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Der große Argisch: Umschlagbild des Buches von Michail Oscharow. (Foto: amazon.de)
Der große Argisch: Umschlagbild des Buches von Michail Oscharow. (Foto: amazon.de)
Montag, 20.02.2012

Buchtipp: Der Große Argisch – das Epos der Ewenken

St. Petersburg. Mit dem „Großen Argisch“ liegt jetzt eine einfühlsame Erzählung aus dem Leben der sibirischen Urvölker auch auf Deutsch vor. Es ist das Nationalepos der Ewenken und eine Geschichte wie von Romeo und Julia.

Der von der österreichischen Edition Liaunigg herausgegebene kurze Roman ist der erste Teil einer Trilogie des auch in Russland fast vergessenen Schriftstellers Michail Oscharow. Er hat sie in den 1920er und 1930er Jahren geschrieben und damit praktisch das Nationalepos des kleinen sibirischen Urvolkes der Ewenken verfasst.

Bei Russland-Aktuell
• Großer Argisch: Ethnofest in Nordsibirien voller Erfolg (07.11.2011)
• TV-Tipp: In der Polarschule der Nomadenkinder (04.02.2011)
Oscharow war ein hervorragender Kenner der Lebensweise der sibirischen Urvölker; er sammelte ihre Mythen und Legenden und schrieb sie nieder. Der zweite Teil des Romans erschien zu Lebzeiten des Schriftstellers, der erste nach seinem Tod (Oscharows Spuren verloren sich 1938 im GULAG). Der dritte Teil ist seitdem spurlos verschwunden.

Aufbrechen von patriarchaler Traditionen


Oscharow beschreibt die Mythen und Traditionen des Nomadenvolkes, das von jeher mit seinen Rentierherden durch die nordsibirische Taiga zog. Wann genau die Geschichte der Liebe zwischen Mikpantscha und Schiktolok spielt, bleibt ungesagt, aber sie läuft auf dem Hintergrund sich anbahnender großer Veränderungen ab.

Die Ewenken befinden sich bereits unter der Herrschaft der Russen, denen sie eine Naturalsteuer abführen müssen. Ihre Lebensweise ist noch authentisch, aber junge Menschen beginnen sich gegen die strengen patriarchalen Regeln der Volksgemeinschaft aufzulehnen.

Michail Oscharow: \"Der große Argisch\"
144 Seiten, gebundene Ausgabe, 16,50 Euro
Erschienen im November 2011 bei der Edition Liaunigg in Wien

Eine ewenkische Shakespeare-Tragödie


Mikpantscha verliebt sich in Schiktolok, aber wie der Brauch es will, wird sie an seinen Bruder Amurtscha verkauft, den Erben einer reichen Herde. Nach dem Tod des Vaters offenbart sich Amurtschas Unfähigkeit, den Nachlass klug zu verwalten und den Frieden in der Familie aufrechtzuerhalten.

Mikpantscha und Schiktolok können sich nicht aus den strengen Regeln ihres Volkes befreien, aber auch nicht auf ihre Liebe verzichten. So nimmt eine Tragödie ihren Lauf, die den Vergleich mit Shakespeare durchaus aushalten kann.

Als Argisch wird der Nomadenzug der Rentierzüchter durch Sibirien bezeichnet. Weiter gefasst kann er aber auch als Metapher für den Zug des Lebens und Schicksals des einzelnen Menschen und des Volkes als Ganzes verstanden werden.

Bei Russland-Aktuell
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• Lesetipp: Auf Spurensuche im Gebiet Kaliningrad (12.09.2011)
Oscharow bedient sich einer zugleich klaren und zutiefst metaphorischen Sprache. Wenn er z. B. schreibt: „Im Herbst aber senkte sich die Trübe der Flüsse ab und das Wasser wurde klar wie Tränen und der Himmel schwärzer als eine verrauchte Zelthöhle“, so schwingt in diesen Worten die Lebens- und Denkweise der Menschen mit, über die er berichtet.

Ein Geschenk aus Irkutsk


Erich Liaunigg, der das Buch übersetzt und herausgegeben hat, erzählt, wie er den Roman entdeckt hat: „Während meines Russischstudiums führte mich eine Studentenreise nach Irkutsk. Meine Frau nahm auch daran Teil. Sie bekam als Gastgeschenk neben anderen auch dieses Buch. Es überstand einen Umzug und landete in einem Bücherschrank, wo es mehrere Jahre blieb.” Schließlich machte er sich an die Übersetzung ins Deutsche.

Im Internet
• Die Webseite der Edition Liaunigg

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Aber warum hat er sich an ein Buch gewagt, das selbst in seinem Ursprungsland kaum bekannt ist? Liaunigg: “Ich habe eine Statistik gesehen, in der der Prozentsatz der vom Russischen ins Deutsche übersetzten Bücher an der Gesamtzahl der Übersetzungen ins Deutsche bei ca. fünf Prozent liegt. Ich dachte mir: wie kann das sein, dass es von einem Volk dieser Größe nur so wenig Übersetzungen gibt?

Selbst in 70 Jahren Kommunismus muss es doch mehr brauchbare Literatur gegeben haben. Und es gibt sie - nicht nur in Russland. Freilich, die bekanntesten sind bereits übersetzt. Doch es warten noch viel Exilliteratur und so Perlen wie Oscharow auf eine Übersetzung ins Deutsche.”



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