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Archivbild der kleinen Mischlingshündin Laika. Sie ist das erste Lebewesen im All - eine heile Rückkehr war ihr nicht vergönnt.
Archivbild der kleinen Mischlingshündin Laika. Sie ist das erste Lebewesen im All - eine heile Rückkehr war ihr nicht vergönnt.
Freitag, 02.11.2007

Gagarins Vorgänger: Laikas Flug in den Weltraum

André Ballin, Moskau. Sie ist wohl die bekannteste Vorgängerin des sowjetischen Kosmonauten Juri Gagarin. Die Hündin Laika startete am 3. November 1957 als erstes Lebewesen zu einem Flug in den Weltraum.

Für Laika endete die Reise tödlich. Schon nach wenigen Stunden starb sie an Überhitzung und Stress. Die Sowjetunion feierte die Mission trotzdem als Erfolg. Im Westen hingegen empörten sich viele Tierschützer über das tragische Schicksal der Hündin.

Westen steht unter dem Sputnikschock


Im Herbst 1957 war der Kalte Krieg in seiner Hochphase. Am 4. Oktober hatte die UdSSR den Westen mit dem Start des ersten Weltraumsatelliten regelrecht geschockt – das Ereignis ging später als „Sputnikschock“ in die Geschichte ein. Und Parteichef Nikita Chruschtschow wollte nachlegen. Zum 40. Jahrestag der Oktoberrevolution sollte ein Lebewesen ins All geschossen werden.

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Doch für den Propagandaerfolg war Eile geboten. Innerhalb eines knappen Monats bauten die Ingenieure um den Weltraumpionier Sergej Koroljow Sputnik-2, eine 18 Kilo schwere Weltraumkapsel mit gerade mal 1,20 Meter Durchmesser. Als Passagiere kamen drei Kandidaten in Frage: Laika, Muschka und Albina. Allesamt bellende Vierbeiner.

Am Ende machte Laika das Rennen. Sie wurde ausgewählt, weil sie die Belastungstests in den Zentrifugen, den Lärm und die Enge in der Kapsel am besten verkraftete.

Stress kannte die Mischlingshündin mit dem weißen Fell und dem schwarzen Kopf schon vor ihrer „Weltraumkarriere“. Laika war als Streunerin auf den Straßen Moskaus unterwegs, bevor sie zufällig aufgegriffen und ins sowjetische Weltraumforschungsprogramm integriert wurde.

Rückkehr nicht eingeplant


Von Anfang an war eine heile Rückkehr auf die Erde nicht vorgesehen. Eine Landekapsel konnte in der Kürze der Zeit nicht gebaut werden. Laika sollte daher etwa zehn Tage nach dem Start mit vergiftetem Futter eingeschläfert werden, um sie vor dem qualvollen Hitzetod beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre zu bewahren. Doch dazu kam es erst gar nicht.

Schon kurz nach dem Start stellten die Sensoren einen dreimal höheren Puls als normal bei der Hündin fest. Der Stress machte sich bemerkbar. Nur langsam normalisierte sich der Puls, doch nach fünf – sieben Stunden verstummten alle Lebenszeichen an Bord von Sputnik-2.

Eine defekte Wärmeisolierung hatte die Innentemperaturen stark ansteigen lassen. In der Eile hatten die Raketeningenieure keine Möglichkeit gefunden, die Wärme in der Kabine nach außen abzuleiten. Laika starb an Überhitzung und Stress.

Offiziell wurde der vorschnelle Tod Laikas von der Sowjetführung abgestritten. Tagelang berichtete die Moskauer Presse vom guten Befinden der Hündin, obwohl sie bereits verendet war.

Erst nach einer Woche wurde der Tod eingestanden, wenn auch die Aussagen über ihr Ende widersprüchlich blieben. Insgesamt 2570 Mal umkreiste ihre Leiche die Erde, ehe die Kapsel beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre verglühte.

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Erfolgsmeldungen im Osten, Proteste im Westen


Schon bevor der Tod Laikas bekannt wurde, demonstrierten Umweltaktivisten im Westen gegen die ihrer Meinung nach unmenschlichen Tierversuche. Vor der sowjetischen Botschaft in London demonstrierten Hunderte Tierschützer gegen den Flug Laikas.

Sogar eine offizielle Protestnote wurde dem sowjetischen Botschafter überreicht – was übrigens amerikanische Weltraumforscher nie daran hinderte, ebenfalls mit Tieren zu experimentieren.

In der russischen Presse wurde das Schicksal der Weltraumpionierin nach deren tragischen Ende weniger thematisiert. Stattdessen wurde hervorgehoben, dass die Mission ein Erfolg war, „zeigte sie doch, dass die Bedingungen des Weltraumflugs nicht lebensgefährlich sind“. Dennoch flogen drei Jahre lang keine Hunde mehr in den Kosmos

Erfahrungen für bemannte Raumfahrt


Erst 1960 wurden Belka und Strelka gemeinsam auf Weltraummission geschickt. Weil die sowjetischen Raketenkonstrukteure Lehren aus dem Flug Laikas gezogen hatten, kehrten Belka und Strelka lebend zur Erde zurück. Beide Flüge gelten als unverzichtbare Meilensteine in der Geschichte der bemannten sowjetischen Raumfahrt.

Tatsächlich wäre ohne diese Erfahrungen der Flug Juri Gagarins in den Kosmos nicht möglich gewesen. Gagarin selbst soll nach seiner Landung in Bezug auf seine Vorgänger im All gesagt haben: „Bis heute verstehe ich nicht, bin ich nun der erste Mensch oder der letzte Hund im Weltall“

Ein Denkmal für Laika


War Laikas Schicksal zu Lebzeiten eher traurig, so kam sie zumindest nach ihrem Tod zu Ruhm und Ehren. Praktisch direkt im Anschluss an die Mission wurde sie zum Werbeträger der russischen Zigarettenindustrie. Die brachte eine neue Marke mit dem Label „Laika“ auf den Markt. Später tauchten Schokoladenpackungen und sogar eine Briefmarke mit ihrem Konterfei auf.

Inzwischen gibt es sogar mehrere Denkmäler für Laika. Das bekannteste steht in Moskau vor dem Kosmos-Museum. Eine überdimensionale Rakete zeigt die Erfolge der russischen Raumfahrt. Im Sockel ist auch Laika verewigt, die mit ihrem Flug gewissermaßen das Fundament der sowjetischen Raumfahrt legte.

(ab/epd/.rufo/Moskau)

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