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Psoy Korolenko, der singende Professor, doziert die etwas andere Kunst. Man sollte ihn einmal erlebt haben. (Foto: Psoy)
Psoy Korolenko, der singende Professor, doziert die etwas andere Kunst. Man sollte ihn einmal erlebt haben. (Foto: Psoy)
Freitag, 04.11.2011

Psoy Korolenko – der singende Professor aus Moskau

Berlin. Er erinnert an die legendären Marx Brothers. Der durchgeknallte Professor Korolenko aus Moskau doziert als Gast an zwei Abenden seine Videoperformance „Pauer & Pojnt“. Wir fragen uns nur: wann holt er einmal Luft?

„Rock-Pop-Rap-Folk-Punk-Punk-Art-Low-Fi-Smart-Kabaret in Ugglisch, Spinach, Fringe, Germmaniac, Rushing, Yiddiotish and other real and invented tongues.” Keine Sorge, auch wir standen zuerst mit offenem Mund und ungläubigen Augen vor dem Plakat und fragten uns, was uns der Mann damit sagen will.

Wenn man ihn jedoch einmal erlebt hat, dann versteht man, warum seine Art der Performance im Grunde genommen nicht anders genannt werden kann. Psoy Korolenko ist auf seine Weise ein Genie. Der Alleinunterhalter schafft es, sein Publikum mit seinen schon fast grotesken Auftritten zu bannen.

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• Zehn Jahre Datscha-Projekt – das schreit nach Party! (13.04.2011)
• Markscheider Kunst – Pure Lebensfreude von der Newa (31.03.2011)

Transkulturelle Identität


Ausgestattet mit jüdischen Wurzeln, sieht er das Judentum als eine Metapher für das ultimative Anderssein. Und das ist Korolenko, der sich selbst als Schüler und Professor sieht, auf alle Fälle – anders. Der 44-jährige geht an Grenzen, sein Publikum nimmt er gleich mit.

Das bezieht er interaktiv in seine Shows mit ein, keiner kommt ihm aus. In Korolenkos Augen sind seine Konzerte sogar eine existentielle Erfahrung und ein psychologischer Prozess. Einbezogen in sein Interesse für Grenzgänge und Minderheiten, streift er mit seinen Gästen durch die Diaspora der Wahrnehmung.

Stets wandelt er auf einem Grat zwischen bildender und unterhaltender Kunst. Einordnen kann man Psoy Korolenko, der bürgerlich ja eigentlich Pavel Lion heißt, stilistisch sowieso nirgendwo. Er macht einfach sein eigenes Ding.

Anleihen an Comedy-Traditionen


Zugegeben, so ganz neu ist seine Art der Bühnenunterhaltung nun auch wieder nicht. Die etwas älteren Generationen aus Westeuropa können sich vermutlich noch an den skurrilen, unterschwellig sehr politischen, Sarkasmus der Marx Brothers erinnern.

Möglicherweise sogar auch noch an den tiefgründigen Politklamauk der „Fugs“ um die Beatnik-Poeten Ed Sanders und Tuli Kupferberg aus New York City. Oder etwa an den Wahl-Amsterdamer und Anarcho-Spaßvogel Jango Edwards und seine „Friends Roadshow“ in den Siebzigern.

Und diese Vergleiche hinken nicht einmal, nur die Zeiten haben sich geändert. Psoy Korolenko karikiert eben die heutige Zeit mit allen ihren Finessen und Ungereimtheiten. Das multilinguale Sprachtalent findet garantiert ein Haar in der gesellschaftlichen Suppe, die ihn umgibt.

Wann und wo
04.11.2011 – Berlin, Panda Theater, Kulturbrauerei
05.11.2011 – Hamburg, Datscha Projekt, Übel und Gefährlich

Klezmerwurzeln enden im Unerklärlichen


Zwei seiner inzwischen acht veröffentlichten CDs sind von der jüdischen Klezmermusik geprägt,und bei Klezmerbands hat er gerne ausgeholfen. Im Einklang mit russischer Rockmusik hat sich Psoy, wie man ihn seit 2006 der Einfachheit halber kennt, seine eigene Ecke geschaffen.

Nicht ästhetisch, aber originell, meinte einmal ein Kritiker. Da hat er vermutlich sogar den Nagel auf den Kopf getroffen. Seine Show ist etwas zwischen einer wahnsinnigen Business-Präsentation und charismatischer Sekten-Predigt im Rock’n Roll Style. Aber es polarisiert, und eben das ist sein Schlüssel.

Wenn Psoy Korolenko seine Casio Heimorgel, seine Garmoschka, malträtiert und dazu bilinguale Texte vorträgt, so schnell wie aus einer Kalaschnikow abgefeuert, auch nicht immer schlüssig, weiß der Zuhörer anfangs oft nicht genau, ob es ernst gemeint, schweinisch oder die pure Verarsche ist.

Psoys Inkarnation als Narr im mittelalterlichen Sinn, zugleich als Possenreißer als auch als ernster Künstler zu Gange, ist einfach nur crazy, eben zeitgemäß. Der “after postmodernism” des singenden Professors zeigt pure Leidenschaft.

Man sollte das „Pauer & Pojnt“-Projekt auf alle Fälle einmal erlebt haben, alleine schon wenn er seine Sichtweise zu einer Pizza rapt. Und irgendwie fragen wir uns dann doch immer noch, wann der Mann endlich einmal Luft holt…



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