Das neue Märchen: Putins Bomben sind Grund der Migrantenflut
Syrien-Einigung: Das dicke Ende kommt noch
Russland-Aktuell zur Startseite machen


2010 galt Janukowitsch als Hoffnungsträger Moskaus, jetzt sieht es ganz anders aus. (Foto: newsru.com)
2010 galt Janukowitsch als Hoffnungsträger Moskaus, jetzt sieht es ganz anders aus. (Foto: newsru.com)
Dienstag, 21.06.2011

Russland-Ukraine: Schielt Janukowitsch Richtung NATO?

Kiew/Moskau. Als Viktor Janukowitsch im letzten Jahr zum ukrainischen Präsidenten gewählt wurde, galt er als „Pro-Moskau-Mann“. Doch die Idylle für Russland war nur kurz – Kiew wendet sich wieder verstärkt dem Westen zu.

Die Zeitung „Kommersant“ besitzt ein Geheimdokument mit der Auflistung der für 2011 geplanten Gespräche zwischen der Nato und der Ukraine. 64 Veranstaltungen enthält die Liste, darunter höchst kitzelige Themen wie die Zukunft der russischen Schwarzmeerflotte, die Raketenabwehr und sogar die allgemeine Konzeption der ukrainischen Außenpolitik.

Bei Russland-Aktuell
• Janukowitsch unzufrieden mit Airbus als Präsidentenjet (21.06.2010)
• Juschtschenko-Sekretär mit 125 Mio. Euro im Gepäck (23.03.2010)
• Ukraine: Ex-Premier Julia Timoschenko festgenommen (24.05.2011)

Eitel Sonnenschein


Nachdem Janukowitsch seinen Vorgänger, den in Moskau als „Russenfeind“ gewerteten Viktor Juschtschenko, abgelöst hatte, herrschte erst einmal eitel Sonnenschein in den russisch-ukrainischen Beziehungen.

Beide Seiten konnten zufrieden sein: Russland gelang die Verlängerung der Präsenz der Schwarzmeerflotte in Sewastopol bis 2042, die Ukraine bekam im Gegenzug erhebliche Vergünstigungen beim Gaspreis zugesprochen.

Kiews Weg in die Nato, den Juschtschenko so gern beschritten hätte, schien für lange verbaut, darf doch ein Mitglied der Nordatlantischen Allianz keine ausländischen Militärbasen auf seinem Territorium beherbergen. Im Juni 2010 erklärte sich die Ukraine dann offiziell als „blockfrei“. Moskau konnte zufrieden sein.

Janukowitsch wie Juschtschenko?


Aber die Idylle war nicht von allzu langer Dauer. Zum offenen Schlagabtausch kam es in der letzten Woche – Stein des Anstoßes war die Anwesenheit des US-Kreuzers „Monterey“ mit Raketenabwehrwaffen an Bord beim amerikanisch-ukrainischen Manöver „See Breeeze-2011“ im Schwarzen Meer.

Russland fühlte seine Sicherheit bedroht und brachte das ziemlich deutlich zum Ausdruck Das ukrainische Außenministerium reagierte prompt: „Solche gemeinsamen Übungen helfen, Phobien und Stereotypen aus dem Kalten Krieg zu überwinden“, hieß die Breitseite gegen Moskau.

Die russische Hauptstadt zeigte sich deutlich verschnupft. Ein Duma-Abgeordneter kommentierte: „Als Janukowitsch zu Juschtschenko in Opposition stand, hat er alles getan, damit es keine solchen Manöver in der Ukraine gibt – und jetzt finden sie nicht nur statt, sondern werden auch noch in provokativem Format durchgeführt!“

Bei Russland-Aktuell
• Ukraine legt Nato-Beitrittswünsche zu den Akten (27.05.2010)
• Billig-Gas gegen Flottenbasis: Details des Deals (22.04.2010)
• Transnistrien würde gerne russische Raketen stationieren (15.02.2010)
• Medwedew probt Versöhnung Moldawien-Transnistrien (18.03.2009)

Höchst schmerzliche Themen für Moskau


Doch zurück zu dem Geheimdokument. Die dort aufgeführten Veranstaltungen finden auf Basis der Kommission NATO-Ukraine statt. Außer Schwarzmeerflotte und außenpolitischer Strategie sind dort folgende Themen aufgeführt:

Die Regelung der Lage in der Dnjestr-Republik (Pridnjestrowje, Transnistrien), die Energie- und Wirtschaftssicherheit der Ukraine, die Reform ihrer Geheimdienste. Für Moskau sind das allesamt sehr schmerzliche Themen, zeigen sie doch, wie weit der Einfluss der Nato im Nachbarland in Wirklichkeit geht.

