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Boris Jelzin war von 1990 bis Ende 1999 der erste Präsident Russlands (Foto: Mrozek/.rufo)
Boris Jelzin war von 1990 bis Ende 1999 der erste Präsident Russlands (Foto: Mrozek/.rufo)
Aktualisiert 29.10.2010 12:04

Boris Nikolajewitsch Jelzin

Russischer Ex-Präsident. Gestorben 2007

Zitat: „An allem ist Tschubais schuld.“

Geboren: am 1. Februar 1931 im Dorf Butka, Gebiet Swerdlowsk.

Gestorben am 23.04.2007 in Moskau.

Laufbahn: Studium an der Technischen Hochschule in Swedlowsk (Jekaterinburg) Mitglied der KPdSU. Leiter der Abteilung für Bauwesen im Parteikomitee des Swerdlowsker Gebiets. Abgeordneter und Präsidiumsmitglied des Obersten Sowjets der Sowjetunion. Leiter der Abteilung für Bauwesen im ZK der KPdSU. Erster Sekretär des Moskauer Parteikomitees. Erster Stellvertretender Vorsitzender des Staatskomitee für Bauwesen. Vorsitzender des Obersten Sowjets der RSFSR. Austritt aus der KPdSU (Juli 1990). Präsident Russlands. Freiwilliger Rücktritt im Dezember 1999. Im Februar 2006 feierte Jelzin im Kreml seinen 75. Geburtstag.

Freunde: Gennadi Burbulis. Boris Nemzow. Schamil Tarpischew war lange Zeit Jelzins persönlicher Tennis-Trainer. Helmut Kohl - bezeichnete Jelzin öffentlich als Freund.

Feinde: Michail Gorbatschow. Die Kommunistische Partei Russlands und ihr Vorsitzender Gennadi Sjuganow. Jewgeni Primakow und der ehemalige Generalstaatsanwalt Juri Skuratow. Russische Nationalisten.

Skandale: Im September 1993 löst Jelzin mit seinem Ukas den Obersten Sowjet (=Parlament) Russlands auf. Das russische Verfassungsgericht erklärt den Präsidentenerlass für verfassungswidrig. Das Parlament enthebt Jelzin des Amtes und ernennt Vize-Präsident Alexander Ruzkoi zum neuen Kreml-Chef. Es kommt zu bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen den Aufständischen und den jelzintreuen Polizei- und Armee-Einheiten. Nach einem misslungenen Sturm des Fernsehzentrums in Ostankino marschieren die Truppen der russischen Armee in die Hauptstadt ein. Panzer beschießen das Gebäude des Parlaments, die Aufständischen ergeben sich. Durch einen Ukas stoppt Jelzin auch die Arbeit des Verfassungsgericht.

Familie: Verheiratet seit 1956. Aus der Ehe sind zwei Töchter hervorgegangen - Jelena (geb. 1957) und Tatjana (geb. 1960). Jelzin hatte sechs Enkel und einen Urenkel.

Hobbys: Boris Jelzin spielte gern Tennis. Alkohol.


Boris Jelzin und sein Leibwächter A. Korschkow auf der Protestkundgebung gegen die Putschisten im August 1991 (Foto: zeka.ru)
Boris Jelzin und sein Leibwächter A. Korschkow auf der Protestkundgebung gegen die Putschisten im August 1991 (Foto: zeka.ru)


















Laufbahn:

23. April 2007: Boris Jelzin stirbt nach einer kurzen Virusinfektion an Herzversagen. Die Totenmesse wird in der zentralen Christ-Erlöser-Kathedrale gelesen. Beerdigt wird er auf dem Friedhof am Neujungfrauen-Kloster

Februar 2006: Jelzin feiert im Kreml seinen 75. Geburtstag mit einem Gala-Empfang. Sein Nachfolger Wladimir Putin lädt etwa 250 hochrangige Gäste aus dem In- und Ausland zu dem Jubiläum des Politrentners ein, darunter Helmut Kohl und Bill Clinton.

September 2002: Jelzin kritisiert scharf die Irak-Politik der USA. Er sieht in Saddam Hussein keinerlei Bedrohung.

