnisse.


kaotixx 23.03.2012 - 16:09

Kasan Polizeichef

Schwul seid ihr anscheinend auch ,sonst kann ich DIESE Art der Folter nicht begreifen!Ihr gehört also auch zu den Leuten die so gefoltert werden müssen!


kaotixx 23.03.2012 - 16:05

Folter im Namen der Gerchtigkeit!

Das ist doch die Höhe eine solche Nazisau ist Polizeichef!!!!Warte nur bald werden diese Methoden dann auch auf ex-Polizeichefs angewandt!
Habt ihr von Josef Stalin nix gelernt!??


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