Großeinsatz auf dem russischen Stabs-Gelände in Zchinwali: Eine Autobombe forderte neun bis elf Tote (Foto: tv/newsru)
Samstag, 04.10.2008
Zchinwali: Bombe tötet sieben russische Soldaten
Zchinwali. In Südossetien sind bei einem Anschlag sieben russische Soldaten getötet worden, darunter auch der Stabs-Chef des Truppenkontingents. Georgier und Russen schieben sich die Schuld gegenseitig in die Schuhe.
Die gewaltige Explosion am späten Freitag Nachmittag ließ viele Menschen in Zchinwali glauben, der Krieg hätte wieder begonnen: Auf dem Kasernen-Areal der dort stationierten russischen Truppen explodierte eine in einem Lada Samara versteckte Bombe mit der Sprengkraft von 20 Kilogramm TNT. Im Umkreis von 500 Metern splitterten Fensterscheiben.
Unter den sieben toten Soldaten der schon vor dem Kriegsausbruch im August dort stationierten russischen „Friedenstruppe“ ist auch deren Stabs-Chef Iwan Petrik. Er wurden in seinem Büro von Splittern tödlich verletzt, weil die Autobombe genau unter seinem Fenster explodierte. Sieben Soldaten wurden zudem verletzt.
Russische Soldaten holten das verdächtige Auto selbst aufs Gelände
Getötet wurden auch zwei weitere Personen, deren Identität noch nicht klar ist, die aber auch – als Täter oder unfreiwillige Helfershelfer – mit dem Anschlag zu tun haben. Südossetische Behörden sprachen am Samstag von vier und nicht zwei weiteren Todesopfern.
In jedem Fall handelt es sich um den schwersten Zwischenfall seit dem Ende der offenen Kampfhandlungen in und um Südossetien im August. Ganz offensichtlich war es aber kein direkt auf den russischen Truppen-Stab gezielter Anschlag. Denn die Autobombe wurde dort von den russischen Soldaten unwissentlich selbst abgestellt.
Das Bomben-Auto kam aus der Pufferzone
Nach Auskunft des Kommandeurs der russischen Truppe in Südossetien, Generalmajor Marat Kulachmetow, stellten russische Soldaten in der Pufferzone jenseits der südossetischen Grenze am Freitag vier Personen „vermutlich georgischer Nationalität“, die mit zwei Ladas unterwegs waren. Da die Männer bewaffnet waren und sich nicht ausweisen konnten, wurden sie festgenommen und die Fahrzeuge zur weiteren Untersuchung in die russische Basis nach Zchinwali gebracht. Als man dort die Autos untersuchte, kam es zu der Explosion.
Eine etwas andere Version des Tathergangs bringt die Zeitung „Kommersant“ unter Verweis auf Quellen im südossetischen Innenministerium: Demnach entdeckte eine in einem Lada fahrende Patrouille südossetischer Freiwilliger in dem faktisch zerstörten und entvölkerten georgischen Dorf Dizi am Straßenrand ein verdächtiges Auto mit georgischen Nummernschildern und steckenden Zündschlüsseln.
Die Männer beschlossen, das herrenlose Auto nach Zchinwali zu fahren, wurden unterwegs aber von den russischen Soldaten angehalten. Da sie keine Papiere für das Fahrzeug vorweisen konnten, wurden sie auf den Stützpunkt eskortiert.
Russen und Georgier beschuldigen die Geheimdienste des Gegners
Ein Vertreter der russischen Staatsanwaltschaft beschuldigte den georgischen Geheimdienst, den Anschlag verübt zu haben. Ähnlich äußerte sich auch Südossetiens Präsident Eduard Kokoity: „Diese Handschrift ist uns nur zu gut vertraut“, sagte er.
Exakt den gleichen Vorwurf erhob in der Gegenrichtung ein hochrangiger Vertreter des georgischen Innenministeriums: „Uns scheint, das dies der russische Geheimdienst organisiert hat. Die russischen Streitkräfte sollen bis zum 10. Oktober vom georgischen Territorium abziehen und man sucht jetzt einen Vorwand, um dies nicht zu tun“, erklärt man in Tiflis.
Platzt nun auch der Sarkozy-Abzugsplan?
Das russische Verteidigungsministerium spricht seinerseits ebenfalls davon, dass der „detailliert geplante Anschlag“ ein Versuch ist, die Umsetzung des vom französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy vermittelten Friedensplanes zu torpedieren. Gegenwärtig rücken die von der EU und OSZE nach Georgien entsandten Militärbeobachter in die noch von russischen Truppen gehaltene einige Kilometer breite „Sicherheitszone“ entlang der Grenzen Südossetiens ein.
Offiziell hat sich Moskau aber noch nicht darüber geäußert, ob der Anschlag nun ein Grund dafür ist, den Zeitplan des Abzuges zu verändern. Präsident Medwedew ordnete eine gründliche Untersuchung an und verordnete, zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen zum Schutz der Armee im Krisengebiet zu ergreifen.
Der gegenwärtige OSZE-Vorsitzende, der finnische Außenminister Alexander Stubb, verurteilte den Terrorakt und sprach den Familien der Opfer sein Beileid aus. Er forderte beide Seiten auf, die Ruhe zu bewahren. Die OSZE bemühe sich weiterhin um eine Stationierung ihrer Vertreter auch auf südossetischen Gebiet. Dies wird von Zchinwali und Moskau bislang verweigert.
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... und in der Ferne glänzen die goldenen Kreml-Kuppeln vor dem Winterpanorama der Stadt Moskau. Das historische Moskau, das "Goldköpfige" genannt, hatte 40x40 goldene Kirchenkuppeln. ( Topfoto: mig/.rufo)