31. Dezember 1999: Freiwilliger Rücktritt vom Amt des Präsidenten. Übergabe der Macht an seinen Premierminister Wladimir Putin.

August 1999: Boris Jelzin entlässt Sergej Stepaschin als Premier und ernennt Wladimir Putin zu dessen Nachfolger.

Mai 1999: Boris Jelzin entlässt Jewgeni Primakow als Premier und ernennt Sergej Stepaschin zu dessen Nachfolger.

September 1998: Boris Jelzin muss nach dem Zusammenbruch der russischen Wirtschaft im August den ungeliebten Jewgeni Primakow als Premier einstellen.

August 1998: Wirtschaftskrise, Boris Jelzin entlässt Premier Sergej Kirienko, den er erst im März eingestellt hatte.

November 1996: Boris Jelzin unterzieht sich einer komplizierten Herzoperation durch seinen Leibarzt Renat Aktschurin. Während der OP erhält Premier Viktor Tschernomyrdin den schwarzen Koffer als Insignie der Macht.

3. Juli 1996: Jelzin setzt sich in der zweiten Runde der Präsidentschaftswahlen gegen seinen kommunistischen Herausforderer Gennadi Sjuganow durch. Mit 53,82 % der abgegebenen Stimmen wird Jelzin im Amt bestätigt.

Juni 1996: In der ersten Runde der Präsidentschaftswahlen verfehlt Boris Jelzin die absolute Stimmenmehrheit (35,28 %), er muss zur zweiten Runde antreten. Kurz darauf verschwindet er für zwei Wochen von den TV-Bildschirmen. Es gibt Gerüchte, dass er einen Herzinfarkt hatte.

19.- 21. August 1991: Putsch in Moskau. Boris Jelzin stellt sich mit seiner demokratischen Bewegung den Putschisten entgegen. Nach der Niederlage der Putschisten steht Jelzin auf dem Höhepunkt seiner Popularität.

12. Juni 1991: Boris Jelzin wird zum Präsidenten der RSFSR (später Russland) gewählt.

Juli 1990: Austritt aus der KPdSU.

29.5.1990: Wahl zum Vorsitzenden des Obersten Sowjet der RSFSR.

März 1990: Wahl zum Volksdeputierten (=Abgeordneter) der RSFSR.

Juni 1989 – Mai 1990: Vorsitzender des Komitees für Bauwesen und Architektur des Obersten Sowjets der UdSSR.

Mai 1989 – Dezember 1990: Mitglied des Obersten Sowjets der SU.

November 1987 – Mai 1989: 1. Stellv. Vorsitzender des staatlichen Komitees für Bauwesen, gleichzeitig Minister der UdSSR.

November 1987 – Mai 1989: 1. Stellv. Vorsitzender des staatlichen Komitees für Bauwesen, gleichzeitig Minister der UdSSR.

Juni 1986 – Mai 1988: Präsidiumsmitglied des Obersten Sowjet der UdSSR.

Juli 1985 – Februar 1986: ZK-Sekretär.

April 1985 – Dezember 1985: Leiter der Abteilung Bauwesen beim ZK der KPdSU.

März 1981 – Juli 1990: Mitglied des ZK der KPdSU.

Januar 1978 – Mai 1989: Mitglied des Obersten Sowjets der UdSSR.

November 1976 – April 1985: KP-Sekretär des Gebietes Swerdlowsk.

1968 - 1976: Arbeit im Swerdlowsker Gebietskomitee der KPdSU, zuständig für Bauwesen.

1963 – 1968: Aufstieg vom Chefingenieur zum Kombinatsleiter in Swerdlowsk.

1961: Eintritt in die KPdSU.

1955 – 1963: Aufstieg vom Meister zum Chefingenieur und Chef der Bauverwaltung von „Jusch-Gor-Stroi“ in Swerdlowsk.

1955: Absolvent am Polytechnischen Ural-Institut in Swerdlowsk.

