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Ungewisse Zukunft für Arbeitnehmer: Auch die Belegschaft des Autowerkes GAZ ist von Kurzarbeit und Entlassungen bedroht (Foto: tv/.rufo)
Ungewisse Zukunft für Arbeitnehmer: Auch die Belegschaft des Autowerkes GAZ ist von Kurzarbeit und Entlassungen bedroht (Foto: tv/.rufo)
Donnerstag, 09.04.2009

Krise total: Rüstungswerk zahlt Lohn in Nudeln aus

Kirow. Ein staatseigener Herstellerbetrieb von Schusswaffen will seine Mitarbeiter jetzt mit Lebensmitteln bezahlen, weil er den Lohn schuldig bleibt. Zehn Prozent der 5.000 Mitarbeiter haben bereits eingewilligt.


Die Lohnschulden des Werkes „Molot“ in Wjatskije Polany (Gebiet Kirow) belaufen sich auf 121 Mio. Rubel (2,7 Mio. Euro). Wegen der ausstehenden Gehaltszahlungen ermittelt die Staatsanwaltschaft. Allerdings ist klar, warum das Geld ausbleibt: Gerichtsvollzieher beschlagnahmen alle liquiden Mittel des staatseigenen Betriebs, um damit Forderungen von Zulieferern abzudecken.

Nudeln und Mehl statt Rubel


In dieser Lage hat sich die Werksleitung als erster Betrieb Russlands zur Rückkehr zu einer Praxis entschieden, die in den Krisenjahren am Ende der 80er und zu Beginn der 90er Jahre üblich war: Die Arbeiter sollen als Abschlagszahlung Lebensmittelpakete im Gegenwert von 630 Rubel (14 Euro) bekommen.

Sie werden einfache Nahrungsmittel wie Speiseöl, Mehl, Nudeln, Buchweizen, Zucker und Fleischkonserven enthalten, schreibt der „Kommersant“.

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• Petersburger Kapitalismus-Opfer will Asyl in Nordkorea (08.04.2009)
• Russen halten sich für Opfer der Weltwirtschaftskrise (25.03.2009)
• Arbeitslosigkeit in Russland wächst kräftig: 8,1Prozent (19.02.2009)
• Gewerkschaften bereiten Streik in Nordmeerflotte vor (07.04.2009)
• Lohn- und Gehaltsschulden in Russland steigen um 49 % (17.02.2009)
Die Rückkehr zu einer anderen in früheren Krisenjahren erprobten wirtschaftlichen Überlebenstechnik kommt im Falle von „Molot“ nicht in Frage: Viele russische Unternehmen „bezahlten“ damals ihre Mitarbeiter mit ihren eigenen Produkten – damit diese dann dafür auf Märkten selbst Kunden suchten. „Molot“ produziert allerdings Kalaschnikow-Maschinengewehre und Panzerabwehrwaffen.

Hunger leidende Belegschaft bekam etwas Geld


Mit ihren "Care-Paketen" sind die Arbeiter von „Molot“ noch in einer besseren Lage als das über 200 Menschen zählende Personal eines Bergbaubetriebes im Dorf Swetlogorje im Gebiet von Wladiwostok, deren Elend inzwischen auch schon Premierminister Wladimir Putin auf den Plan rief.

Da die inzwischen abgetauchte Leitung des seit September still stehenden Werkes „Russki Wolfram“ über Monate die Löhne schuldig blieb, hatten die Menschen dort effektiv nichts mehr zu essen. Erst Anfang dieser Woche zahlte die Gebietsregierung den Betroffenen eine Sofort- und Hungerhilfe von 3.000 Rubel (ca. 65 Euro) aus.

Nun soll versucht werden, das Unternehmen schnell zu verstaatlichen. Putin sagte der Gebietsregierung dafür jede notwendige Hilfe zu - kritiserte sie aber auch wegen ihrer langen Untätigkeit.



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