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Dmitri Gluchowski (Foto: Kuhlmann/.rufo)
Dmitri Gluchowski (Foto: Kuhlmann/.rufo)
Donnerstag, 12.03.2009

Leipziger Buchmesse: Moskauer Metro nach Atomkrieg 2033

Stephanie Kuhlmann, Hamburg. Er ist der neue Star in Russlands Literaturszene: Dmitri Gluchowski (29) stellt seinen Bestseller „Metro 2033“ beim Lesefest „Leipzig liest“ vor. Russland-Aktuell traf ihn vorab in Hamburg.

Dmitri Gluchowski ist zwar verwöhnt vom Erfolg im Heimatland, doch wie sein Debütroman „Metro 2033“ in Deutschland ankommt, weiß er nicht. „Ich hatte mit zwei bis drei Leuten gerechnet“, begrüßt er das Publikum im Hamburger Abaton Kino und schmunzelt.

Zusammen mit seinem Übersetzer M. David Drevs und dem Schauspieler Robert Stadlober erläutert Gluchowski bei seiner Lesung Hintergründe und Entstehung des 782 Seiten starken Wälzers.

Gewann seine ersten Fans über das Internet


Fünf Jahre habe es gedauert, „Metro 2033“ fertig zu stellen. Als Gluchowski mit dem Schreiben anfing, war er gerade einmal Anfang zwanzig.

Im Rahmen der Leipziger Buchmesse liest Dmitri Gluchowski zusammen mit Robert Stadlober aus seinem Debütroman „Metro 2033“ (Heyne Verlag). Termin: 12.03.2009, 20:30 Uhr, Ort: naTo, Karl-Liebknecht-Straße 46, 04275 Leipzig.
Dass sein Manuskript zunächst von den Verlagen abgelehnt wurde, mag man angesichts des großen Erfolges kaum glauben. Erst als er seine Geschichte im Internet veröffentlichte, begann sich alles zu verselbstständigen. Seine User wurden zu Fans und gaben ihm nützliche Hinweise etwa zu technischen Details.

Nicht nur Transportmittel, sondern als Luftschutzbunker errichtet


Die Moskauer Metro hat den Autor schon immer fasziniert. „Lange Rolltreppen führen zu den einzelnen Stationen, jede ist ein Kunstwerk für sich, angelehnt an unterschiedliche Epochen wie Klassik oder Realismus“, schwärmt der junge Schriftsteller.

Die Hälfte seiner Kindheit hat Gluchowski in den Zügen der Moskauer Metro verbracht. Jeweils eine Stunde fuhr er von zu Hause zur Schule und zurück. „Ich hatte viel Zeit zum Nachdenken“, erinnert sich der sympatische Russe und trinkt einen Schluck Tee.

Dmitri Gluchowski (Foto: Kuhlmann/.rufo)
Dmitri Gluchowski (Foto: Kuhlmann/.rufo)
Als er eines Tages von der Bestimmung der Metro erfuhr – die Moskauer Bevölkerung im Falle eines Atomkrieges zu schützen – fing seine Fantasie zu blühen an. „Solange ich denken kann, bin ich ein großer Fan von Science Fiction“, erklärt Gluchowski die zündende Idee zu seinem Roman, „so entstanden in meinem Kopf Bilder einer Nuklear-Apokalypse.“

„Metro 2033“ ist mehr als nur Science Fiction


Das Buch erzählt die Geschichte des jungen Artjom, der sich nach einem verheerenden Atomangriff im Jahre 2033, auf eine abenteuerliche Reise durch das Moskauer Metro-Netz begibt.

Die wenigen verbliebenen Menschen haben sich unter die Erde zurückgezogen und die skurrilsten Gesellschaftsformen entwickelt. Mal sind es Kommunisten, mal Neo-Nazis oder religiöse Extremisten.

Während der Protagonist die Modellgesellschaften bereist, entdeckt er die Welt, lernt Wahrheit und Lüge auseinanderzuhalten. Doch er begibt sich auch auf die Suche nach einem geheimnisvollen Objekt, das die Menschheit vor dem endgültigen Aussterben retten soll.

Bei Russland-Aktuell
• Russland stark auf der Leipziger Buchmesse 2009 (09.03.2009)
• Die längsten Beine der russischen Literatur (31.03.2003)
• Drogen für den Kreml aus Garmisch-Partenkirchen (22.03.2003)
• Leipzig liest - Russland liest in Leipzig (20.03.2003)
• Am Anfang war der literarische Unsinn (19.03.2003)

Protagonist trägt autobiografische Züge


„Natürlich habe ich in die Figur des Artjom meine eigenen Erfahrungen des Erwachsenwerdens und der Suche nach dem Sinn des Seins gelegt“, erzählt der Autor, „nur einen Fantasy Roman zu schreiben, wäre mir zu wenig gewesen.“

Tatsächlich ist „Metro 2033“ vielschichtiger, was den Roman spannender, aber auch beängstigender macht. Wenn man genau liest, entdeckt man viele Parallelen zur heutigen Gesellschaft, nicht nur zur russischen.

Der Autor weiß worüber er schreibt, schließlich hat er zehn Jahre seines Lebens im Westen verbracht. Er studierte internationale Beziehungen in Jerusalem und arbeitete als Journalist u.a. für den englischsprachigen Fernsehsender Russia Today. Neben seiner Muttersprache russisch spricht er fließend englisch, deutsch, französisch und hebräisch.

In die Zukunft des Autors geschaut


Längst hat Gluchowski den Fortsetzungsroman Metro 2034 geschrieben, der in diesen Tagen in Russland veröffentlicht wird.
Was sind seine Wünsche für die Zukunft? Vielleicht eine Datscha als Zufluchtsort, die Verfilmung seines Romans, und dass möglichst viele Leute in Deutschland „Metro 2033“ lesen.



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