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Moskauerinnen mögen lieber Swarowski-Schutzmasken. Hoffentlich trifft die Berliner Lieferung den Geschmack ... (Foto. Archiv)
Moskauerinnen mögen lieber Swarowski-Schutzmasken. Hoffentlich trifft die Berliner Lieferung den Geschmack ... (Foto. Archiv)
Donnerstag, 12.08.2010

Selten peinlich: Merkels Masken für Moskau

Gisbert Mrozek, Moskau. Heute Nacht kommt sie, die Berliner Hilfslieferung, teilt die halbverlassene Deutsche Botschaft stolz mit. 1.250 Atemschutzmasken und 20 "Tragkraftspritzen". Nicht kleckern, sondern klotzen! Hauptsache rechtzeitig. Wenn das nicht die Wende bringt!

Vor einer Woche teilte Aussenminister Westerwelle mit, man prüfe, wie man Russland gegen die Brandkatastrophe helfen könnte. Kanzlerin Merkel versprach Dmitri Medwedew am Telefon Hilfe. Und dann begann man zu prüfen ...

Derweil schickt Berlusconi kurzerhand zwei Löschflugzeuge, da es bekanntlich in Russland ja ein wenig an Feuerlöschtechnik mangelt. Kurz danach zog Sakorzy mit zwei Wasserbombern und einem Hubschrauber nach.

Die Aserbaidschaner und die Armenier schickten Feuerwehreinheiten, die Bulgaren liessen sich nicht lumpen. Berlin prüfte derweil sorgfältig.

Das Aussenministerium der grossmächtigen USA teilte mit, man werde ganze 55.000 Dollar spenden, das klitzekleine Estland spendete 100.000 Euro für die Opfer der Brandkatastrophe. Berlin war noch mit Prüfung beschäftigt.

Bei Russland-Aktuell
• Deutschland u Österreich schliessen Botschaft in Moskau (07.08.2010)
• Waldbrände: Ausländische Hilfe wird intensiviert (05.08.2010)
• Waldbrände: Internationale Hilfe von allen Seiten (09.08.2010)
Vor allem aber prüften die deutschen Diplomaten in Moskau sorgfältigst den Thermometerstand und die Luftqualität, erschraken sich dabei so sehr vor den Medienberichten über die Gesundheitsgefahren von Smog und Radioaktivität, dass als erste konkrete Hilfsmassnahme beschlossen wurde, das Botschaftspersonal auszudünnen. (Denn wenn es mal so richtig anfangen würde zu brennen bei Brjansk und der Wind aus Südwest wehen würde, könnte ja wirklich Radioaktivtität in kleinen Dosen auch in Moskau ankommen. Und dann muss man schneller sein, als der Wind.)

Wer nicht zur Kernmannschaft gehöre, solle besser nach Deutschland ausreisen, hiess es. (Schliesslich ist man doch Diplomat und muss sich nicht persönlich für die deutsch-russischen Beziehungen auch noch opfern)

Ungerechterweise wurde diese humanitäre Hilfsmassnahme in manchen Medien als Evakuierung der Deutschen Botschaft missinterpretiert, wobei doch in Wirklichkeit die Kernmannschaft trotz Smog und Hitze heldenhaft und selbstlos weiter die Hilfsmöglichkeiten prüfte.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen: 1.250 Atemschutzmasken und 20 "Tragkraftspritzen" werden am frühen Freitagmorgen in Moskau eintreffen.

Bei Russland-Aktuell
• Notstand in drei von sieben Gebieten aufgehoben (12.08.2010)
• Hitze und Feuer lassen die Wirtschaft schmelzen (12.08.2010)
• Jetzt keine Brände in Tschernobyl-verseuchter Region (11.08.2010)
• Löschflug: Putin liquidiert zwei Waldbrände bei Rjasan (10.08.2010)
• Krisenmanagement: Putin im Qualm, Medwedew im Kreml (06.08.2010)
Natürlich generalstabsmässig geprüft und geplant und perfekt getimed: nachdem die russischen, italienischen und französischen Wasserbomber, die 155.000 russischen Katastrophenschützer, die russischen Militärs und die Feuerwehreinheiten aus Armenien, Aserbaidschan und Bulgarien in wochenlangem Einsatz zwischen Moskau und dem Ural die Feuersbrünste stark reduziert haben, sind wahrscheinlich Tragkraftsspritzen genau das, was jetzt noch gebraucht wird, für die entscheidende Feinarbeit.

