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Michail Jelisarow:
Die sinnliche Kraft der Novelle

Von Ines Lasch. Horror, Science-Fiction und Gesellschaftskritik sind für Michail Jelisarow „ganz normale Mischung“ für den Stoff seiner Erzählungen. Jelisarow ist in diesem Jahr Aufenthaltsstipendiat des Literarischen Kolloquiums Berlin. In Russland lebt er „eigentlich nirgendwo mehr“, besucht vor der Frankfurter Buchmesse im September noch seine Eltern in der Ukraine und bereitet seinen Umzug nach Berlin vor. In seinem Debütroman „Die Nägel“ verschmelzen Gogols folkloristische Teufelei mit dem bitteren Humor Michail Bulgakows, der augenzwinkernden List des Sergej Dowlatow zur Absurdität eines Daniil Charms. Literarische Vorbilder hat er aber nach eigenen Worten keine.

„Die Nägel“ erschienen bereits 2001 im Moskauer Verlag „Ad Marginem“, in dem auch die Bücher von Wladimir Sorokin und Viktor Pelewin verlegt werden. Die russische Kritik hatte seine Erzählung positiv aufgenommen. Seine Prosa habe im Unterschied zu den genannten Autoren aber eine Temperatur von 36,6 oC und seine Realität sei schwanger mit Phantasmagorie, wie der Journalist Sergej Em. schreibt. Ein anderer Kritiker behauptet hingegen, Jelisarows Humor strahle Grabeskälte aus und sei mit tiefer Traurigkeit durchsetzt.

Die tragischen Hauptfiguren Bachatow und Gloster ähneln mit ihrer körperlichen und geistigen Absonderlichkeit einem siamesischen Quasi Modo. Die lösen noch vor einem gewissen Ekel allenfalls einen Anfall von Rührung und ungläubiger Verwunderung aus. Parallel zur Schilderung von beider Leben überzieht Jelisarow das Gemüt seiner Leser mit einer dicken Schicht ungeschminkter gruseliger Wirklichkeit aus dem Leben verschmähter Randexistenzen. Als Parabel auf die russische Gesellschaft sieht er seinen Roman nicht.

Seine tragischen Figuren nur so lange in der Lage, nicht im schmutzigen Strudel der modernen russischen Gesellschaft zu ertrinken, wie sie sich in einer Art übersinnlicher Abhängigkeit voneinander am Leben erhalten. Das Scheitern des einen zieht schicksalhaft den Tod des anderen nach sich. In diesem Sinne sind „die Nägel“ eher eine Novelle als ein Roman, eben "ein Menschenleben durch die unendliche sinnliche Kraft einer Schicksalsstunde ausgedrückt“, wie Georg Lukacs bereits 1911 schrieb.

Michail Jelisarow wurde 1973 in Iwano-Frankowsk (Ukraine) geboren, studierte parallel Russische Sprache und Literatur, Gesang – er ist ausgebildeter Opernsänger – und Regie. Nach dem Studium war er unter anderem als Regisseur und Kameramann unterwegs, schrieb aber immer auch Erzählungen. In russischer Sprache sind unter anderen seine Erzählungen „Das Leben ist freudvoll“ (2002) und „Syphilis“ (2003) im Internet zu finden.

Der Autor stellt „Die Nägel“ am 11. Oktober um 10 Uhr im Lesezelt der Frankfurter Buchmesse vor. Weitere Lesungen: siehe Autorenlesungen und Veranstaltungskalender (isla/.RUFO)

Weitere Lesungen:

7. Oktober, um 20 Uhr: Heinrich-Heine-Institut Düsseldorf, Bilker Straße 12 – 14, 40213 Düsseldorf

8. Oktober um 18:30 Uhr in der Pankratiuskapelle Gießen, Georg-Schlosser-Straße, 35390 Gießen

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Der Winter ist eingezogen. Für ein paar Monate können sich die Russen in den Moskauer Parks an zahlreichen Eisskulpturen erfreuen. (Topfoto: Ballin)



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