Oleg Deripaska ist ein wahrer Oligarch. Neben Geld besitzt er auch die richtigen Kontakte (Foto: NTW)
Dienstag, 03.08.2010
Kreml mischt sich in den Streit um Norilsk Nickel ein
Moskau. Milliardär Oleg Deripaska erhält beim Kampf um die Vorherrschaft über Norilsk Nickel Hilfe aus dem Kreml. Präsident Medwedew fordert eine Untersuchung der letzten Aktionärsversammlung, auf der Deripaska ausgebootet wurde.
Dmitri Medwedew hat Generalstaatsanwalt Juri Tschaika angewiesen, den Rohstoffkonzern Norilsk Nickel unter die Lupe zu nehmen. Geprüft werden soll vor allem, wie das Abstimungsergebnis auf der letzten Aktionärsversammlung zustande gekommen ist.
Kampf um Nornickel seit 2008
Im April 2008 ist Oleg Deripaska bei Nornickel eingestiegen - gegen den Willen des damaligen Hauptaktionärs Wladimir Potanin. Deripaskas Konzern Rusal besitzt wie Potanins Investment-Holding Interros 25 Prozent am Konzern.
Seit der Zeit kämpfen beide Oligarchen um die Vorherrschaft beim Nickel-, Platin- und Palladiumproduzenten. Lediglich während der Krise mussten sich die Milliardäre eine Auszeit nehmen, um ihre Finanzen zu regeln.
Neue Runde im Kampf um die Macht
Der Waffenstillstand wurde zuerst von Deripaska gebrochen, der im April verkündete, für den Aufsichtsrat zu kandidieren. Potanin und Deripaska hatten zuvor verabredet, sich nicht persönlich an der Leitung des Konzerns zu beteiligen.
Die Retourkutsche Potanins folgte dann auf der Aktionärsversammlung, die den Aufsichtsrat bestimmen sollte. Zwar kam Deripaskas eigene Kandidatur durch, aber neben ihm schafften es nur zwei weitere Rusal-Kandidaten, Interros hingegen brachte fünf Kandidaten durch.
Etappensieg für Potanin
Damit hat Potanin einen wichtigen Etappensieg errungen. Immerhin kann er nun die Politik des Konzerns, z.B. über die Auszahlung der Dividenden, bestimmen.
Deripaska will aber nicht klein beigeben. Das Wahlergebnis sei gefälscht worden, behauptet er und fordert Neuwahlen.
Medwedew Deripaskas Freund und Helfer
Die Forderung Medwedews, das Ergebnis der Abstimmung zu überprüfen, erfolgte so nach einem Brief Deripaskas an den Präsidenten, erklärte ein Informant aus dem Kreml. Es ist nicht das erste Mal, dass Medwedew Partei für Deripaska ergreift.
Als sich die einstige Nr.1 der Forbes-Liste 2009 im Tal der Tränen und Schulden sah, weigerte er sich, Kredite an seinen Gläubiger Michail Fridman zurückzuzahlen. Fridman überhäufte daraufhin Deripaskas Imperium mit einer wahren Klageflut.
Medwedew mischte sich schließlich in den Streit ein und erklärte, es sei unzulässig, wenn durch solche Klagen, ein ganzer Konzern an den Rand des Ruins getrieben werde. Nach dieser Kopfwäsche versprach Fridman sich mit Deripaska zu verständigen.
Deripaskas Ambitionen steigen
Mit einer derart starken Rückendeckung kann Deripaska nun auch auf Erfolg im Kampf gegen Potanin hoffen, obwohl der auch gute Beziehungen zum Kreml hat.
Immerhin hat Deripaska schon mal angekündigt, dass er Potanins Anteile übernehmen werde, "falls Interros in finanzielle Schwierigkeiten" gerate. Noch ist Potanin aber nicht gewillt zu verkaufen.
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