Unverständnis auf beiden Seiten


Die Verärgerung in Moskau ist dementsprechend groß. Der „Kommersant“ zitiert einen anonymen Informanten von höchster Stelle: „Dieses Dokument zeugt von der völligen Abhängigkeit der Ukraine bei der Formulierung ihrer Außenpolitik. Das alles hat wenig mit dem verkündeten blockfreien Status und der Absage an die Integration in die NATO zu tun.“

Kiew weist die Moskauer Vorwürfe zurück. Ein anonymes Mitglied der ukrainischen Regierung wirft Moskau vor, die Ukraine hörig machen zu wollen: „Wir hatten die Illusion, dass, wenn wir die Schlüsselreizthemen wie Anwesenheit der Schwarzmeerflotte, Anerkennung der Hungersnot (in den dreißiger Jahren) und die Nato-Beitrittspläne beseitigen, alles gut wird.

Aber das ist nicht geschehen. Moskau will, dass wir in seiner Umlaufbahn kreisen und ihm dafür auch noch Geld dazu bezahlen. (…) Nicht wir entfernen uns von Russland, sondern Russland stößt uns ab.“

Eine Quelle bei der Nato versucht Russland zu beruhigen: „Russland sollte nicht beleidigt auf die Freundschaft zwischen der Ukraine und dem Bündnis reagieren. Mit Gewalt wird bei uns keiner irgendwohin gezwungen.“



Artikel versenden Druckversion

Leser-Kommentare zu diesem Artikel (und Kommentare zu Kommentaren): ↓

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar, nachdem Sie sich hier unten für Kommentare neu registriert haben. Beachten Sie unbedingt die >>> Regeln für Leserkommentare. Sie können hier oder auch im Forum ( www.forum.aktuell.ru) mitdiskutieren.

Bisher gibt es zu diesem Artikel noch keine Leserkommentare


Überblick aller Leserkommentare zu allen Artikeln >>>



E-Mail (Zur Registrierung. Wird nicht veröffentlich)

Kennwort

Schnelle Neuanmeldung zum Schutz vor Spam
Klicken Sie hier, wenn Sie sich bisher noch nicht für Kommentare registriert haben.




nach oben
Alle Berichte aus dieser Rubrik
Alle Artikel vom Dienstag, 21.06.2011
Zurück zur Hauptseite








Der Winter ist eingezogen. Für ein paar Monate können sich die Russen in den Moskauer Parks an zahlreichen Eisskulpturen erfreuen. (Topfoto: Ballin)



Die populärsten Artikel der letzten drei Tage


Mail an die Redaktion schreiben >>>


Schnell gefunden
Neues aus dem Kreml

Die Top-Themen
Kommentar
Das neue Märchen: Putins Bomben sind Grund der Migrantenflut
Moskau
Parken: Moskaus Lizenz zum Gelddrucken
Kopf der Woche
Moskauer Polizei jagt Baulöwen nach vier Morden
Kaliningrad
Pech für Kaliningrader Glücksspielbetreiber
Thema der Woche
Russland in Syrien: Imagekorrektur per Krieg gegen IS
St.Petersburg
Ermordete Zarenkinder werden in St. Petersburg beigesetzt

Alle Berichte bei Russland-Aktuell ab 2000 finden Sie in unserem Archiv
Weitere Nutzung im Internet oder Veröffentlichung auch auszugsweise nur mit
ausdrücklicher Genehmigung der Redaktion (Chefredakteur: Gisbert Mrozek) und mit Quellenangabe www.aktuell.ru
E-mail genügt
www.Russland-Aktuell.ru (www.aktuell.ru) ist nicht verantwortlich für die Inhalte externer Internetseiten.

Basis-Information aus Russland, der Provinz und der GUS auf deutschen Internetseiten:
www.sotschi.ru
www.wladiwostok.ru, www.kasachstan.ru, www.russlanddeutsche.ru, www.georgien.ru, www.abchasien.ru, www.ossetien.ru, www.waldikawkas.ru, www.grosny.ru, www.sibirien.ru, www.wolga.ru, www.baikalsee.ru, www.kaukasus.ru, www.nowgorod.ru, www.nischni-nowgorod.ru, www.nowosibirsk.ru, www.rubel.ru, www.zeit.ru