Breit fließt die Wolga durch die Stadt Twer. An der Uferpromenade gibt es viele klassizistische Bauten (Foto: Ballin/.rufo)
Twer – die zweitschönste Stadt Russlands
Im Mittelalter kämpfte Twer mit Moskau um die Vormachstellung in Russland. Heute prägen klassizistische Bauten aus der Zeit Katharina der Großen das Stadtbild. Ihretwegen galt Twer zeitweise als zweitschönste Stadt des Reiches.
In den Chroniken wird Twer erstmals 1127 und damit 20 Jahre früher als der große Rivale Moskau erwähnt. Zwischen Nowgorod und Wladimir liegend gelang Twer selbst innerhalb kurzer Zeit der Aufstieg zum Fürstentum.
Twer kommt unter die Herrschaft Moskaus
Ende des 15. Jahrhunderts war es mit der Eigenständigkeit vorbei. Iwan der Schreckliche eroberte die stolze Stadt an der Wolga und verleibte sie dem neuen russischen Zarenreich unter Moskauer Führung ein.
Dennoch blieb Twer eine wichtige Handelsstadt – zunächst vor allem durch ihren Standort an der schiffbaren Wolga, später dann auch durch ihre Lage zwischen Moskau und der neuen Hauptstadt St. Petersburg.
Klassizistischer Wiederaufbau nach Großbrand
Ein Großbrand 1763 zerstörte die meisten hölzernen Gebäude im Zentrum, unter anderem auch den für viele altrussische Städte typischen Kreml. Der Wiederaufbau unter Katharina der Großen erfolgte im klassizistischen Stil. Bis heute sind viele Gebäude aus der Zeit erhalten geblieben.
Katharina die Große selbst war von dem Wiederaufbau mit dem streng geometrischen Straßenzügen und den vielen Prachtbauten, die die Architekten Carlo Rossi und Matwej Kasakow verwirklichten, so begeistert, dass sie Twer die zweitschönste Stadt Russlands nannte – übertroffen nur von St. Petersburg.
Die Fürst-Michails-Kirche ist nur eine von zahlreichen Kirchen in der Stadt (Foto: Ballin/.rufo)
Kirchen im Zentrum
Zahlreiche Kirchen und Klöster zeugen immer noch vom einstigen Reichtum der Stadt, so das Katharinenkloster oder die Himmelfahrtskathedrale. Obwohl die Stadt zu Sowjetzeiten von 1931 bis 1990 den Namen Kalinin trug, wurde der Baustil im Zentrum kaum verändert. Auch das zu Stalins Zeiten gebaute Theater und der Flussbahnhof wurden im neoklassizistischen Stil entworfen.
Am Stadtrand weist natürlich auch Twer die in allen sowjetischen Großstädten üblichen Betonklötze und industriellen Zweckbauten auf. Twer ist heute ein Industriezentrum mit dem Schwerpunkt Waggon- und Maschinenbau sowie Polygraphie.
Für Besucher der Stadt lohnt sich speziell ein Spaziergang am Ufer der Wolga. Twer ist auch ein beliebtes Anlegeziel für die Wolga-Kreuzfahrtdampfer. In der Stadt laden viele Parks zum Verweilen ein.
Sicherheitsabstand sieht anders aus. Aber wenn an der Peter-Pauls-Festung in St. Petersburg der Rundflug-Helikopter startet und landet, sind Zuschauer immer ganz nah dabei. Sobald sie allerdings der Rotorwind samt Staubwolke erfasst, haben die Neugierigen wieder etwas Nützliches fürs Leben gelernt. (Topfoto: Deeg/.rufo)