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| Das Nord-Ost-Geiseldrama stürzte Russland in eine tiefe Krise (Foto: Archiv) | |
Dienstag, 23.10.2007
Geiseldrama Nord-Ost: Die Schuldfrage und die Folgen
Moskau. Es war ein Schock. Es gab kaum eine moskauer Familie, aus deren Umgebung keine Geisel im Nord-Ost-Theater um ihr Leben bangte. 912 Menschen waren in der Gewalt der Terroristen, nur wenige Kilometer vom Kreml entfernt.
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Putin war gerade zwei Jahre lang an der Macht. Er hatte zwar den offenen Krieg in Tschetschenien bereits gewonnen. Aber er schien nicht in der Lage, die Sicherheit in der Hauptstadt zu garantieren. Das Nord-Ost-Geiseldrama stürzte den Kreml in eine tiefe Krise.
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Offensichtlich hatte der tschetschenische Untergrund ausreichend Unterstützung sogar in Moskau, um direkt unter den Augen des FSB einen Terroranschlag zu organisieren, der offensichtlich erheblich mehr Vorbereitung erforderte, als ein Bombenanschlag.
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Duma in Geiselhaft?
Es kursierten damals Gerüchte, die Terroristen hätten ursprünglich sogar vorgehabt, die Besucher des Bolschoi-Theaters oder eine ganze Parlamentssitzung als Geiseln zu nehmen.
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Tagelang wurde mit den Geiselnehmern verhandelt - und parallel der Giftgaseinsatz vorbereitet, mit dem der Sturmangriff dann nach 58 Stunden begann. Nicht vorbereitet wurden aber die Moskauer Krankenhäuser. Es starben 130 der Geiseln. Viele von ihnen hätten gerettet werden können.
Aber fast achthundert überlebten. Die Bomben der 41 Terroristen kamen nicht zum Einsatz. Putin konnte wegen der hohen Opfer zwar keinen Sieg feiern, aber die Krise schien überwunden.
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Vor allem aber in der westlichen Weltöffentlichkeit herrschte die Meinung vor, Putin habe die eigentliche Schuld an dem Blutbad und nicht die tschetschenischen Kampfgruppen.
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Zwei Jahre später wiederholte sich die Nord-Ost-Tragödie. Das blutige Geiseldrama von Beslan erschütterte Russland und die Welt. Putin und seine Geheimdienste erwiesen sich als unfähig, die Sicherheit der Menschen im Nordkaukasus zu gewährleisten. Und wieder wurde von vielen das Blutbad ihm angelastet.
Schuldig am Blutbad sind aber die Terroristen, nicht die Sicherheitstruppen, auch wenn sie noch so viele Fehler machen.
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Der Sturmangriff der Antiterroreinheiten - und wenn er noch so chaotisch und rücksichtslos war - war die Folge der Geiselnahme. Das Wichtigste nach Nord-Ost und Beslan scheint zu sein, die Maßstäbe nicht zu verrücken.
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Nur dann wird es möglich, im Detail aufzuklären, was das wirklich passierte – solange es Angehörige gibt, die das fordern.
Wer Zivilgesellschaft will, der muss als erstes Geiselnahmen verurteilen, bevor er die Reaktion der Staatsmacht kritisieren kann.
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Gisbert Mrozek, Moskau (gim/.rufo/Moskau)
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