Putin auf der Bilanz-Pressekonferenz (Foto: TV-Archiv)
Donnerstag, 01.02.2007
Pressekonferenz: Präsident Putin stellt Rekorde auf
Moskau. Putins Pressekonferenz übertraf alle früheren – zumindest, was die Zahl der Journalisten und Fragen sowie die Länge betrifft. Immerhin erfuhren die Pressevertreter, wer Putin bei schlechter Laune berät.
Entweder konsultiere er seinen Hund Connie, wenn er schlecht gelaunt sei, oder er lese Gedichte des persischen Poeten Omar Chajjam, verriet der russische Präsident der versammelten Journalistenschar. Diese war so zahlreich wie nie zuvor zur Pressekonferenz erschienen. 1.232 Korrespondenten wurden akkreditiert, die letzte Frage beantwortete Putin nach über 3,5 Stunden – dann war der Marathon für den Judoka überstanden.
Bilanz 2006 fällt positiv aus
Rekorde vermeldete der russische Präsident auch in seiner Einleitung. Hohes Wirtschaftswachstum, Senkung der Inflation, die vorzeitige Abzahlung der Schulden und die Steigerung der Marktkapitalisierung russischer Unternehmen auf über eine Billion USD schrieb sich Putin auf seine Erfolgsbilanz für das abgelaufene Jahr. Lediglich die Schließung der Einkommensschere sei nicht gelungen, gab er zu
Dann durften die Journalisten fragen und neben dem Hund Connie, den Launen und den wahren Freunden des Präsidenten interessierte die Korrespondenten auch Gehaltvolleres. Allerdings erfuhren sie dabei kaum wirklich Neues. Weder zum Politkowskaja-Mord, noch zum Litwinenko-Attentat konnte Putin wirklich Neues sagen. Wer dahinter stecke, müssten die Ermittler und anschließend ein Gericht herausfinden, meinte er.
Nachfolger bleibt weiter unbekannt
Einen Nachfolger präsentierte der Präsident ebenfalls nicht, so sehr ihn die Journalisten auch drängten. Er werde sich erst im Wahlkampf für einen Wunschnachfolger äußern, sagte er, worauf bei einigen Zuhörern das Interesse an der Debatte verflog.
Zumindest beim Thema Gas gab es für aufmerksame Zuhörer Interessantes: Erstmals gestand Putin öffentlich ein, den Gaspreis für die Weißrussen mit Rücksicht auf die „politische Situation 2006“ – sprich die Präsidentschaftswahlen dort – vor einem Jahr bewusst niedrig gehalten zu haben.
Es sei allerdings nur eine Atempause gewesen, denn Weißrussland sei schon vor drei Jahren vorgewarnt worden, dass prinzipiell die Beziehungen mit allen Transitländern und allen Energiekunden auf marktwirtschaftliche Basis umgestellt werden sollen.
Über den undankbaren Empfänger des Wahlkampfgeschenks Alexander Lukaschenko äußerte er sich bewusst nicht. Stattdessen versprach er, dass sich in Zukunft alle Beziehungen rein auf Pragmatismus gründen werden.
Ermüdend lange Pressekonferenz
Die meisten Fragen der Journalisten drehten sich allerdings um Themen mit rein lokalem oder regionalem Bezug, was die Eigenart des russischen Regierungssystems - eine Art "Superpräsidentialismus" - noch einmal verdeutlichte. Mitunter erinnerte die Fragestunde an längst vergangene Zeiten, als die Untertanen ihren Zaren um die Lösung privater Probleme baten. Selbst Putin war die ihm zugesprochene Allmacht nicht ganz geheuer und er verwies mehrfach darauf, dass dies in der Kompetenz anderer Organe läge. Für die Zuhörer wurde die Pressekonferenz durch die vielen Fragen zu einer echten Durchhalte-Übung.
Als politisches Testament kann man diese Putin-Pressekonferenz trotz ihrer Länge sicher nicht bezeichnen. Aber immerhin steht dem Präsidenten ja auch noch ein Amtsjahr bevor. Und vorzeitig davonlaufen werde er nicht – schließlich sei er kein Leichtathlet, scherzte er selbst.
(ab/.rufo)
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