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Der Rubel rollt für die meisten Geschäftsleute, die nach Russland gehen (Foto: TV)
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Montag, 12.09.2011

Wie man völlig legal gute Russlandgeschäfte macht

Moskau. Von den gängigen Russland-Klischees stimmt eigentlich nur eines: Russland hat riesiges Potential, auch für europäische Mittelständler und Investoren. Aber man muss die Untiefen und Klippen der russischen Ökonomie kennen.

R-A.: Modernisierung und Verbesserung des Investitionsklima in Russland – Schlagworte, die immer wieder zu hören sind. Hat es sich schon viel verbessert in den letzten Jahren?

Schneider: In den 10 Jahren, die ich in Russland tätig bin, hat sich das Land sehr verändert. In 2001-2005 habe ich herausragende Reformen miterlebt, so z.B. die Einführung einer Flat-Rate von 13% Einkommensteuer für Privatpersonen und 24% (inzwischen 20%) für Unternehmen. In den letzten 5 Jahren hat der Reformeifer leider stark nachgelassen. Die Modernisierungsoffensive von Präsident Medwedew könnte einen neuen Ruck nach Vorne bringen. Bisher sehe ich jedoch mehr Worte als Taten.

R-A.: Der Beratungsbedarf auf dem attraktiven, aber schwierigen Feld „Russische Wirtschaft“ hat also nicht nachgelassen?

Zur Person
Ulf Schneider ist Gründer, Geschäftsführer und Gesellschafter der Beratungsgesellschaft RUSSIA CONSULTING. 250 Mitarbeiter arbeiten in Moskau, St. Petersburg, Minsk, Kiew, Almaty und Hamburg. Repräsentanzen existieren in Zürich, Wien, Paris, London, Warschau, Peking und Tokio. Vor der Gründung von RUSSIA CONSULTING war Ulf Schneider als CFO der Allianz Versicherung in Moskau tätig. Irina Zaremba sprach mit ihm für Russland-Aktuell:
Schneider: Der Beratungsbedarf hat sich in den letzten zehn Jahren nicht vermindert, aber verändert. Vor zehn Jahren trafen viele Vorurteile von Ausländern zu, z.B. was die Korruption angeht. Hier hat sich aus meiner Sicht für mittelständische Unternehmen viel zum positiven gewendet. Die Willkür der Behörden ist zurückgegangen. Die Finanzverwaltung ist ein gutes Beispiel. Beratung für westliche Unternehmen beginnt heute häufig damit zu erklären, dass man vollkommen legal gute Geschäfte abwickeln kann – und sollte.

R-A.: Was muss ein westlicher Unternehmer heute wissen, wenn er nach Russland kommt?

Schneider: Der Faktor Zeit muss anders bewertet werden! Wer in Russland erfolgreich sein möchte, muss Zeit und Geduld mitbringen. Wer offensichtlich unter Zeitdruck steht, hat schon verloren. Prozesse dauern nicht nur länger, sie laufen auch anders ab. Ein unterschriftsreifer Vertrag mit dem Kunden bedeutet nichts. Wenn sich der westliche Unternehmer nicht die Zeit für die Kultur und Geschichte Russlands nimmt, wird er beim Kunden schnell durchfallen.

R-A.: Sie meinen, man muss trinkfest sein?

Schneider: Nein natürlich nicht, es geht um russische Kultur und Traditionen im Ganzen. Deals müssen nicht unbedingt mit Wodka besiegelt werden. In den Großstädten hat sich eine nüchternere Betrachtungsweise durchgesetzt. Ein weiteres Missverständnis sind die Kosten des Russland-Engagements. Russland ist kein Billiglohnland. Netto verdienen viele Moskauer mehr als ihre westlichen Kollegen in ähnlicher Position.

Ein dritter wichtiger Punkt: Planen Sie im Detail, wie Ihr Russland-Engagement rechtlich und steuerlich aufgezogen werden soll, ob als Repräsentanz, Niederlassung oder Tochtergesellschaft. Die Gründung ist schon zeitaufwendig und eine Umwandlung von einer Repräsentanz in eine Tochtergesellschaft ist kaum möglich.

R-A.: Oft fangen die Probleme aber erst richtig nach der Gründung an ...

Schneider: Buchhaltung und Steuern sind unsere größten Geschäftsbereiche. Jedes Quartal sind ca. 15 Finanzberichte und Steuererklärungen bei diversen Behörden abzugeben, ein enormer administrativer Aufwand! Darüber hinaus bieten wir komplexe EDV- Lösungen für internationale Buchhaltung an, vermieten komplett eingerichtete Büros, sind bei Firmenregistrierungen, arbeitsrechtlichen Fragen und beim Interim-Management behilflich.

R-A.: Ausser Russia Consulting gibt es auch Ukraine Consulting, in Weißrussland und Kasachstan sind Sie ebenfalls tätig. Sind das nur unterschiedliche Filialnamen oder gibt es wesentliche Unterschiede zwischen den Ländern?

Schneider: Es gibt Gemeinsamkeiten und Unterschiede. Wir sind in diesen Ländern tätig, da man in vielen Bereichen noch die gemeinsamen Wurzeln aus der Sowjetzeit sehen kann, dies betrifft z.B. Steuer- und Arbeitsrecht. In Sachen Bürokratie und Rechtsstaat hinken Belarus, Ukraine und Kasachstan mehrere Jahre Russland hinterher. Die Ukraine ist im Vergleich zu Russland korrupter, Belarus hat eine fürchterlich komplexe Bürokratie und Kasachstans Wirtschaft ist noch stärker als Russland von Öl und Gas bestimmt.

R-A.: … aber Sie sind beratend auch in Deuschland, Österreich und der Schweiz tätig?

Schneider: In den Fokus russischen Interesses rücken nach und nach auch Österreich, Deutschland und die Schweiz. Russische Unternehmen engagieren sich immer stärker dort. Das Engagement sieht allerdings ganz anders aus, als jenes westlicher Unternehmer in der GUS. Es geht um Kapitalbeteiligungen und die Hoffnung auf Know-How -Transfer. Ein interessantes Thema für mittelständische Familienunternehmen im deutschsprachigen Raum, die eine Nachfolgeregelung suchen. Auch hier können wir mit unseren Beratern in Hamburg, Wien und Zürich helfen.


Die russische Übersetzung dieses Artikels ist hier >>>

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