Das Verhältnis zwischen Jelzin und Puitn war eher geschäftlich kühl, auch wenn es die Satiresendung "Kukly" hier anders darstellt. (Foto: Schdanow/rufo)
Das Verhältnis zwischen Jelzin und Puitn war eher geschäftlich kühl, auch wenn es die Satiresendung
Freunde und Team:

Gennadi Burbulis - schlug ihm beim ersten Versammlung der Volksdeputierten der Sowjetunion für das Amt des Vorsitzenden des Obersten Sowjets vor. Bei der Wahl der Volksdeputierten Russlands 1990 organisierte Burbulis seinen Wahlkampf. Im Juni 1991 bildete Jelzin durch einen Ukas einen Staatsrat - ein Organ, der von der Verfassung gar nicht vorgesehen war. Zum Chef des Staatrates ernannte Jelzin Burbulis.

Boris Nemzow. Jelzin macht ihn zum Vize-Premier, sie spielen öfter gegeneinander Tennis.

Schamil Tarpischtschew war lange Zeit Jelzins persönlicher Tennis-Trainer.

Helmut Kohl - bezeichnete Jelzin öffentlich als Freund.


M. Gorbatschow und B. Jelzin wechseln schon seit mehr als zehn Jahren kein Wort mehr miteinander. (Foto: rufo)
M. Gorbatschow und B. Jelzin wechseln schon seit mehr als zehn Jahren kein Wort mehr miteinander. (Foto: rufo)
Feinde:

Michail Gorbatschow. Seit 1991 haben die beiden kein Wort mehr miteinander gewechselt. Nach dem Putsch hatte Jelzin Gorbatschow praktisch entmachtet.

Die Kommunistische Partei Russlands und ihr Vorsitzender Gennadi Sjuganow. 1996 lieferten sich die beiden einen erbitterten Wahlkampf. Durch einen Propagandafeldzug in allen Medien gelang es Jelzin, seinen Rivalen schließlich zu überflügeln.

Jewgeni Primakow und der ehemalige Generalstaatsanwalt Juri Skuratow. Als Primakow Premierminister war, begannen staatsanwaltschaftliche Untersuchungen gegen Personen der engsten Umgebung Jelzins. Auch seine Person wurde unter die Lupe genommen. 1999 konnte Jelzin dann seinen ihm verhassten Premier an die Luft setzen.

Russische Nationalisten. Dazu zählt unter anderem der Faschist Alexander Barkaschow.

B. Jelzin (Foto: Mrozek/rufo)
B. Jelzin (Foto: Mrozek/rufo)
Skandale:

Auflösung des Parlaments: Im September 1993 löst Jelzin mit seinem Ukas den Obersten Sowjet (=Parlament) Russlands auf. Das russische Verfassungsgericht erklärt den Präsidentenerlass für verfassungswidrig. Das Parlament enthebt Jelzin des Amtes und ernennt Vize-Präsident Alexander Ruzkoi zum neuen Kreml-Chef. Es kommt zu bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen den Aufständischen und den jelzintreuen Polizei- und Armee-Einheiten. Nach einem misslungenen Sturm des Fernsehzentrums in Ostankino marschieren die Truppen der russischen Armee in die Hauptstadt ein. Panzer beschießen das Gebäude des Parlaments, die Aufständischen ergeben sich. Durch einen Ukas stoppt Jelzin auch die Arbeit des Verfassungsgericht.

Der erste Krieg in Tschetschenien: Am 9. Dezember 1994 unterschreibt Jelzin einen Ukas über die Wiederherstellung der Verfassungsordnung in Tschetschenien und Kampf gegen bewaffnete Einheiten. Am 11. Dezember 1994 marschieren in Tschetschenien die Truppen der russischen Armee und des Innenministeriums ein. Der Krieg kostet nach allerdings stark schwankenden Schätzungen etwa 100.000 Zivilisten das Leben - und endet mit einem Waffenstillstandsabkommen im Sommer 1996.

Die Wahl für die zweite Amtszeit: Jelzin wird bei seiner Wiederwahl massiv von den Oligarchen gestützt, die einen fulminanten Wahlkampf für den Amtsinhaber organisieren. In den Medien wird ständig und fast ausschließlich über Jelzin berichtet. Seine Gegner werden diskreditiert. In der Endphase des Wahlkampfes erleidet Jelzin einen schweren Herzinfarkt, doch der wird der Bevölkerung verheimlicht, um die Wiederwahl nicht zu gefährden. Die zweite Amtszeit Jelzins ist dann auch geprägt von langen Krankheitsphasen.

