Von Xenia Bordukowa. Zum letzten großen Werk im Leben von Anatoli Rybakow, der weltweit vor allem mit seiner Trilogie „Die Kinder des Arbats“ bekannt geworden ist, wurde sein „Roman der Erinnerungen“. Darin spiegelt sich nicht nur das Schicksal eines bedeutenden Schriftstellers, sondern auch achtzig Jahre der wechselhaften Geschichte des großen russischen Reiches.
„Ich habe drei Erzählungen über die Kindheit und drei Romane über die Jugend geschrieben und darin Erlebtes und Erdachtes vermischt, und nun kann ich beides nicht mehr so recht auseinander halten.“
In seinen Büchern erzählt Rybakow die Geschichte von Menschen, die mit den Idealen der Revolution groß geworden sind und die diese Ideale während der Zeit der Sowjetmacht an der Realität zerbrechen sahen. Kaum jemand aus dieser Generation lebt noch. Viele kamen in den Lagern um oder starben im Großen Vaterländischen Krieg. Mit ihnen wurden auch ihre Hoffnungen und Werte begraben und in der Erinnerung ihrer Nachkommen blieben nur ihre Irrtümer. In seinem „Roman der Erinnerung“ geht Rybakow behutsam mit ihnen um. Er klagt niemanden an – die Geschichte spricht für sich selbst.
Seine erste Novelle verfasste Anatoli Rybakow erst mit 37 Jahren, einige Jahre nach dem Ende des 2.Weltkriegs. Zu dieser Zeit hatte er bereits viel durchmachen müssen. Noch bevor er sein Studium beenden konnte, wurde Rybakow 1933 verhaftet und wegen „konterrevolutionärer Agitation und Propaganda“ für 3 Jahre verbannt. 15 Jahre nach dem Krieg, in dem er ab 1941 an verschiedenen Fronten gekämpft hatte, wurde er „in Anerkennung seiner Verdienste im Kampf gegen die faschistischen Angreifer“ rehabilitiert. Nach seiner nunmehr genehmigten Rückkehr nach Moskau begann er zu schreiben und arbeitete als Drehbuchautor bei Film und Fernsehen.
Nüchtern berichtet er über die Jahre der Stalinära, von der Angst vor einer plötzlichen Verhaftung, ständiger Unsicherheit und Misstrauen gegenüber potentiellen und tatsächlichen Denunzianten. Ein großer Teil des Buches ist dem literarischen und journalistischem Leben in der Sowjetunion gewidmet, das von der staatlichen Zensur geprägt war. In diesem Zusammenhang erzählt er auch von den Schwierigkeiten bei der Veröffentlichung seines gesellschaftskritischen Romans „Die Kinder vom Arbat“, der nach vielen Änderungen und Streichungen erst in der Zeit der Perestrojka endlich in die Buchläden kam.
Sicherheitsabstand sieht anders aus. Aber wenn an der Peter-Pauls-Festung in St. Petersburg der Rundflug-Helikopter startet und landet, sind Zuschauer immer ganz nah dabei. Sobald sie allerdings der Rotorwind samt Staubwolke erfasst, haben die Neugierigen wieder etwas Nützliches fürs Leben gelernt. (Topfoto: Deeg/.rufo)