Geldwäscheverdacht: Kein US-Visum für Vizeminister
Binnenwasserwege für ausländische Yachten jetzt frei
Russland-Aktuell zur Startseite machen


Roman Abramowitsch: Im Zeugenstand muss er zu unangenehmen Details aus der Vergangenheit Stellung nehmen (Foto: Archiv/.rufo)
Roman Abramowitsch: Im Zeugenstand muss er zu unangenehmen Details aus der Vergangenheit Stellung nehmen (Foto: Archiv/.rufo)
Montag, 07.11.2011

Abramowitsch: Kostenlos zum Öl- und Alu-Imperium

Moskau/London. Ein Milliardenprozess in London enthüllt das Erfolgsgeheimnis von Roman Abramowitsch: Zahle nie aus eigener Tasche! Das Geld für die Öl- und Alukonzerne, die er kaufte, stammte von diesen selbst.

Wenn sich zwei Oligarchen vor Gericht streiten, dann freut sich als Dritter die Presse: Durch die Milliardenklage von Boris Beresowski gegen seinen einstigen „Ziehsohn“ Roman Abramowitsch werden den Medien Details der wilden Privatisierung im Russland der 90er Jahre bekannt, über die bisher nur spekuliert wurde.

Wegen Betrugs gesuchter Oligarch fühlt sich betrogen


Worum geht es? Beresowski fordert 5,5 Mrd. USD (rund vier Mrd. Euro) von Abramowitsch, weil dieser ihn angeblich bei der Auszahlung seiner Anteile beim Ölkonzern Sibneft und dem Aluminiumproduzenten Rusal betrogen hat.

Bei Russland-Aktuell
• Oligarchen kämpfen international um Milliarden (02.11.2011)
• Abramowitsch-Anwälte gegen Exil-Oligarch Beresowski (04.10.2011)
• Mütterlicher Rat an Beresowski: Versöhn dich mit Wowa (10.08.2011)
• Abramowitschs Yacht verärgert Einwohner von Venedig (06.06.2011)
• Roman Abramowitsch ist wichtigster Russe in London (16.11.2010)
Ob Beresowski, der in Russland selbst in Abwesenheit wegen Betrugs verurteilt wurde, diese Vorwürfe am Ende beweisen kann, ist unklar. Schriftlich gibt es kaum Belege darüber, dass der einstige Kremlkardinal unter Boris Jelzin überhaupt an diesen Firmen beteiligt war. Doch der Prozess ist vor allem deswegen interessant, weil er ein wenig Licht in die dunklen Privatisierungen der 90er Jahre bringt.

Übernahmeopfer finanziert den Deal selbst


So soll Abramowitsch, bis dahin als „kleiner“ Ölhändler in der Reichen-Hierarchie der Russen eher unbedeutend 1995 den Ölkonzern Sibneft für 100 Mio. USD übernommen haben, ohne für den eigentlichen Deal überhaupt zu bezahlen. Bezahlt hat er lediglich seinem Vermittler und Fürsprecher im Kreml, Boris Beresowski.

100 Mio. USD waren selbst für Mitte der 90er Jahre, als der Ölpreis am Boden war, wenig für einen Konzern dieser Größe. Für Abramowitsch war es dennoch zuviel. So viel Geld hatte er nicht. Kredit bekam er über Beresowski von der SBS-Bank Alexander Smolenskis. Als Sicherheit dienten Öllieferverträge von Sibneft. Damit hat der Konzern seine Übernahme quasi selbst finanziert.

„Alle drei Tage wurde jemand im Alu-Business umgebracht“


Ende der 90er Jahre stieg Abramowitsch dann auch in die Aluminium-Branche ein; auf Zureden von Beresowskis Partner Badri Patarkazischwili: „Ohne Badri hätte ich meine Nase nicht in das Business gesteckt, dort wurde alle drei Tage jemand umgebracht und mit solchen Geschäften wollte ich nichts zu tun haben“, sagte Abramowitsch nun vor einem Londoner Gericht.

Patarkazischwili hatte gute Beziehungen zu den Brüdern Chernoy und David Ruben, die Abramowitsch und Patarkazischwili im Jahr 2000 die sibirischen Aluminiumfabriken in Krasnojarsk und Bratsk, ein Tonerdekombinat in Atschinsk und das Wasserkraftwerk in Krasnojarsk für 575 Mio. USD verkauften.

