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Die Familie des Dorfpriesters von Prjamuchino kam beim Brand ihres Hauses in den Flammen um (Foto: baznica.info)
Die Familie des Dorfpriesters von Prjamuchino kam beim Brand ihres Hauses in den Flammen um (Foto: baznica.info)
Montag, 04.12.2006

Mord? Dorfpriester-Familie in ihrem Haus verbrannt

St. Petersburg. Im Gebiet Twer sind ein Dorfpriester, seine Frau und drei kleine Kinder in ihrem Haus verbrannt. Vater Andrej führte einen verzweifelten Kampf gegen örtliche Trinker, die seine Kirche ausplünderten.

Die Familie des Priesters von Prjamuchino starb in der Nacht auf Samstag in ihrem brennenden Haus im Dorf Dalekuschi im Kreis Kuwschinowo. Zuvor war die Familie bereits einmal Opfer eines Brandes geworden und hatte ihr Obdach verloren. Mitte Oktober hatte die Iswestija über den Dorfpriester geschrieben, dass dieser jede Nacht mit einem Gewehr in der Hand seine Kirche vor Plünderern bewache. Allerdings soll er dazu gesagt haben, er könne nicht auf Menschen schießen.

Die Behörden haben bisher nicht bekräftigt, was im russischen Internet bereits als Tatsache dargestellt wird: Die Familie wurde Opfer nicht nur einer Brandstiftung, sondern eines Mordes. Die Eingangstür des Hauses sei diesen Berichten zufolge mit einem Eisenstab verbarrikadiert worden – und die Fenster waren vergittert. Deshalb gab es für die Familie kein Entkommen, als das Haus von außen mit Benzin angezündet wurde.

Hünenhafter Priester war “ein echter Ritter”


Georgi Belodurow, ebenfalls ein orthodoxer Dorfpriester im Gebiet Twer sagte über den umgekommenen Priester, er habe „in den letzten Monaten immer eine Waffe bereit gehabt, da die der Trunksucht verfallenen Bewohner von Prjamuchino einen mystischen Schatz suchten. Die Moral in dem Dorf war so weit gesunken, dass die dortigen Alkoholiker schon die Bretter ihrer Häuser verkauften oder gegen Trinkbares eintauschten.“

Vater Andrej war nach Aussagen seines Kollegen „ein echter Ritter“. Dem hünenhaften Geistlichen sei es zwar gelungen, einige wenige Dorfbewohner vom Suff zu befreien. Doch die Mehrheit der Dorfbevölkerung brachte er mit seiner Prinzipientreue und der hartnäckigen Verteidigung seiner Ikonen und seiner Dorfkirche gegen sich auf.

Vergeblich hatte Vater Andrej bei Behörden und Kirchenführung nach dem ersten Brand seines Hauses um einen besseren Schutz nachgesucht. Die polizeilichen Ermittlungen hatten damals allerdings Brandstiftung nicht als Ursache bestätigt.

Priester stehen oft allein gegenüber Gewalt und Degneration


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Die russisch-orthodoxe Kirche bestätigte und betrauerte den Flammentod der Priesterfamilie. Dass es Mord war, wurde von Michail Prokopenko, dem offiziellen Sprecher des Moskauer Patriarchats zwar nicht direkt gesagt, aber indirekt bestätigt: „Der Dienst eines Geistlichen bedeutet einen permanenten Kampf gegen die Sünde und trifft immer wieder auf dämonischen Widerstand von Leuten die vom Bösen besessen sind. Manchmal bekommt die Reaktion dieser Menschen solche widerwärtigen Formen“.

Das Ausrauben von Dorfkirchen sei bereits eine Landplage geworden, so der Kirchensprecher. Auch sei es allgemein bekannt, dass Raub, Gewalt und Neid für Dorfpriester oft eine permantente Bedrohung seien, der sie schutzlos und allein ausgeliefert seien. Der Staat und die Gesellschaft müssten die Dorfgemeinden stärker unterstützen, forderte Prokopenko. Eventuell müssten Kirchen auch bewacht werden.

Das Innenministerium setzte inzwischen eine hochrangig besetzte Ermittlergruppe ins Gebiet Twer in Marsch, um die Hintergründe des Brandes auszuklären. Das am Montag formell eingeleitete Ermittlungsverfahren lautet auf "Mord auf gemeingefährliche Weise". Untersucht werden aber auch die in dem Priesterhaus aufgestellten Elektroheizgeräte.

Das Kirchdorf Prjamuchino ist übrigens der Geburtsort des anarchistischen Theoretikers Michail Bakunin. (ld/rufo)


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