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Aeroflot schluckt jetzt seinen größten Konkurrenten für den Preis eines Wodkaglases voll Kerosin (Foto: Osokin/wp/.rufo)
Aeroflot schluckt jetzt seinen größten Konkurrenten für den Preis eines Wodkaglases voll Kerosin (Foto: Osokin/wp/.rufo)
Freitag, 04.09.2015

Airline-Fusion: Aeroflot schluckt Transaero für 1 Rubel

Moskau. Die halbstaatliche Aeroflot wird 75 Prozent von Transaero übernehmen. Weil die Nr. 2 des russischen Luftfahrtmarkts rettungslos verschuldet ist, soll der Kaufpreis nur 1 Rubel betragen.


Am Donnerstag wurde das Schicksal von Transaero besiegelt: Die Mehrheitsaktionäre boten dem Marktführer Aeroflot offiziell 75 Prozent der Aktien der einstigen privaten Vorzeige-Airline an. Der Aufsichtsrat von Aeroflot akzeptierte das Angebot gleichentags „zu einem Preis von nicht mehr als einem Rubel“ - und als Dritter im Bunde gab auch die russische Regierung ihr Plazet.

Denn zum einen geht es um die politisch gewollte Verhinderung des Bankrotts der zweitgrößten Fluggesellschaft des Landes – und zum anderen ist die zum Retter auserkorene Aeroflot mehrheitlich in Staatsbesitz.

Sobald die Übernahme-Bedingungen sowie der Rettungsplan ausgehandelt seien, könne sich Aeroflot um Staatsgarantien bewerben, teilte heute das Ministerium für Wirtschaftsentwicklung mit. Weitere staatliche Subventionen seien aber nicht geplant. Ob diese Unterstützung letztlich ausreicht, ist fraglich, denn Transaero schleppt einen gewaltigen Schuldenberg mit sich: Nach Angaben von Sberbank-Chef German Gref beträgt er 250 Mrd. Rubel (ca. 3,3 Mrd. Euro).

Sberbank-Chef Gref spricht von Missmanagement


Gref warf dem Transaero-Managment „System-Fehler über einen langen Zeitraum“ vor, die fast zwangsläufig in den Bankrott geführt hätten. Transaero befand sich vor der Übernahme weitgehend in der Hand der Familie von Generaldirektorin Olga Pleschakowa, die nach Angaben des Wirtschafts-Portals RBK 62 bis 65 Prozent der Aktien kontrollierte. Pleschakowa legte am Donnerstag ihren Posten nach 14 Jahren nieder, übernahm dafür aber die Führung des Aufsichtsrates.

Aeroflot schon ab 7. September in der Pflicht


Die Übernahme soll nun im Express-Tempo erfolgen: Noch im September sollen alle Verträge ausgehandelt sein. Aber schon vorher, ab dem 7. September, wird Aeroflot die Verantwortung für alle Verpflichtungen des operativen Geschäfts von Transaero übernehmen – sprich, für die Beförderung der Passagiere, die Bezahlung von Treibstoff und Flughafengebühren und die Löhne des Personals sorgen.

Aeroflot bindet sich damit – neben den Schulden von Transaero - einen gewaltigen Batzen ans Bein: Transaero beförderte 2014 mit seiner Flotte von knapp über 100 Flugzeugen etwa 13,2 Mio. Passagiere, Aeroflot selbst 23,6 Mio. Die beiden nächstgrößten Airlines Russlands, UTair und S7, kamen auf je etwa 8 Mio. Fluggäste.

Transaero wird Tochter - oder aufgelöst


In welcher Form Transaero als Aeroflot-Tochter weiter existieren wird, ist noch offen. Zuletzt hatte sich die Airline zu 60 Prozent im Charterflugverkehr und auf Touristen-Destinationen betätigt – wobei sie oft die Preise ihres großen Konkurrenten Aeroflot deutlich unterbot.

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Auch bei der Flotte setzte das Unternehmen auf einen Massenmarkt in Russland – der jetzt aufgrund der Wirtschaftskrise in Russland irreal erscheint: Die Airline hat zuletzt 20 Jumbo-Jets sowie 14 Boeing-777 im Stall stehen. Vier bestellte Airbus-380-Doppeldecker sollten eigentlich 2015 an Transaero ausgeliefert werden. Doch dazu wird es jetzt wohl kaum noch kommen.

Dabei hatte sich die 1991 gegründete Transaero nach dem Auseinanderbrechen der Sowjetunion und des Aeroflot-Monopols einen Namen als progressive Qualitätsairline gemacht: Als erste private Fluggesellschaft Russlands setzte sie früh auf den Einsatz westlicher Flugzeuge – während andere „Babyflots“ noch lange auf alten, durstigen und lauten Sowjet-Maschinen herumdüsten. In den 1990er Jahren galt Transaero lange Zeit als einzige russische Airline, die bei Sicherheit, Service und Komfort westlichen Maßstäben entsprach.

Aeroflot wieder auf dem Weg zum Monopol


Aeroflot, inzwischen ebenfalls eine international achtbare Qualitäts-Airline, mutiert durch die Übernahme seines einzigen ernsthaften Konkurrenten nun zu einem Koloss, der etwa 60 Prozent des Passagierverkehrs in Russland auf sich zieht.

Damit scheint es nicht mehr allzu weit zu sein, bis – wie einst in Sowjetzeiten – Flugverkehr in Russland mit dem Wort „Aeroflot“ gleichgesetzt werden kann. Und Monopole bedeuten für die Kunden eigentlich immer: höhere Preise. Fehlt eigentlich nur noch, dass wie damals auch noch die Flughäfen wieder an Aeroflot übergeben werden.

Jedes Unternehmen will wachsen und gerne Marktführer werden, dazu gehören auch mutige Schritte in schwierigen Zeiten. Aber durch staatlich verordnete Übernahmen wie diese wird die Aeroflot eher schwerer als stärker – und ihr Gedeihen wird immer mehr von der Fürsorge des Kremls als von geschickter Geschäftsführung abhängen.



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