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Orthodoxe Weihnachten - Tänze sind zu unterlassen

Von Alexej Knelz, Moskau. Das russisch-orthodoxe Weihnachtsfest wird 13 Tage später als in Deutschland gefeiert und existierte zu kommunistischen Zeiten nahezu im Untergrund. Inzwischen hat Weihnachten, allerdings nicht ohne Verluste an Bräuchen und Traditionen, wieder einen Ehrenplatz unter den anderen Festen eingenommen, und der 7. Januar ist ein staatlicher Feiertag.

Das Weihnachtsfest beginnt in der Nacht vom 6. zum 7. Januar. Das war jedoch nicht immer so: im Russland des vorletzten Jahrhunderts war der 24. Dezember Heiligabend. Allerdings galt im Zarenreich auch noch ein anderer Kalender. Während Europa seit 1582 den gregorianischen Kalender benutzt, blieb in Russland der julianische Kalender in Gebrauch. Die Differenz zum europäischen Kalender betrug im 19. Jahrhundert 12 und im 20. Jahrhundert bereits 13 Tage. (Diese Differenz von 13 Tagen ist übrigens auch der Grund, warum viele Russen am 13. Januar das „Alte Neujahr“ feiern.)

Erst nach der Oktoberrevolution, am 14. Februar 1918, führte Russland den gregorianischen Kalender ein. Allerdings verboten die Bolschewiki sogleich das Weihnachtsfest wie auch alle anderen christlichen Feste. Die Kirche weigerte sich - bis heute -, die Kalenderreform der gottlosen neuen Machthaber zu übernehmen.

Weihnachten im alten Russland

Im alten Russland war keine andere Jahreszeit so reich an Bräuchen und Riten, wie die „Swjatki“, zwölf Tage der „Heilige Feiern“ vom 25. Dezember bis zum 5. Januar. Überbleibsel heidnischer Traditionen wie Wahrsagerei, Maskenfäste und Tänze waren so weit verbreitet, dass die Zarenregierung es ausdrücklich verbot, die Swjatki in „ketzerischer Manier“ zu feiern: „Am Vorabend der Geburt Christi und in Zeiten der Swjatki sind Götzendienste, Spielereien, Verkleidungen und Maskierungen als auch Tänze in den Gassen sowie verführerische Lieder zu unterlassen“, hieß es im Gesetz.

Zu Beginn der Swjatki, in der Nacht vom 24. zum 25. Dezember nach julianischer Zeitrechnung, stand das Koljada-Fest. Angeführt von einem Papierstern-Träger gingen die Menschen durch die Straßen, sangen und priesen den Herrn. Sie klopften an die Türen und führten auch kleinere Schauspiele vor. Auch die Kirche sah in dem Brauch ein Problem: sie empfahl, „im Namen der Seelenrettung“ keine Koljada zu feiern.

Zaren feiern mit

Dem guten Rat folgte freilich kaum jemand, denn selbst die russischen Zaren marschierten zur allgemeinen Volksbelustigung durch die Straßen, um ihrem Volk zu gratulieren. Selbst der furchterregendste aller russischen Herrscher, Zar Iwan IV. (Iwan Grosny - meist „der Schreckliche“ genannt, genauer „der Drohende“ oder „Dräuende“ oder auch „der Erfurcht Erweckende“), ließ sich das Feiern nicht nehmen. Er zog sich zu den Swjatki eine Maske über und ging mit seinen Untergebenen von Tür zu Tür. Das Ritual war dem Monarchen angeblich so wichtig, dass er einen Diener hingerichtet haben soll, weil dieser sich weigerte, eine Maske zu tragen.

Der Reform-Zar Peter der Große verkleidete ebenfalls sein Gefolge. Er ernannte Kardinäle, kürte seinen Berater zum Papst und führte das bunte Volk zu den Häusern der Bojaren. Die reichen Kaufleute und Großgrundbesitzer sollten sich die Lobgesänge des improvisierten Chores anhören und ihn reichlich beschenken. Wenn sie es nicht taten, so galten sie von da an als Christenfeinde.

Der radikalste Reformer unter den russischen Zaren bescherte Mütterchen Russland den europäischen Tannenbaum und führte am 1. Januar 1699 das Neujahrsfest ein.

Weihnachten heute

Heute ist Weihnachten ein ruhiges Familienfest, das man im engen Familienkreis feiert – mit Festmahl und Weihnachtsgans. Streng Gläubige Christen bilden wie in alten Zeiten in der Nacht zum 7. Januar kirchliche Prozessionen und Umzüge. Gleichzeitig feiern sie das Ende der Weihnachts-Fastenzeit, die am 26. November begann. Das Fasten kann in Russland auf den Magen schlagen, denn in den Wochen vor Weihnachten dürfen Fleisch, Milchprodukte und Eier eigentlich nicht gegessen werden. Fisch ist dagegen erlaubt.


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Es schneit und schneit und schneit. In der Petersburger Innenstadt mischt sich winterliches Weiß mit verwaschenen, lange schon nicht erneuerten Hauswänden. (Topfoto: Brammerloh/.rufo)

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