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„Troll Bends Fir“ – die spaßige Mittelalterband aus St. Petersburg während ihres Auftritts auf dem „Festival-Mediaval“ in Selb. (Foto: Barth/.rufo)
„Troll Bends Fir“ – die spaßige Mittelalterband aus St. Petersburg während ihres Auftritts auf dem „Festival-Mediaval“ in Selb. (Foto: Barth/.rufo)
Mittwoch, 14.09.2011

Troll Bends Fir – purer Mittelalter-Spaß aus Russland

Selb. Unweit der tschechischen Grenze. Das größte Mittelalterfestival Europas, dabei die russische Mittelalter-Saufausband „Troll Bends Fir“. Und Russland-Aktuell für Sie mittendrin. Ein Frontbericht aus dem Fichtelgebirge.


Eigentlich ist das kleine Städtchen Selb am Rande des Fichtelgebirges ja eher durch seine Porzellanmanufakturen bekannt. Nun begab es sich, dass Heerscharen an mitunter abenteuerlich gewandeten Gestalten vergangenes Wochenende in diese Beschaulichkeit einfielen.

Vorweg die Bilanz: Porzellan wurde keines zerschlagen und alle Leute hatten erdenklichen Spaß.

„Festival-Mediaval“ - das "Woodstock des Mittelalters"


Als ich Karl-Heinz „Bläcky“ Schwarz vor ein paar Jahren auf einer ähnlichen Veranstaltung seit längerem einmal wieder traf, erzählte er mir von kühnen Plänen. Etwas ganz Grosses sollte das werden, etwas, das es so in der Art noch nie gab. Ein Festival stand im Gespräch und ganz viel Musik. Halt eben was ganz tolles…

Auch das Publikum in Selb hatte seine helle Freude bei dem Konzert von „Troll Bends Fir“. Dementsprechend kreisten auch die Methörner. (Foto: Barth/.rufo)
Auch das Publikum in Selb hatte seine helle Freude bei dem Konzert von „Troll Bends Fir“. Dementsprechend kreisten auch die Methörner. (Foto: Barth/.rufo)
Nun traf ich den „Bläcky“ wieder. Als stolzen Veranstalter des größten Mittelalter-Festivals Europas. Bemerkenswert wie er und seine Crew das „Festival-Mediaval“ organisiert und seit vier Jahren fest in der Szene installiert haben. Über drei Dutzend Bands, 10.000 Besucher an drei Tagen und reges, buntes Markttreiben zum Anfassen und mitmachen.

Von Elfen, Drachen, der guten alten Zeit und saufenden russischen Trollen


Die Bands entführten die Besucher in eine andere Zeit. Vertonte Märchen und Sagen, von filigran bis lautstark erzählt, baten zur Zeitreise in ferne Welten, die an diesem Wochenende allesamt auf dem Platz und in den umgebenden Wäldern lagen.

Den Alltag der Moderne vergessen zu machen, das ist das Erfolgsgeheimnis dieses Spektakels. Und mitten in dieser Magie ein erfrischender Haufen aus Russland – „Troll Bends Fir“ aus St. Petersburg.

„Deutsche Bier gute Bier!“ Der „Troll“ kennt sich bestens aus in der Hopfenbranche und ist durchaus einem Umtrunk nie abgeneigt. (Foto: Barth/.rufo)
„Deutsche Bier gute Bier!“ Der „Troll“ kennt sich bestens aus in der Hopfenbranche und ist durchaus einem Umtrunk nie abgeneigt. (Foto: Barth/.rufo)
Die Art ihrer Musik nennen sie selbst „Beer-Folk“, und das kommt wohl der Wahrheit am nächsten. Bezeichnenderweise heißt nun auch ihr aktuelles Album „Brothers in Drinks“.

Heiter bis Folkig - Lieder aus dem Bierkeller der Mythologien


Die energiegeladenen Melodien verbreiten unweigerlich ungestümen Spaß unter den Zuhörern. Irgendwie ist das Motto das Programm. Ihr „Folk-Rock-Humppa-Metal“ wirkt alles andere als zotig. Aber diese „Saufaus-Mukke“ hebt sich erfrischend aus der Masse ab, eben doch irgendwie bierselig.

Und was wäre eine Bier-Musik ohne dementsprechende Texte dazu? Richtig, irgendwie wie schales alkoholfreies Bier. Dementsprechend geht es in den Liedern um die richtige Pinte, um den Segen ein Bierbrauer zu sein oder auch einfach mal nur um Dünnbier und einen umtriebigen Erdbeer-Berserker.

