Grosny. Doku Umarow, als „Emir des Kaukasus“ zumindest formell das Oberhaupt der islamischen Untergrundkämpfer, hat sein Amt niedergelegt. Die dortigen Behörden sagen, dass dies ohne Bedeutung sei.
Auf „Kawkas-Zentr“, der Webseite der Islamisten, wurde heute eine Videobotschaft veröffentlicht, in der Doku Umarow seinen Rücktritt erklärt, weil das „Emirat“ einen jüngeren und energischeren Führer brauche. Das Kommando werde an Aslambek Wadalow übergeben, einen langjährigen Gefolgsmann Umarows.
Experten schließen allerdings nicht aus, dass die Videobotschaft schon vor längerer Zeit für den Fall einer Kampfunfähigkeit oder des Todes Umarows aufgezeichnet wurde und nur jetzt publiziert wurde.
Terroristen-Chef heimlich vergiftet?
Gerüchten zufolge gelang es russischen Geheimdienstlern, den sich vermutlich in den Wäldern des Nordkaukasus versteckenden Umarow im Herbst 2009 zu vergiften, wovon er sich nicht mehr erholt habe.
Seitens der offiziellen tschetschenischen Behörden wurde der Führungswechsel bei den Terroristen für bedeutungslos erklärt. Innenminister Ruslan Alchanow erklärte, Umarow habe „schon seit längeren keinen Einfluss auf die Reste der Kämpfer, die sich in den Bergen verstecken“.
Er sei ein „kranker und verschreckter Mensch, der irgendwo in einem Erdloch sitzt und sich nicht mehr heraustraut“. Und bei Nachfolger Wadalow handele es sich um „einen einfachen Kriminellen und keinen Führer eines mythischen Emirates“.
Kadyrow: Umarow ist "lebende Leiche"
Tschetscheniens Präsident Ramsan Kadyrow bezeichnete Umarow als „lebende Leiche“ und den Führungswechsel bei den Untergrundkämpfern als „Farce“. In Tschetschenien wüssten neun von zehn Leuten nicht, von welchem Emirat er spreche und wer Umarow eigentlich sei, so Kadyrow.
„Es macht keinen Unterschied, wer sich da wie nennt. Das ist ein Versuch, Aufmerksamkeit für die Person eines Terroristen zu gewinnen und den Eindruck irgendwelcher organisierter Kräfte zu erwecken, die eine Leitungsstruktur haben“, erklärte der tschetschenische Machthaber.
Neue Terrorakte zum Debut des neuen Chefs?
Laut Alexander Torschin, dem Ersten Vizevorsitzenden des Föderationsrates, könnte die Ablösung Umarows aber eine Intensivierung des vom Nordkaukasus ausgehenden Terrors bedeuten. Ein neuer Anführer würde immer die Taktik und Strategie wechseln und müsse zudem seine Autorität beweisen. Deshalb sei mit großen Terrorakten zu rechnen.
„Das ist ein Gesetz dieser Branche. Wenn du dich nicht hervorhebst, dann will niemand mit dir zu tun haben“, so Torschin.
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