Der Symbolwert dieser Berliner Geste liesse sich nur noch erhöhen, wenn Guido Westerwelle und Angela Merkel persönlich mit Tragkraftspritze, Feuerpatsche und Atemschutzmaske an die Front gehen würden.

Aber soviel Einsatz entspräche doch nicht der vornehmen Zurückhaltung des deutschen Spitzenpersonals, das degustiert die Nase rümpft, wenn sich wieder einmal dieser Macho-Putin persönlich als Co-Pilot in einem Löschflugzeug betätigt hat.

Das, mit Verlaub, ist doch übelster Populismus! Es ist also nicht zu erwarten, dass Aussenminister Westerwelle morgen früh dem Hilfsflugzeug in Moskau entsteigt.



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ich liebe russlnd 17.08.2010 - 09:26

meine meinug

einens vorweg: ich bin Deutscher und lebe auch hier in der B(ananen)R(epublik)D(eutschland).Meine kontakte zu Russland sind seit 1989 ( gehört aber nicht hier hin )
Bei den Deutschen Örtlichen Feuerwehren ist man sehr begeistert über die Technik mit der die Russen das Feuer bekämpfen. Den Deutschen wird sehr viel über die veraltete Russische Technik erzählt, und während die Deutschen darüber Diskutieren, werden damit die Brände in Russland gelöscht.
Deutschland kann mit Stolz behaupten die ältesten und abgewracktesten Feurerwehren in Europa zu besitzen. ( kein Wunder das war nur verzögerungstaktik über die Deutsche unfähigkeit zu teuschen) Jede Deutsche Freiwillige Feuerwehr währe sofort Losgefahren um zu Helfen.
Ein Deutscher Feuerwehrhauptmann hatte zu dem Thema gesagt:\" Es ist erstaunlich welches Technische Know How in Russland eingesetzt wird, davon können wir nur Träumen, man zeigt uns ja nur die Bilder, die das Klischee von Russland nur verstärken sollen.
Was sind 100.000 Atemschutzmasken für eine millionen Metropole wie Moskau???? Ich finde es UNVERSCHÄMT Beleidigend und mehr als TRAURIG mit dieser\" sehr Hilfbereiten\" Deutschen Regierung. Da die Russische Freundschaft so mit den Füssen getreten wird muss sich unsere Merkeline verdammt krumm machen...
Ich schliesse jetzt hier Lieber, sonst werde ich noch eingebürgert ;-)

gruß aus dem verregneten Deutschland


GermanMan 14.08.2010 - 12:19

popo in Hose

Also das ganze ist wohl überspitzt geschrieben , wenn auch teilweiße wahr .Die Aktion von Putin war einfach Ober -COOL , auch wenn es nur eine AKTION war !! Dazu hätte unser,!meiner ist er nicht ! , oder besser gesagt der BRD- Aussenminister G.W. nicht den Arsch in der Hose !! Den braucht er bekanntlich für andere Dinge ..


Paulsen-Consult 14.08.2010 - 10:45

AW Stimmungsmache

Der von mir zitierte Artikel aus dem Handelsblatt ist natürlich auch tendentiös, bringt aber eine andere Sicht auf die Dinge. Immerhin will Deutschland helfen, hat schon 100 000 Atemschutzmasken geliefert (nicht 1250 wie hier behauptet) und bereitet schweres Löschgerät für den Transport vor. Dies konnte man zumindest bei Erscheinen des Artikels von Herrn Mrozek schon den offiziellen Stellungnahmen der Bundesregierung entnehmen.\\r\\nDen Artikel von Herrn Mrozek finde ich weiterhin einfach nur bösartig.


Kesklin 13.08.2010 - 18:15

ja, ja die Deutschen

so sind sie eben. Nicht wahr, Herr
Poulsen-C. der Kalte Krieg ist eben noch nicht ganz ausgetreten. Und jetzt auch noch den Brand dazu. Was zuviel ist, ist eben zuviel.


G3sundheit 13.08.2010 - 13:41

@Stimmungsmache

was Sie schreiben hört sich zwar plausibel an und würde die nicht ankommende Hilfe entschuldigen, aber dann stellt sich die Frage, wie es kommt, dass die anderen es können und Deutschland an irgendwelchen Hürden scheitert? Dass es üblich ist, den Transport in Krisenregionen von anderen organisieren zu lassen, hab ich auch noch nicht gehört, üblich ist es sich Sprit kostenlos zu Verfügung stellen zu lassen, wenn das Land es sich leisten kann.


Steff 13.08.2010 - 07:48

so sieht es aus

Kann mich den Kommentaren von Jonas R und Gunter K nur anschließen. Wenn andere, vor allem ärmere Länder helfen können, könnten wir das auch!


