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Von wegen harte Münze: Der rubel ist butterweich geworden (Foto: vesti.ru)
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Dienstag, 16.12.2014

Der Rubel kollabiert: Euro erreicht Kurs 100, Dollar 80

Moskau. Zehn Prozent Wertverlust pro Tag: Der Wert des Rubels verfällt rasend. Selbst eine extreme Leitzinserhöhung verpuffte ohne Wirkung auf den Kurs. Russland schlittert in eine tiefe wirtschaftliche Krise.

Nach einem schwarzen Freitag und einem rabenschwarzen Montag erlebte die russische Wirtschaft auch noch einen Katastrophen-Dienstag: Der Kurs des Rubels verfiel jeden Tag schneller – und durchschlug schließlich auch die bis dato völlig irreal erscheinende Grenze von 100 Rubel für 1 Euro. Eine stabile Kursentwicklung gibt es nicht mehr, nur noch wilde Bocksprünge als Ausdruck völliger Panik auf dem Finanzmarkt: Später am Dienstag stieg der Kurs wieder auf etwa 90 Rubel.

Am Montagmorgen hatte ein Euro noch einen Gegenwert von 72 Rubel. Und den ganzen Sommer über hatte sich die russische Währung trotz Krim-Krise, Krieg in der Ostukraine und den westlichen Wirtschaftssanktionen noch unter einem Wert von 50 Rubel pro Euro gehalten. Russlands Währung hat damit innerhalb eines halben Jahres die Hälfte ihres Wertes verloren – und teilt sich nun mit der ukrainischen Hrywna den zweifelhaften Ruhm der weichsten Währung der Welt.

Ein Ende des Kursverfalls ist noch nicht abzusehen, ebenso wenig wie die Folgen des Währungskollapses. Er ist jetzt schon heftiger als in der Finanzkrise 2008 – „schlimmer als im Alptraum“, so Zentralbank-Vize Sergej Schwezow.

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• Russlands Regierung richtet sich auf Rezession ein (28.11.2014)
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• Rubel-Rutsch: Russlands Zentralbank gibt den Kurs frei (05.11.2014)
• 50 - 52 - 54: Der Kurs des Rubel rutscht immer tiefer (28.10.2014)
Im Unterschied zum Staatsbankrott von 1998 hat Russland allerdings heute auf der Habenseite mehr als 300 Milliarden Dollar Devisenreserven und auch nur eine geringe Staatsverschuldung von lediglich 13 Prozent des Bruttosozialprodukts.

Russlands Zentralbank zog in der Nacht auf Dienstag die Notbremse – auf relativ brutale Art: Der Leitzins wurde auf einen Schlag um 6,5 Prozent auf 17 Prozent heraufgesetzt – „zum Ausgleich der in letzter Zeit deutlich gewachsenen Abwertungs- und Inflationsrisiken“.

Gleichzeitig können sich die großen Banken deutlich mehr Devisen ausleihen, um den Druck auf den Markt zu mindern. Weitere drastische Maßnahmen blieben aber aus – schließlich hatte die Zentralbank ja erst im November den Rubel bewusst dem freien Spiel der Kräfte überlassen und angekündigt, ihre Devisenreserven nicht mehr in einem aussichtslosen Kampf um Kursstabilität zu verheizen.

Die Leitzinserhöhung wurde zwar prompt fast unisono von Finanzexperten als probates Mittel gelobt, den drastischen Kursverfall und die Währungsspekulation zu dämpfen – doch der Rubel-Kurs erholte sich nur für eine Stunde. Aber gleichzeitig würgt eine solche Zinserhöhung die Konjunktur ab: Kredite werden nun drastisch teurer. Vor allem für das kleine und mittlere Gewerbe stellt sich dann schnell die Existenzfrage – während das exportorientierte Big Business und die Devisenspekulanten sich damit leicht arrangieren können.

Was Russland erwartet, zeigt ein von der Zentralbank lange zurückgehaltene, aber just am Montag veröffentliche Prognose: Bleibt der Ölpreis mittelfristig bei 60 Dollar, steht Russland im nächsten Jahr ein Wirtschaftseinbruch von 4,5 bis 4,7 Prozent bevor. Auch 2016 wird die Rezession noch bei minus 1 Prozent liegen.

Allerdings waren die diesem Stresstest-Szenario zugrunde liegenden Bedingungen noch deutlich besser als die aktuelle Lage: Das Barrel Brent kostete in London am Dienstag nur noch 59 Dollar – und die russische Finanzwirtschaft ist bereits jetzt aus den Fugen geraten.

Putins Pressesprecher Dmitri Peskow begründete den Rubel-Kollaps kühl mit „Emotionen und spekulativer Stimmung“, sein Chef hüllte sich in Schweigen. Die russische Regierung und die Zentralbank-Spitze trat zu einer Krisensitzung zusammen. Wohin die Reise gehen könnte, ließ bereits Zentralbank-Chefin Elvira Nabiullina erahnen: „Wir müssen lernen, in einer neuen Zone zu leben, uns weitgehend auf eigene Finanzquellen zu orientieren und Projekten zum Ersatz von Importen eine Chance zu geben.“

Offen ist noch, ob diese notwendige Umorientierung hin zu mehr Autarkie eher durch strenge staatliche Regulierung oder die Kräfte des Marktes geschehen wird – beides verspricht für Russland wie seine Handelspartner schmerzhaft zu werden.



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