Von Xenia Bordukowa. Die Prosa von Oleg Jurjew ist nicht unumstritten. Für die einen gehört er zu den „originellsten und sprachschöpferischsten Autoren der Gegenwart“, andere empfinden seine Texte als „eine in sich verschlossene, nicht dechiffrierbare Nachricht“. An Aufmerksamkeit mangelt es dem Autor jedenfalls nicht. Er ist Träger verschiedener Literaturpreise und seine Stücke werden regelmäßig in Theaterhäusern Europas inszeniert.
"Ich habe keine Botschaft zu vermitteln. Ich muss bauen."
Seine literarische Karriere begann Oleg Jurjew in den 70er Jahren als Lyriker. 1959 als Sohn einer Hochschullehrerin und eines Konservatoriumsdozenten in Leningrad geboren, machte er 1982 zuerst einen Abschluss im Fach „Wirtschaftliche Mathematik und Theorie der Systeme“. Lange arbeitete er in diesem Beruf nicht. Nach anderthalb Jahren begann er sein Geld mit literarischen Arbeiten zu verdienen. Zuerst veröffentlichte der Autor einige Übersetzungen, dem folgten Theaterstücke und Erzählungen.
Heute schreibt Jurjew, der seit 1991 in Deutschland lebt, hauptsächlich metaphorische Prosatexte. Er versucht eine möglichst breite Sprachpalette zu nutzen, verbindet in seinen Werken Poetisches und Vulgäres, ist ironisch und anzüglich, scheut nicht das Experiment. In Literaturkreisen sind seine Arbeiten zwar umstritten, wird sein Talent aber anerkannt. 1988 gewann er mit seinen „Komischen Geschichten für Schattentheater“ den Wettbewerb des russischen Theaterverbandes. Mittlerweile wurde die Mehrzahl seiner Stücke veröffentlicht und kam sowohl in Russland als auch in Europa auf die Bühnen.
Der Schauplatz seines neuesten Romans, der unter dem Titel „Der neue Golem oder Der Krieg der Kinder und Greise. Roman in fünf Satiren“ beim Suhrkamp Verlag im August erschien, ist die fiktive Kleinstadt Judenschlucht an der deutsch-tschechischen Grenze Anfang der 1990er Jahre. Dort will ein Schriftsteller aus Sankt Petersburg, der sich als Frau verkleidet um über die Quotenregelung an ein Stipendium im "Kulturbunker" zu gelangen, für einen Forschungsroman über die Aktivitäten der Sondergruppe SS "Bumerang" recherchieren ... Doch bald häufen sich die Verwicklungen. In diesem Buch zielt Jurjew auf die Zeit der Umbrüche in Ost und West, in der längst verdrängte Fragen aufkamen, die bis heute noch aktuell sind.
Oleg Jurjew auf der Frankfurter Buchmesse sowie weitere Lesungen: siehe Autorenlesungen und Veranstaltungskalender.
Sicherheitsabstand sieht anders aus. Aber wenn an der Peter-Pauls-Festung in St. Petersburg der Rundflug-Helikopter startet und landet, sind Zuschauer immer ganz nah dabei. Sobald sie allerdings der Rotorwind samt Staubwolke erfasst, haben die Neugierigen wieder etwas Nützliches fürs Leben gelernt. (Topfoto: Deeg/.rufo)