Oleg Deripaska will mit aller Macht an die Macht beim Metallurgiekonzern Norilsk Nickel (Foto: TV)
Mittwoch, 09.07.2008
Oligarchen Deripaska und Potanin starten Machtkampf
Moskau. Zwischen den russischen Milliardären Oleg Deripaska und Wladimir Potanin ist ein scharfer Machtkampf um den Metallurgiekonzern Norilsk Nickel ausgebrochen. Beide streben nach der Führung im Konzern.
Oleg Deripaska gilt derzeit mit einem geschätzten Vermögen von rund 40 Mrd. USD als der reichste Russe. Im April hat sich sein Aluminium-Konzern RusAl bei Norilsk Nickel eingekauft. 25 Prozent plus eine Aktie, also ein so genanntes „Blockpaket“, hat der Multimilliardär bei Michail Prochorow erworben.
Im Gegenzug durfte Prochorow, der in der Vergangenheit eher durch Playboy-Auftritte („Callgirl-Ring“ in Courchavel) als durch große Geschäfte in die Schlagzeilen geraten war, über einen 14-Prozent-Anteil an RusAl freuen. Insgesamt wird der Wert des Deals auf 14 – 15 Mrd. USD geschätzt.
Ambitionen auf die Führung im Konzern
Schon unmittelbar nach dem Beteiligungskauf machte Deripaska seine Ambitionen deutlich. Auf der Aktionärsversammlung wolle RusAl seinen Kandidaten, u.a. Oleg Deripaska und Viktor Wechselberg, in den neuen Aufsichtsrat bringen, kündigte RusAl-Generaldirektor Alexander Bulygin an. Gleichzeitig wolle RusAl die Strategie bei Norilsk Nickel aktiv mitgestalten, hieß es.
Doch bei der Wahlen zu Vorstand und Aufsichtsrat gab es deutliche Schlappen für Deripaska. Zwar schaffte er selbst den Sprung in den Aufsichtsrat, doch Wechselberg fiel durch. Die wichtigsten Posten im Vorstand und Aufsichtsrat besetzen zudem weiterhin Vertraute von Wladimir Potanin.
Potanin bleibt am Ruder
Potanin, der wie Deripaska als Mulitmilliardär beste Beziehungen zum Kreml besitzt, bleibt weiterhin Chef des Aufsichtsrats. Zudem wird Potanins Stellvertreter bei der Investmentgesellschaft „Interros“, Sergej Batechin, neuer Vorstandschef bei Norilsk Nickel.
An beiden Ernennungen übt RusAl nun scharfe Kritik. Eine Konzernsprecherin nannte Batechin inkompetent. Dass mit Potanin der Hauptaktionär auch den Aufsichtsrat von Nornikel leite, verstoße gegen das Börsenrecht in London (Norilsk Nickel will in Kürze einen Teil seiner Aktien dort listen lassen), fügte sie hinzu.
Scharfe Kritik an den Ernennungen
Kritik gibt es auch an den so genannten „unabhängigen“ Aufsichtsratsmitgliedern, u.a. dem Österreicher Heinz Schimmelbusch (früher Vorstandschef bei der Metallgesellschaft). Diese seien alles andere als unabhängig, heißt es.
Bei Kritik allein wird es RusAl nicht bewenden lassen. Der Minderheitsaktionär will im Zusammenspiel mit anderen Teilhabern Neuwahlen im Aufsichtsrat durchführen, um das Kräfteverhältnis zu seinen Gunsten zu ändern.
Es gibt bereits jetzt Spekulationen darüber, dass Deripaska eine Mega-Fusion plant. Demnach sollen RusAl und Nornikel zum künftig den weltweit größten Metallurgiekonzern verschmelzen. Der Wert dieses Unternehmens würde mehr als 100 Mrd. USD betragen.
Potanin ist freilich an der Übernahme seines Konzerns nicht interessiert. So wird es in den nächsten Monaten noch zu scharfen Auseinandersetzungen zwischen den beiden Oligarchen kommen.
Beide Milliardäre haben ihr Vermögen in den „wilden 90ern“ gemacht. Die Methoden ihres Aufstiegs gelten - gelinde gesagt – als fragwürdig. Die Ankündigung, den Aufsichtsrat neu wählen lassen zu wollen, ist daher wohl erst der Anfang einer heißen „Schlacht“.
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