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Die Christ-Erlöser-Kathedrale ist das Symbol für die Wiederauferstehung der russisch-orthodoxen Kirche nach dem Ende der Sowjetunion (Foto: Archiv)
Die Christ-Erlöser-Kathedrale ist das Symbol für die Wiederauferstehung der russisch-orthodoxen Kirche nach dem Ende der Sowjetunion (Foto: Archiv)
Samstag, 28.04.2007

Russische Kirche: Wiedervereinigung nach 80 Jahren

André Ballin, Moskau. Es ist ein historischer Schritt: Die russisch-orthodoxe Auslandskirche und das Moskauer Patriarchat wollen sich nach 80 Jahren wiedervereinigen. Dabei waren sie im zweiten Weltkrieg tiefverfeindet.

„Es ist unsere Pflicht vor Gott, der Kirche und der Geschichte an der Wiedergeburt Russlands teilzuhaben und der Heimat zu dienen“, erklärte Metropolit Lawr, Oberhaupt der russisch-orthodoxen Auslandskirche an Ostern in New York. Noch vor einigen Jahren wären solche Worte undenkbar gewesen. Zu groß schienen die Gegensätze zwischen dem Moskauer Patriarchat und der Auslandskirche. Nun wollen „beide Zweige einer Kirche“ jedoch wieder zusammenkommen.

An Christi Himmelfahrt (17. Mai) werden Patriarch Alexi II. und Metropolit Lawr den „Akt der kanonischen Gemeinschaft“ in der Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale unterzeichnen. Anschließend wollen sie gemeinsam einen Gottesdienst halten, der das Ende der langen Trennung dokumentieren soll.

Revolutionswirren lösen Kirchenspaltung aus


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Ausgelöst wurde diese Trennung durch Revolution und Bürgerkrieg in Russland. Adlige, Angehörige des Bürgertums und der Intelligenz, aber auch viele Kirchendiener flohen vor den Gräueln des Krieges und dem roten Terror. Rund zwei Millionen Menschen emigrierten in dieser Zeit ins Ausland. Sie bildeten die Basis der neuen Gemeinden außerhalb Russlands. 1921 auf dem ersten Konzil der russisch-orthodoxen Auslandskirche in Konstantinopel erklärte das frischgewählte Oberhaupt, Metropolit Antoni, die Schaffung der Auslandssynode freilich noch zum „zeitweiligen Akt - so lange, bis die Kirche in Russland ihre Freiheit wieder erhält“.

Doch diese Freiheit ließ auf sich warten. Im Gegenteil, die Kirche in Russland war zu immer mehr Zugeständnissen gezwungen, um ihrem Verbot zu entgehen. Zugleich entzweiten diese politischen Gegensätze das Moskauer Patriarchat und die Auslandskirche immer stärker. Zum endgültigen Bruch kam es 1927, als das neue Moskauer Kirchenoberhaupt Sergi zur Kooperation mit den Kommunisten aufrief. Danach brach die orthodoxe Führung im Ausland den Kontakt nach Moskau ab.

Moskauer Patriarchat kooperiert mit Bolschewiki, Auslandskirche mit Nazis


Bis heute stößt die Botschaft Sergis bei einem Teil der Auslandskirche auf heftigen Unwillen. „Sünde bleibt Sünde“ empörte sich Bischof Gawriil von Manhattan über die Rechtfertigungsversuche des Patriarchats, nur auf diese Weise sei das Überleben der Kirche im Sowjetreich überhaupt möglich gewesen.

Dabei ist auch die Auslandskirche nicht frei von Sünde. Die offene Unterstützung für Hitler beim Überfall auf die Sowjetunion zählt wohl zu den dunkelsten Kapiteln der orthodoxen Kirchengeschichte. In seiner berüchtigten Osterbotschaft 1942 pries Metropolit Anastasi, zu der Zeit Oberhaupt der Auslandskirche, das „tapfere germanische Schwert“, das Kiew, Smolensk und Pskow von den Kräften der Hölle befreit habe.

Vergeben seien die Sünden der Kollaboration


Inzwischen haben sich Vertreter beider Kirchenzweige auf eine Kompromissformel geeinigt. Dokumente, die von „einzelnen Würdenträgern und Organen der kirchlichen Macht“ in der Zeit des Totalitarismus herausgegeben worden seien, geben „nicht die tatsächliche Stimme der Kirche Christi“ wider, heißt es in einem gemeinsam verabschiedeten Dokument. Vergeben und vergessen sollen sie sein, die Sünden der Vergangenheit. Die orthodoxe Kirche ist sichtlich bemüht, das Kapitel Kollaboration zu schließen.

So spricht sich auch der höchste russisch-orthodoxe Würdenträger in Deutschland, Erzbischof Mark, für einen Schlussstrich aus: „Es gab beim Patriarchat sicher auch Verbindungen in der einen oder anderen Art zum Geheimdienst. Ob diese unumgänglich waren, kann ich nicht beurteilen. Aber es wurde Reue geleistet, das Volk nimmt die Bischöfe an, deshalb gibt es für uns keinen Grund sie abzulehnen“. Viel wichtiger als abzurechnen sei es, den „zerstückelten Körper“ wieder zusammenzufügen, meint Mark.

Auslandskirche beharrt auf Eigenständigkeit und lehnt Ökumene ab


Dabei beharrt die Auslandskirche allerdings auf ihrer Eigenständigkeit in der Verwaltung. Ihre Bischöfe will sie weiterhin selbst wählen. Meinungsverschiedenheiten gibt es darüber hinaus im Bereich der Ökumene. So lehnt die russisch-orthodoxe Auslandskirche den Weltkirchenrat in Genf ab. In Moskau steht man der Ökumene weitaus aufgeschlossener gegenüber als im Ausland.

„Unsere Partner im Westen sind in einer weitgehend christlichen, wenn auch nicht orthodoxen Umgebung aufgewachsen. Wir hingegen lebten in einer Atmosphäre des gewalttätigen Atheismus, in der uns jeder Christ als Verbündeter erschien“, erklärt Nikolai Balaschow, Sekretär für innerorthodoxe Beziehungen im Moskauer Patriarchat die Differenzen.

Doch Balaschow ist optimistisch, dass die Schwierigkeiten bewältigt werden können. Natürlich sei es schwierig gewesen, nach 80 Jahren den Dialog neu zu beginnen. „Aber die Wiedervereinigung bedeutet die Überwindung der Spaltung unseres Volkes“, sagt Balaschow. Und dies sei schließlich das Wichtigste.


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