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Gleb Pawlowski in seiner Fernsehsendung "Realpolitik" bei NTW (Foto: NTW)
Gleb Pawlowski in seiner Fernsehsendung "Realpolitik" bei NTW (Foto: NTW)
Montag, 02.03.2009

Pawlowski: In Russland reift ein Putsch gegen Putin

Moskau. Einen Umsturz sieht der Kreml-Politologe Gleb Pawlowski in Russland heranreifen - wenn Putin und Medwedew der Krise nicht Herr werden. Das Jahr 1991 oder eine Orangene Revolution a la Kiew könnten sich wiederholen.

In einem Interview mit der Tageszeitung "Moskowski Komsomolez" (MK) sagt Pawlowski, es gebe in Russland eine Gruppe von Leuten, die die Krise nutzen könnten, um einen Umsturz zu inszenieren. Es handele sich um einen Teil der Oligarchen, Menschen an der Staatsspitze, "Moskauer Kreise" und einige Gouverneure der russischen Regionen.

Pawlowski spricht in dem Interview auch davon, dass die an einem Regierungswechsel Interessierten den Präsidenten Medwedew stützen könnten, um den Premierminister Putin loszuwerden.

"Der Vulkan kann in einer der Krisen-Regionen ausbrechen"


Nach dem von Pawlowski entworfenen Szenario könnte eine "Verschwörung" in einem der grossen Industriezentren beginnen. Der Vulkan könne in einer der Grossstädte ausbrechen, die im wesentlichen von einer Fabrik abhängig sind. Dort herrsche bereits jetzt eine sehr angespannte ökonomische und soziale Situation.

Bei Russland-Aktuell
• Kreml-Berater: Keiner weiß, wie lang die Krise dauert (27.02.2009)
• Miliz und OMON: Feuer frei auf Protest-Demonstrationen (27.02.2009)
• Putin: Keine Katastrophe, aber Krise wird noch tiefer (27.02.2009)
• Kremlpartei überall bei Wahlen in Russland vorn (02.03.2009)
• Legale Oppositions-Demo fordert Putins Rücktritt (22.02.2009)
Alles hänge davon ab, sagt Gleb Pawlowski, wie es Regierung und Kreml gelinge, die Krise zu überwinden. Er empfiehlt Putin und Medwedew als Gegenstrategie unter anderem, sich in Zukunft öfter gemeinsam in der Öffentlichkeit zu zeigen.

Gleb Pawlowski ist Chef des "Fonds Effektive Politik", der seit Anfang der 90iger Jahre im Wesentlichen für den Kreml Kampagnen aller Art organisierte. Der "FEP" hat erheblichen Anteil an Wahlsiegen Jelzins, aber auch Putins. Weniger erfolgreich agierte der "FEP" in der Ukraine, wo er für die moskauorientierten "Blauen" arbeitete.

Verschwörungstheorien, Staatsstreichgerüchte und Zerfall-Szenarios


Verschwörungstheorien, Staatsstreichgerüchte und Zerfall-Szenarios haben in den vergangenen zwei Jahrzehnten regelmässig dazu gedient, gegen mutmassliche Oppositionelle vorzugehen, auch wenn sie mehr oder weniger frei erfunden waren.

Gleb Pawlowski selbst hatte damit bereits schlechte Erfahrungen gemacht, als er unter der Überschrift "Schnee fällt ..." in der angesehenen Tageszeitung "Rossiiskaja Gaseta" einen heimtückischen Verschwörungsplan enthüllt hatte, in den angeblich sowohl Moskaus Bürgermeister Juri Luschkow, als als Liberale im Umfeld Jelzins verstrickt gewesen sein sollen.

Gegen Gleb Pawlowski wurden damals strafrechtliche Ermittlungen eingeleitet. Er selbst bezeichnete seinen Artikel als "Gedankenspiel".
Der von ihm ausgelöste einen Skandal war aber dennoch ein Baustein in seiner anschliessenden Karriere als "Polit-Stratege".

In letzter Zeit waren allerdings die gut bezahlten Aufträge für den "FEP" deutlich zurückgegangen. Noch vor der globalen Finanzkrise gab es eine Finanzkrise für "FEP". Jetzt soll die Krise wohl helfen, die Krise zu überwinden.


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