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Südossetiens Präsident Kokoity (links) verdankt Amt und Staat nur russischer Schützenhilfe (Foto: newsru)
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Freitag, 15.08.2008

Russland - Schutzmacht für regionale Selbstbestimmung?

Gisbert Mrozek, Moskau. Die Ausgangslage im Bewusstsein des Westens: Georgien hatte alle Sympathie auf seiner Seite, Russland galt per se als Aggressor. Ossetien und Abchasien waren falsch verstanden oder unbekannt.

Tatsächlich hatte Georgien vor dem Überfall auf Südossetien die Sympathie des Westens fast vollständig auf seiner Seite. Ein kleines, schönes Land mit einer stolzen Geschichte und edlen, mutigen Menschen, wer würde es nicht lieben. Von Südossetien oder Abchasien hingegen hatten 98 Prozent der Menschen im Westen noch nie gehört.

Die informierten zwei Prozent hingegen waren der Überzeugung, dass es sich hier nur um Handlanger Moskaus handele, die das stolze Georgien in die Knie zwingen sollen, damit Moskauer Oligarchen und Bürokraten ihre Villen am Schwarzen Meer beziehen können. Russland gilt in der veröffentlichten Meinung im Westen meist als der strategische Aggressor im Kaukasus, zwischen Schwarzem Meer und Kaspi-Meer.

Ossetien und Abchasien: stolze Geschichte, edle Menschen und ein Recht auf Selbstbestimmung gegen den Regionalimperialismus Georgiens



Tatsächlich haben aber auch Südossetien und Abchasien eine lange stolze Geschichte und edle und mutige Menschen – und vor allem ein Recht auf Selbstbestimmung. Beide sind erst durch Stalin zu Georgien geschlagen worden, sind dem neuen georgischen Staat nie beigetreten - aber Saakaschwili will sich dennoch dieses Erbe Stalins zurückholen.

Die kleinen Völker wehren sich gegen den Regionalimperialismus der Georgier, der klein aber ebenso rücksichtslos wie der große ist. Russland hilft ihnen dabei von Anfang an, aber der Moskauer Eigennutz ändert nichts daran, dass die beiden Völker ihr Recht haben.

Bei Russland-Aktuell
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• Abchasien beginnt Militäroffensive im Kodori-Tal (12.08.2008)
• Ossetien: Russland beschwört humanitäre Katastrophe (11.08.2008)
• Krieg im Kaukasus: Georgien startet Großoffensive (08.08.2008)
• OSZE-Parlamentarier gegen Moskauer Politik im Kaukasus (02.07.2008)

Der Südkaukasus ist medial nicht durchmodelliert


Draußen in der Welt und auch im weiten Russland kennt niemand die Geschichte dieser beiden Ländchen richtig. Es gibt keine Identifikationsfiguren, keine Bilder, keine Geschichten, keine positiven Emotionen, keine Sympathieträger. Der Südkaukasus ist medial nicht durchmodelliert.

Und eben dies ist die tief sitzende strategische Schwäche Russlands in dem Konflikt: Russland kann nicht als die großzügige Schutzmacht der Kleinen wahrgenommen werden - weil diese selbst im Bewusstsein der Welt nie präsent waren.

Dies allerdings ist zum Teil auch Schuld der Moskauer Politik, in der die kleinen Völker des Kaukasus (und des sonstigen Russlands) meist nur Manövriermasse sein dürfen, nicht aber eigenständige Subjekte. Und erst recht spielen sie im Denken der russischen Militärs leider dieselbe instrumentelle Rolle, wie auch die dramatische Wahrheit in der zerschossenen Stadt Zchinwali.

Es gibt einen kurzen Zeitraum, in dem Ossetien und Abchasien sich selbst und ihren Anspruch auf Selbstbestimmung präsentieren können


Zwischen der ersten Schlacht um Zchinwali und der ziemlich sicher bevorstehenden nächsten großen Konfrontation im Südkaukasus liegt ein wahrscheinlich recht kurzer Zeitraum, in dem die beiden Völker der Osseten und der Abchasen sich und ihren Anspruch auf Selbstbestimmung auf der großen globalen Bühne präsentieren könnten.

Neben ihnen könnten auch noch die anderen Völkerschaften Georgiens stehen, die Abscharer, die Swanen, Mingreler, Armenier und Aserbaidschaner. Saakaschwili und dem Pentagon würde das nicht gefallen.

Vor allem Europa, das Europa der Regionen, könnte dabei helfen, den südkaukasischen Regionalismus zu entwickeln - ohne Panikreaktionen in Moskau (wegen der befürchteten Ausstrahlung auf den Nordkaukasus) oder Tiflis auszulösen. Das könnte helfen, eine bevorstehenden große Konfrontation zu verhindern, die die USA aus globalstrategischen Gründen vielleicht ansteuern, in der aber vor allem die Völker des Kaukasus leiden würden.

Der erste Teil dieser Analyse: "Krieg, Lüge und Selbstbestimmungs- Recht im Kaukasus"



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