Deripaska als Sponsor für Abramowitsch


Aber auch dafür musste Abramowitsch im Endeffekt nichts bezahlen – dank Oleg Deripaska. Denn der zahlte Abramowitsch die Ausgaben für seinen Einstieg ins Alu-Business zurück. Kurz darauf wurden die beiden (gegen Patarkazischwilis Willen) Partner, Deripaskas Sibal und Abramowitschs Alu-Fabriken fusionierten zu Rusal.

Später kaufte Deripaska seinen Partner aus dem Geschäft heraus; für schätzungsweise weitere zwei Mrd. USD. Auch für den in Österreich umtriebigen Oligarchen hat sich das Sponsoring für Abramowitsch gelohnt. Immerhin erwies sich dieser als wesentlich bequemerer Verhandlungspartner als die Chernoy-Brüder, mit denen sich Deripaska einen erbitterten – und wie aus Abramowitschs Aussagen hervorgeht – blutigen Machtkampf lieferte.

Auch aus dem Ölgeschäft stieg Abramowitsch später wieder aus: Für 13,1 Mrd. USD verkaufte er Sibneft an Gazprom weiter. Mit An- und Verkauf ist Abramowitsch so zum Milliardär aufgestiegen – und hat keinen Pfennig dazubezahlt, wie nun klar wurde.



Artikel versenden Druckversion

Leser-Kommentare zu diesem Artikel (und Kommentare zu Kommentaren): ↓

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar, nachdem Sie sich hier unten für Kommentare neu registriert haben. Sie können hier oder im Forum (www.forum.aktuell.ru) mitdiskutieren.

Baumfreundin 10.11.2011 - 20:53

Geschäfte

Diese Art von Geschäfte waren 1990 in Ostdeutschland Gang und Gebe.


Baumfreundin 10.11.2011 - 20:52

Geschäfte

Diese Art von Geschäfte waren 1990 in Ostdeutschland Gang und Gebe.


Matthias 08.11.2011 - 14:22

Das erinnert mich gerade daran, dass die letzten und inzwischen geschassten Investoren beim FC Liverpool den Klub auch mit Bankkrediten übernommen haben, für die die Aktiva des Klubs als Garantie dienten. Da solche Kuhhandel scheinbar nicht ausgestorben und auch im Westen praktiziert werden, sollte ich auch mal versuchen, mit 0 Geld irgendeine Firma zu übernehmen und reich zu werden ;-)


Überblick aller Leserkommentare zu allen Artikeln >>>



E-Mail (Zur Registrierung. Wird nicht veröffentlich)

Kennwort

Schnelle Neuanmeldung zum Schutz vor Spam
Klicken Sie hier, wenn Sie sich bisher noch nicht für Kommentare registriert haben.




nach oben
Alle Berichte aus dieser Rubrik
Alle Artikel vom Montag, 07.11.2011
Zurück zur Hauptseite







(Topfoto: TV)


Mail an die Redaktion schreiben >>>






Die populärsten Artikel der letzten drei Tage


Mail an die Redaktion schreiben >>>



Als Chef vom Dienst ist für Sie
im Moment im aktuellen Einsatz
André Ballin, Moskau

Schnell gefunden
Russland Veranstaltungen und Kultur-Events in D+A+CH

Die Top-Themen
St.Petersburg
Nach dem Schwulengesetz: „Wir wollen uns mehr zeigen!“
Kopf der Woche
Deripaska setzt auf Ex-Stasi-Agent und Putin-Spezi
Kommentar
G-8 u ASEAN: russische-amerikanische Beziehungsprobleme
Moskau
Protest-Lager: Barrikadnaja statt Saubere Teiche
Thema der Woche
Ämtertausch vollendet: Medwedew ist Premierminister
Kaliningrad
AirBerlin nimmt Kaliningrad wieder in Flugplan auf
Der Russland-Aktuell
Nachrichten-Monitor
Montag, 28. Mai
13:47 

