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Dieser Frachter mit Baumaschinen wurde an der Krim ans Ufer geworfen (Foto: tv)
Dieser Frachter mit Baumaschinen wurde an der Krim ans Ufer geworfen (Foto: tv)
Montag, 12.11.2007

Sturm versenkt zehn Schiffe im Schwarzen Meer

Krasnodar. Ein schwerer Sturm hat am Sonntag zahlreiche Schiffe in der Straße von Kertsch zwischen Schwarzem und Asowschen Meer in Seenot gebracht. Ein Tanker brach auseinander, drei Frachter mit Schwefel sanken.

Das Unheil brach am Samstag Abend über die intensiv befahrene Meerenge herein. Sturmwind mit bis zu 90 Kilometer schnellen Böen peitschte das Meer zu vier bis fünf Meter hohen Wellen auf – wie man sie in dieser Gegend seit 30 Jahren nicht mehr gesehen hatte.

Zu diesem Zeitpunkt befanden sich dort etwa 50 Schiffe – teils in Fahrt, teils auf Reede liegend, teils im russischen Hafen Kawkas, der Kertsch auf der Krim gegenüber liegt.

Viele der dort abgefertigten Schiffe waren derartigen Hochseebedingungen nicht gewachsen, da sie nur für die Fluss- und Küstenschiffahrt ausgelegt sind. Die Sturmwarnung des Wetterdienstes von 17.15 Uhr kam für viele Kapitäne zu spät – möglicherweise wurde sie von manchen Besatzungen aber auch sträflich ignoriert, denn etwa 30 Schiffe gingen noch im Asowschen Meer „in Deckung“ und überstanden den Sturm heil. Jedenfalls ermittelt die Staatsanwaltschaft bereits, wer die Verantwortung für das Desaster vom Sonntag trägt.

Tankschiff in der Mitte auseinandergebrochen


Bei Russland-Aktuell
• Schiffskatastrophen im Asowschen Meer: Erste Tote (12.11.2007)
• Neue Eisenbahnfähre von Ukraine nach Georgien (29.10.2007)
• Neuer Schub für Ring-Autobahn um das Schwarze Meer (26.06.2007)
• Neue Pipeline: Russisches Öl umgeht den Bosporus (15.03.2007)
• Marsmensch geriet Fischern in Südrussland ins Netz (07.02.2007)
Erstes Opfer der Naturgewalten wurde der Tanker „Wolgoneft-139“. Das in der Meerenge vor anker liegende Schiff wurde entzwei gerissen. Während der Bug weiter am Anker hing, trieb das Heck mit 13 Mann Besatzung ab und lief schließlich auf einer Sandbank auf Grund. Die Besatzung konnte erst 12 Stunden später gerettet werden, da der Sturm eine Annäherung mit Booten oder Hubschraubern unmöglich machte.

Dieses Unglück hat schwere Folgen für die Umwelt: Etwa 2.000 Tonnen Heizöl sind ausgelaufen. Der Sturm verhinderte zunächst das Errichten von Ölsperren. Laut Oleg Mitwol, Vizechef der russischen Umweltbehörde, gibt es nun ein Problem und Arbeit für Jahre.

Drei Schwefelfrachter sanken vor russischem Hafen



Sturmgewalten: Reihenweise liefen an der Schwarzmeerküste die Schiffe auf Grund (foto: tv)
Sturmgewalten: Reihenweise liefen an der Schwarzmeerküste die Schiffe auf Grund (foto: tv)
Parallel versenkte der Sturm drei Frachter, die im oder vor dem Hafen Kawkas lagen. Alle waren mit Schwefel beladen. Etwa 7.000 Tonnen der aggressiven Chemikalie versanken. Die Einschätzungen darüber, wie gefährlich dies für die Umwelt ist, gehen auseinander. In erster Linie hängt das davon ab, ob es nun gelingt, das nur gut gekapselt transportierbare Frachtgut wieder aus dem Wasser zu holen.

Auf einem der Schwefel-Frachter kostete der Sturm Menschenleben: Nur drei der elf Mann Besatzung der erst zwei Jahren alten „Nachitschewan“ konnten gerettet werden. Drei Tote wurden bereits gefunden, nach fünf weiteren Seeleuten wird noch gesucht.

Seenot-Fälle auch vor Noworossijsk und der Krim


Auch vor anderen Häfen gerieten durch den Sturm Schiffe in SOS-Notlagen: Im russischen Hafen Noworossijsk liefen zwei Schiffe aus der Türkei und aus Georgien auf Grund. Auch vor Sewastopol auf der Krim kenterte ein georgisches Schiff, ein ukrainischer Frachter wurde vor Sudak auf Grund geworfen.

Darüberhinaus wurden zwei mit insgesamt 8000 Tonnen Öl beladene Lastkähne vom Sturm losgerissen. Beide liefen an der die Meerenge teilweise abriegelnden Landzunge Tusla auf Grund.

Russen und Ukrainer kooperieren



Russische und ukrainische Behörden koordinieren inzwischen ihre Bemühungen bei der Bekämpfung der Ölpest, der Begung der Havaristen und der Suche nach den Vermissten. Zahlreiche Schiffe und Hubschrauber sind im Einsatz.

Schwere Schäden an Gebäuden und Hafenanlagen werden von der gesamten Schwarzmeer-Nordküste gemeldet - von Sotschi bis Sewastopol.

Die Hoheit über die 40 Kilometer lange Meerenge ist formell nicht endgültig geklärt. Gegenwärtig kontrollieren ukrainische Aufsichtsbehörden die Hauptfahrrinne mit 8 Meter Tiefe und Russland zwei Fahrwasser für kleinere Schiffe. Jährlich passieren 9000 Schiffe die einzige Zufahrt ins Asowsche Meer.

(ld/rufo/St.Petersburg)


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