Machtübergabe an Putin und der zweite Krieg in Tschetschenien Im Sommer 1999 spekulieren die russischen Medien darüber, dass der Kreml einen neuen Krieg in Tschetschenien anzetteln werde, damit die für Dezember geplante Parlamentswahl ausgesetzt werden könne. Später wird in einer Wochenzeitung das Szenario entworfen: Der Kreml setzt auf Putin - Jelzin wird den bisher weitgehend unbekannten Chef des Inlandsgeheimdienstes zum Ministerpräsident machen, der Krieg in Tschetschenien macht den neuen Politiker bekannt, und dann tritt Jelzin zurück. Wenige Tage nach der Publikation entlässt Jelzin tatsächlich den damaligen Ministerpräsident Stepaschin und macht Wladimir Putin zu dessen Nachfolger. In seinem ersten Ukas nach Jelzins Rücktritt garantiert Putin dem ehemaligen Präsidenten Immunität vor Strafverfolgung.

Tatjana Djatschenko hatte großen Einfluss auf die Politik ihres Vaters (Foto: rufo)
Tatjana Djatschenko hatte großen Einfluss auf die Politik ihres Vaters (Foto: rufo)
Familie und Eltern: Boris Jelzin hat einen Bruder und eine Schwester. Es ist seit 1956 verheiratet. Seine Frau Naina Jelzina studierte an derselben Hochschule wie Boris Jelzin. Sie arbeitete bis 1985 in einem Forschungsinstitut in der Stadt Swerdlowsk. Boris Jelzin hat zwei Töchter - Jelena (geb. 1957) und Tatjana (geb. 1960). Jelena studierte an der Technischen Hochschule in Swerdlowsk. Ihr Mann Waleri Okulow wurde von Jelzin 1997 zum Geschäftsführer der russischen staatlichen Fluggesellschaft Aeroflot ernannt. Jelena Okulowa hat zwei Töchter - Jekaterina (geb. 1979) und Maria (geb. 1983). Tatjana Djatschenko absolvierte Moskauer Lomonossow-Universität. Sie hat zwei Söhne - Boris (geb. 1981) und Gleb (geb. 1995).

Jelzin bei seinem Wahlkampf 1996. Tanz auf einem Rockkonzert (Foto: infonet)
Jelzin bei seinem Wahlkampf 1996. Tanz auf einem Rockkonzert (Foto: infonet)
Hobbys und Charakter:


Boris Jelzin spielt gern Tennis. Seine Zuneigung für den Alkohol war bekannt. Mehrere Male trat er in der Öffentlichkeit in offensichtlich betrunkenem Zustand auf. Bei einem GUS-Gipfeltreffen trommelte er beispielsweise Kirgisiens Staatsoberhaupt Askar Akajew mit zwei Löffeln auf der Glatze, bei einem Staatsbesuch in Berlin versuchte er das Orchester zu dirigieren und bei einem Besuch in Irland stieg er erst gar nicht aus dem Flugzeug, wo die versammelte Politprominenz des Inselstaates wartete. (Stattdessen musste ihn sein Premier Tschernomyrdin wegen Unpässlichkeit entschuldigen.)

Zitate:

„An allem ist Tschubais schuld.“ (wird zum geflügelten Wort in Russland)

„Man muss sich um die Menschen kümmern, denn auf Gutes reagieren sie immer mit erhöhtem Einsatz.“

Der britische Premier John Major fragte seinen Kollegen Boris Jelzin nach der wirtschaftlichen Situation in Russland. Jelzin antwortete knapp: "Gut!" Mit dieser Auskunft gab sich Major nicht zufrieden und hakte nach: "Etwas ausführlicher, bitte!" Darauf Jelzin: "Nicht gut!"

„Ein Mann muss leben wie eine große, lodernde Flamme und leuchten so hell, wie er kann. Am Ende brennt er aus. Aber das ist besser als eine armselige kleine Flamme zu sein..“

Gorbatschow über Jelzin: "Er hat dem Land große Dienste geleistet, aber auch große Fehler gemacht" (nach dem Tod Jelzins am 23.4.2007)

Weitere Quellen im Internet:

Seite des Jelzin-Fonds.

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