Fridman verlässt Chefposten bei Ölkonzern TNK-BP

13:20 

Tatarstan: Innenminister steigt nach Folterskandal auf

10:22 

Orenburg wirft ausländische Studenten aus Wohnheim

08:51 

Opposition beantragt neuen Protestmarsch am 12. Juni

01:03 

Geschichte Russland: Rust landet auf dem Roten Platz

Sonntag, 27. Mai
01:03 

Russland Geschichte: St. Petersburg und Tsuschima

Samstag, 26. Mai
01:03 

Geschichte Russland: Nikolaus II. wird gekrönt

Freitag, 25. Mai
20:02 

CH-Staatsanwälte legen Deripaska-Klagen zu den Akten

18:27 

Geldwäscheverdacht: Kein US-Visum für Vizeminister

18:03 

Baku: Missklänge beim Grand Prix – vorrangig politisch

17:09 

26-facher Mumienmacher muss in psychiatrische Klinik

16:26 

Medwedew will „Einiges Russland“ intern demokratisieren

14:37 

Russische Motorradfahrer im Irak freigelassen

13:28 

Fünf Tote: Familientragödie unter Russen in den USA

12:47 

Schlägerei bei Sprach-Debatte im ukrainischen Parlament

11:09 

Binnenwasserwege für ausländische Yachten jetzt frei

09:27 

Ferien! Heute letzter Schultag für Russlands Schüler

01:03 

Russland Geschichte: Aus finstersten Tiefen

Donnerstag, 24. Mai
18:22 

ESC: udmurtische Äffin sagt Sieg der Babuschki voraus

17:57 

Russland verliert Raketen-Radarstation in Aserbaidschan

17:22 

Trotz Timoschenko: Polen und Ukraine erwarten gute EM

16:14 

Nach dem Schwulengesetz: „Wir wollen uns zeigen!“

15:04 

Alu-Zar Deripaska verliert Petersburger Großprojekt?

13:58 

Minister verspricht Abschleppdienst per Helikopter

12:42 

Irak: Vier russische Biker sitzen in Militär-Gefängnis

12:13 

Vergewaltigtes Kind im Müllschlucker: 22,5 Jahre Haft

10:53 

Kremlwache kauft Atomschlag-sichere Kinder-Wiegen

09:23 

Demonstrantenführer Udalzow wieder auf freiem Fuß

01:03 

Geschichte Russland: Die „Aurora“ läuft vom Stapel

Mittwoch, 23. Mai
18:23 

Moskauer sollen eigene Speakers Corners bestimmen

17:53 

Ukraine lehnt Behandlung von Häftlingen im Ausland ab

17:13 

Verletzte bei Bruchlandung von Militärflugzeug

16:24 

Vor der EM: Sportjournalist pöbelt über Nationalspieler

15:11 

Tschetschenische Saurier-Eier sind profane Steine

13:51 

Kapitalflucht aus Russland kann auf 100 Mrd. USD steigen

Unseren kompletten
aktuellen News-Uberblick
finden Sie bei
russland-news.RU

Alle Berichte bei Russland-Aktuell ab 2000 finden Sie in unserem Archiv
Weitere Nutzung im Internet oder Veröffentlichung auch auszugsweise nur mit
ausdrücklicher Genehmigung der Redaktion (Chefredakteur: Gisbert Mrozek) und mit Quellenangabe www.aktuell.ru
E-mail genügt
www.Russland-Aktuell.ru (www.aktuell.ru) ist nicht verantwortlich für die Inhalte externer Internetseiten.


Basis-Information aus Russland, der Provinz und der GUS auf deutschen Internetseiten:
www.kasachstan.ru, www.russlanddeutsche.ru, www.georgien.ru, www.abchasien.ru, www.ossetien.ru, www.waldikawkas.ru, www.grosny.ru, www.sibirien.ru, www.wolga.ru, www.baikalsee.ru, www.kaukasus.ru, www.sotschi.ru, www.baltikum.ru, www.nowgorod.ru, www.nischni-nowgorod.ru, www.nowosibirsk.ru, www.rubel.ru, www.kultur.ru, www.puschkin.ru, www.wladiwostok.ru, www.sotschi.ru ... und noch einige andere mehr!
Russia-Now - the English short version of Russland-Aktuell








google.com
yahoo.com