Zweifelsohne die Zauberhafteste unter den Trollen. Maria „Dschetra“ Lewanowa, Rampensau und Gaudinudel in Personalunion. (Foto: Barth/.rufo)
Zweifelsohne die Zauberhafteste unter den Trollen. Maria „Dschetra“ Lewanowa, Rampensau und Gaudinudel in Personalunion. (Foto: Barth/.rufo)

Maria „Dschetra“ Lewanowa und der gute Ton


Während sich der Obertroll Konstantin "Troll" Rumjanzew redlich abmüht möglichst derb in sein Mikrofon zu röhren, versucht auf der anderen Seite der Bühne eine dynamische Frau den guten Ton zu wahren. Nicht nur, dass sie wie entfesselt auf ihrer Flöte spielt, sie singt dazu auch noch wie ein Zeisig.

Nach der Show traf ich mich mit der charmanten Mittzwanzigerin Maria „Dschetra“ Lewanowa noch auf einen unterhaltsamen Plausch über Musik, Bier und Gott und die Welt…

RUSSLAND-AKTUELL: „Erstmal meinen ehrlichen Respekt zu diesem grandiosen Konzert!“

M.L.: „Yeah, uns hat das auch tierischen Spaß gemacht…“

RUSSLAND-AKTUELL: „Das war jetzt euer erster Auftritt in Deutschland. Und wie isses?“

M.L.: „Ja super isses! Wir möchten gerne mehr hier machen. Euer Bier ist einfach phänomenal! Und die Leute waren heute ja auch prima. Jetzt kommst du noch daher, schon schwer, sich hier nicht wohlzufühlen.“

RUSSLAND-AKTUELL: „Lass uns mal kurz ernst bleiben. Wie kommt es, dass eine Band, die eigentlich aus der ganz ganz harten Ecke stammt, sich plötzlich vom sogenannten Viking-Metal abkehrt und sich eher der munteren bierlaunigen Musik zuwendet?“

M.L.: (stemmt ganz selbstbewusst ihre Ellbogen in die Taille): „Weil ich das so wollte!“

RUSSLAND-AKTUELL: „Maria du lachst…“

M.L.: „Ne quatsch, die harten Jungs, besonders der „Troll“, wollten halt einmal was anderes machen, etwas neues und ich habe ihnen etwas auf die Sprünge geholfen.

(Der Schlagzeuger Alex klinkt sich kurz ein, grinst breit und meint: „Hi ich bin von der Band Noman’s Land. Ein paar von uns machen da bei Troll Bends Fir so eine Art folkiges Nebenprojekt.“)

M.L.: „Siehst du, genau das meine ich. Der Drummer gibt mit seinem Babababababa-Bamm den drive, der kann gar nicht anders. Wie üblich kümmert sich der Basser (Sergej „Skjegi“ Nemtinow) um das Umpf pa-humpa umpf pa (verdreht die Augen) und ich versuche da halt zusammen mit „Elias“ (alias Aleksej) an der Fiedel ein wenig Melodie hinein zu bringen.“

Bei Russland-Aktuell
• Festival-Mediaval – die russischen Barbaren kommen (31.08.2011)
• Gogol Bordello – die Apokalyptischen Reiter fallen ein (15.06.2011)
• Leningrad – laut, ordinär und verdammt erfolgreich (08.06.2011)
• Markscheider Kunst – Pure Lebensfreude von der Newa (31.03.2011)
• Schräg, schräger, am Schrägsten – Opa Novyj God tourt (25.02.2011)
RUSSLAND-AKTUELL: „Und irgendwie scheint ihr damit auch mehr Erfolg zu haben.“

M.L.: „Ey, kann ich doch nix dafür (ihr steht der Schelm auf die Nase geschrieben), ne du, das hat sich im Lauf der Zeit einfach so ergeben. Es kommt auf den Festivals wohl auch besser an.“

RUSSLAND-AKTUELL: „Und wie kommt das in der Heimat an? St. Petersburg glänzt ja derzeit eher mit Ska-Bands und der ganzen Speed-Polka Geschichte.“

M.L.: „Och, die Petersburger sind da ein sehr offenes Publikum. Solange wo was los ist, kommst du immer damit an. Außerdem kennen sich die ganzen Musiker ja alle untereinander und schauen immer einmal wieder bei den Kollegen vorbei.“

RUSSLAND-AKTUELL: „Macht ihr beruflich eigentlich noch was anderes als Musik?“

M.L.: (grinst mich an) „Deswegen kommen wir ja auch so gut an. Wir spielen so oft und viel, dass uns von der Zeit her gar keinen anderen Job leisten könnten.“

RUSSLAND-AKTUELL: „Aber verrate mir doch bitte noch, wie ihr auf das Thema Beer-Folk gekommen seid.“

M.L.: „Nun, fällt dir was Besseres ein, wie man es nennen könnte?“

RUSSLAND-AKTUELL: „Auch wieder wahr.“

M.L.: „Ach los, komm jetzt endlich mit ins VIP-Zelt…“


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