Gunther K. 12.08.2010 - 21:50

Sehr treffende Kritik

Ich kann mich sowohl dem Inhalt als als auch dem berechtigt scharfen Tonfall von Herrn Mrozeks Kritik nur anschließen. Es ist eine politische Kapitalpleite, die wir Deutschen, die besonders um die Pflege der Beziehung zu Russland bemüht sein sollten, hier zur Schau gestellt haben. Eine solch beleidigende Halbherzigkeit, gewürzt mit bürokratischen Hinhaltephrasen (\\\\\\\"Hilfsmöglichkeiten prüfen\\\\\\\", s.o.), klingt schon mehr als eine Woche in den Medien an. Und dann soll es mal wieder an den Russen liegen, die natürlich zu stolz sind, Hilfe aus dem Westen (Frankreich und Italien sind in dieser Hinsicht natürlich unerklärliche Ausnahmen) zu akzeptieren, denn der Kalte Krieg sowie Großmachtsitten und -gehabe stecken ihnen ja immer noch in den Köpfen...Wenn Herr Mrozeks Artikel Stimmungsmache sein soll, dann stellt sich für mich die Frage, was schlecht daran sein kann,berechtigte Empörung über ein solches Fehlverhalten auszudrücken.


Paulsen-Consult 12.08.2010 - 20:15

Stimmungsmache

Um dieser Art der Stimmungsmache etwas entgegen zu setzen, hier ein Zeitungsausschnitt aus dem Handelsblatt von Gestern \"Erst am Samstag erreicht der erste Hilferuf der Moskauer Botschaft das Bundesinnenministerium. Da lodern die Brände schon seit mehr als einer Woche, da hatte Berlin Moskau schon mehrfach Unterstützung angeboten. Nun läuft die Hilfe aus Deutschland an. Doch viel zu schleppend, die Zustände in Russland sind chaotisch. 119 000 Atemschutzmasken gelangen zwar problemlos nach Moskau. Doch dringend benötigte technische Geräte - die Russen hatten auf einer Liste etwa um Hubschrauber, Feuerwehrwagen und Pumpen gebeten - stecken fest. Unbürokratische, schnelle Hilfe ist kaum möglich.\\r\\n\\r\\nDie Deutschen könnten viel mehr Material liefern, wenn Moskau gezielte Anfragen stellen würde. Christoph Unger, Präsident des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, sagt dem Handelsblatt: \\\\\\\"Wir warten darauf, dass das Angebot angenommen wird.\\\\\\\" Unger und seine Behörde sind zuständig für die Koordinierung der Hilfe. Sie haben eine Angebotsliste ausgearbeitet, doch Moskau müsse sich bereiterklären, den Transport der Hilfsgüter auf eigene Kosten zu organisieren. Daran hakt es. Dabei ist das international üblich. Denn ein Flug mit der Transportmaschine Antonov, um schweres Gerät nach Russland zu schaffen, kostet nach Angaben der Behörde von Unger allein 250 000 Euro.\\r\\n\\r\\nDie Hilfe ist dringend nötig. \\\\\\\"Das große Russland hat ganze vier Löschflugzeuge, die USA 150\\\\\\\", sagt Robert Nigmatullin von der Akademie der Wissenschaften in Moskau. Feuerwehrleute klagen im Radio über \\\\\\\"25 Jahre alte Löschfahrzeuge, die wir mehr reparieren als fahren\\\\\\\".\\r\\n\\r\\nNicht nur Geräte schaffen es nicht ins Krisengebiet. Es fehlen auch Visa für Brandexperten, die vor Ort helfen sollen. Die russische Botschaft in Berlin sei in den vergangenen Tagen in vielem \\\\\\\"völlig überfordert\\\\\\\", klagen Angehörige von Hilfsorganisationen. Private Helfer wie etwa das Deutsche Rote Kreuz (DRK) sind gar nicht erwünscht. \\\\\\\"Es gibt kein offizielles Hilfeersuchen an uns, deshalb werden wir auch nicht aktiv\\\\\\\", teilte das DRK mit. Als Relikt früherer Diktaturzeiten hat sich in Russland der Widerstand gegen die Präsenz privater Hilfsdienste aus dem Westen gehalten, heißt es bei den Organisationen\\\\\\\" Aus Handelsblatt v. 11.8.2010


Jonas R 12.08.2010 - 18:47

selten genial

Bravo Herr Mrozek ! Sie sprechen mir aus der Seele.\\r\\n\\r\\nJonas Roever, Moskau


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