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Die deutschen Studenten haben viel Arbeit, aber auch Freude an ihrer Zusatzausbildung in Moskau (foto: ldc/.rufo)
Die deutschen Studenten haben viel Arbeit, aber auch Freude an ihrer Zusatzausbildung in Moskau (foto: ldc/.rufo)
Freitag, 21.03.2008

Deutsche Studenten als Versuchskaninchen in Moskau

Moskau. Seit Anfang Februar gibt es in Moskau das Nachdiplomstudium „Interkulturelle Sozialarbeit“: Ein Projekt in Zusammenarbeit mit einer Berliner Hochschule, das noch mit einigen Geburtsfehlern zu kämpfen hat.

In der Küche des Wohnheims wird gerade von Angestellten der Uni geputzt. Auch sonst macht das Gebäude einen tadellosen Eindruck: Frisch renoviert, hell, warm und mitten auf dem Campus. Bis zum Hörsaal sind es nur ein paar Gehminuten.

Die Humanitäre Universität Moskau (MHU) hat ihre Austauschstudenten komfortabel einquartiert. Seit knapp zwei Monaten leben die acht Teilnehmer, die von der Berliner Alice Salomon Hochschule (ASFH) für ein Semester nach Russland entsandt wurden, schon auf dem Campus in einem Außenbezirk der Stadt.

Es ist eine bunte Truppe, die sich in der Küche versammelt. Sie kommen aus Polen, der Schweiz, Deutschland oder Russland. Sie alle sind bereits fertig ausgebildete Akademiker, haben Abschlüsse von Sozialpädagogik, Ethnologie bis Slawistik und teilweise jahrelange praktische Erfahrung.

Gemein ist ihnen die Teilnahme am ersten Masterstudiengang „Interkulturelle Sozialarbeit“, den die beiden Hochschulen gemeinsam ausrichten und der nach drei Semestern mit einem deutsch-russischen Doppelabschluss gekrönt wird. Das erste Semester findet in Moskau, das zweite in Berlin statt. Im dritten Semester wird die Masterarbeit verfasst.

Ein Start mit vielen Hürden


„Wir sind Versuchskaninchen.“ So der einhellige Tenor der Studenten. Zufrieden sind sie mit der Infrastruktur, dem Unileben und Moskau im Allgemeinen. Doch der Einstieg in das russische Hochschulsystem wurde und wird ihnen nicht leicht gemacht.

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„Wir wurden im Voraus sehr schlecht informiert und der Informationsfluss ist bis heute ein Problem“, sagt Kulturwissenschaftlerin Carolin, die daran der deutschen und der russischen Seite gleichermaßen die Schuld gibt. Beide hätten bei der Vorbereitung geschlampt.

Es sei klar, dass bei einer erstmaligen Partnerschaft Fehler gemacht würden und es noch an Erfahrung mangle. Doch sei dies nicht das erste Hochschulprojekt zwischen Deutschland und Russland überhaupt und man hätte sich doch von den Verantwortlichen anderer Projekte beraten lassen können, meint auch die Sozialpädagogin Friederike.

„Die Moskauer Uni hat aber ein großes Interesse an uns. Das Austauschprojekt mit Deutschland bringt viel Prestige“, so Politologe Tobias. Nicht alle Probleme seien hausgemacht, sondern durch das russische Hochschulsystem und die Bürokratie verursacht. „Wir hatten zum Beispiel große Mühe, unsere Magister, Lizentiate und sonstigen Abschlüsse in Russland anerkannt zu bekommen. In Russland wurde halt schon vor geraumer Zeit auf ein Bachelor/Master-System umgestellt.“

Kleine Gruppen, respektvoller Umgang


Aus der Küche in den Hörsaal. Genauer in ein kleines Übungszimmer mit Bücherregalen und neuen Computern – das „Klassenzimmer“ des Masterstudiengangs. Unterricht bei Professorin Nina Anatolewna. Thema: Techniken und Methoden der Sozialforschung im interkulturellen Kontext.

Der Umgangston ist äußerst freundlich. Eine Literaturliste und weitere Unterrichtsmaterialen werden ausgeteilt und kommentiert. Die Dozentin spricht die Studenten als Kollegen an. „Wir werden von den Professoren grundsätzlich als Gesprächspartner auf gleicher Ebene behandelt. Sie pflegen mit uns einen anderen Umgang als mit den gewöhnlichen Studenten.“ Tobias sieht darin auch einen Grund für die große Erwartungshaltung der Dozenten.

Das sind Erwartungen, die die Studierenden wegen der Unterrichtssprache – in Moskau komplett in Russisch – nicht immer erfüllen können. Friederike und auch die anderen Teilnehmer, die keine Russischmuttersprachler sind, kämpfen mit Sprachschwierigkeiten: „Ich würde mich gerne mehr einbringen. Aber ich kann mich in Russisch einfach nicht gleich gut wie auf Deutsch ausdrücken.“

Harte Nuss: Unterrichtssprache ist Russisch


Im Unterricht werde das Tempo deshalb zuweilen schon etwas gedrosselt, aber die spezifische Fachsprache bliebe die gleiche und ein umfassende Einführung hätte nie stattgefunden. Die zweimal 90 Minuten Sprachunterricht pro Woche widmeten sich eher Themen wie Kreativem Schreiben, berichten die Jung-Akademiker.

Der zweite Studiendurchlauf startet im Februar 2009. Weitere Informationen und Bewerbungsmöglichkeit auf der Webseite der ASFH Berlin.

Die einen sind hier, um zusätzlich zum bereits großen praktischen Wissen gute Theoriekenntnisse zu erlangen. Andere sehen ihren deutsch-russischen Mastertitel als Sprungbrett zu einer wissenschaftlichen Karriere. Die Ansprüche sind deshalb unterschiedlich.

„Aber unsere Wünsche werden respektiert und auf unsere Vorschläge zu Anpassungen des Studiums wird eingegangen“, lobt Carolin. Tobias empfindet die unterschiedlichen fachlichen Hintergründe der Kommilitonen sogar als großes Plus.

Und so ist trotz aller Widrigkeiten der Eindruck von diesem Studiengang bei den meisten bislang positiv.

(ldc/.rufo/Moskau)


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