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Keinen Sprit zum Abheben: AirUnion-Jets sind auf zahlreichen russischen Airports gegroundet (Foto: archiv/.rufo)
Keinen Sprit zum Abheben: AirUnion-Jets sind auf zahlreichen russischen Airports gegroundet (Foto: archiv/.rufo)
Dienstag, 26.08.2008

Fluggesellschaft AirUnion steht vor dem Bankrott

Moskau. Der Fluggesellschaft AirUnion droht der Absturz. Die Verbindlichkeiten der Airline-Gruppe belaufen sich auf über 700 Mio. Euro. Das Bankrottverfahren wurde bereits eingeleitet - doch nun hilft der Staat.

AirUnion ist aus dem Zusammenschluss mehrerer russischer Luftfahrtunternehmen entstanden. Den Kern bildete die in Krasnojarsk stationierte KrasAir, daneben fliegen auch Samara, Domodedowo Airlines, Sibaviatrans und Omskavia unter dem Logo von AirUnion.

Die vom Staat als Großaktionär vorangetriebene Fusion sollte eigentlich zum Jahresende 2008 abgeschlossen werden. Hervorgehen sollte der nach Aeroflot und Sibir/S7 drittgrößte Anbieter auf dem russischen Luftfahrtmarkt mit einem Marktanteil von etwa zwölf Prozent.

Hohe Treibstoffpreise wurden existenzgefährdend


Doch von Anfang an gab es Probleme. Derzeit stecken alle beteiligten Unternehmen in wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Schuld daran sind vor allem die stark angestiegenen Kerosin-Preise, die in Russland sogar noch höher liegen als in Europa. Für AirUnion hat dies verheerende Auswirkungen, da der Großteil der Flotte aus veralteten Maschinen mit hohem Spritverbrauch besteht.

Daher wirft die Staats-Holding „Rostechnologii“, die für den Staat als Großaktionär bei AirUnion einstiegen sollte, der Konzernführung Missmanagement vor. „Es wurde weder ein adäquates Programm zur Krisenführung ausgearbeitet, noch wurden effektive Maßnahmen getroffen, den massiven Verzögerungen von Flügen entgegen zu wirken“, heißt es in einer offiziellen Stellungnahme von „Rostechnologii“.

Passagiere saßen in Massen auf Airports fest


Ende vergangener Woche war die Arbeit der Fluggesellschaft praktisch zum Erliegen gekommen. Alle Flüge vom Moskauer Flughafen Domodedowo wurden gestrichen. Passagiere saßen zum Teil tagelang auf dem Flughafen fest und beklagten, von der Airline gar nicht oder unzulänglich versorgt und informiert zu werden.

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• Russische Sibir interessiert sich für Austrian Airlines (26.08.2008)
• KrasAir stellt Charterflüge ein, Touristen sitzen fest (07.03.2008)
• Österreicher wird Top-Manager bei AirUnion (13.12.2007)
• Russische „AirUnion“ startet mit Verspätung (16.05.2007)
• Neue Fluggesellschaft AirUnion darf an den Start (03.05.2007)
Neben Domodedowo weigern sich auch weiterhin einigen andere Flughäfen und Betanker, AirUnion-Jets auf eigene Rechnung zu bedienen. Die russische Luftfahrtbehörde verbot AirUnion, Tickets für den Winterflugplan zu verkaufen.

Die Leasinggesellschaft Iljushin Finance Co. hat bereits ein Bankrottverfahren gegen KrasAir, die Kerngesellschaft von AirUnion, eröffnet. Auf diese Weise will das Unternehmen etwa 20 Mio. Dollar Schulden eintreiben. Nach Einschätzung von „Rostechnologii“ belaufen sich die Außenstände der gesamten Unternehmensgruppe gar auf etwa 1 Mrd. USD (700 Mio. Euro).

„Die Fluggesellschaften sind nicht in der Lage, die angehäuften Schulden zu bedienen und ihre Tätigkeit aufrecht zu erhalten“, bekennt der staatliche Aktionär. Damit scheint der Bankrott kaum noch abzuwenden.

Bankrott keine Wunschlösung für Gläubiger


Der größte Gläubiger, die Betankungsgesellschaft TOAP (knapp 100 Mio. Euro) will die Hoffnung allerdings noch nicht aufgeben. Ein Bankrott sei „ein leichter, willenloser und erniedrigender Weg, das Problem zu lösen“, erklärten Firmenvertreter. TOAP sei bereit, bei der Stabilisierung von AirUnion mitzuwirken und werde weiter deren Flugzeuge betanken.

Tatsächlich dürfte das Interesse der Kreditgeber an einem Bankrott der Unternehmensgruppe relativ gering sein. Die Schulden übersteigen die Aktiva weit. „Mir scheint, dass es nicht zum Bankrott kommt, objektiv ist niemand daran interessiert, dass AirUnion pleite geht“, erklärt Boris Rybak, Generaldirektor von „Infomost“, einer Marketing-Agentur für Luftfahrt.

Der Teilhaber Staat springt in die Bresche


Allerdings bedürfe es massiver Hilfe von außen, den Bankrott abzuwenden, gibt Rybak zu bedenken. Da der Einstieg ausländischer Investoren auf dem in Russland als strategisch wichtig geltenden Luftfahrtsektor unwahrscheinlich ist, kommt nur der Staat selbst als Geldgeber in Frage.

Premierminister Putin verfügte dann heute auch, dass aus staatlichen Reserven Flugtreibstoff für AirUnion zur Verfügung gestellt werden soll. Rostechnologii soll dafür die Garantie übernehmen. Es soll sich um 1200 Tonnen täglich handeln, genug damit AirUnion seine regulären Flüge aufrecht erhalten kann.

Die wesentlichen Konkurrenten von AirUnion hatten gestern ihrerseits schon angekündigt, das Streckennetz der havarierten Airline zu übernehmen: Transaero und Sibir wollten die Linien von Domodedowo an sich ziehen, Aeroflot den Knoten in Krasnojarsk und Rossija die Flüge ab St. Petersburg.

Die Treibstoffhilfe des Staates könnte nun aber doch die schon absehbare Bruchlandung der angeschlagenen Airline verhindern.



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