Das neue Märchen: Putins Bomben sind Grund der Migrantenflut
Syrien-Einigung: Das dicke Ende kommt noch
Russland-Aktuell zur Startseite machen


So sahen sie vor ihrem "Abflug" im Juni 2010 aus. Nun kehren die sechs Moskauer Marsonauten an die frische Luft zurück (Foto: Archiv/.rufo)
So sahen sie vor ihrem "Abflug" im Juni 2010 aus. Nun kehren die sechs Moskauer Marsonauten an die frische Luft zurück (Foto: Archiv/.rufo)
Donnerstag, 03.11.2011

520 Tage Einsamkeit: Marsflug-Simulation endet

Moskau. Das anspruchsvollste Experiment in der Geschichte der Raumfahrt geht zu Ende: Nach 520 Tagen steigen sechs Männer aus einer Raumschiff-Attrappe. Das ehrgeizige Projekt soll Erkenntnisse bringen für einen Flug zum Mars.


Luke auf für den Schlussakt des längsten Isolationsexperiments der Raumfahrt: Nach 520 Tagen Einsamkeit beenden sechs Männer am Freitag eine virtuelle Reise ins All. «Die freuen sich auf den Ausstieg wie Kinder auf Heiligabend», sagt Martin Zell von der beteiligten Europäischen Weltraumbehörde Esa.

Rückkehr ohne vorherige Abwesenheit


Bei dem spektakulären Projekt in Moskau simulierten Teilnehmer aus China, Russland, Frankreich und Italien seit dem 3. Juni 2010 einen Flug zum Mars und zurück, streng abgeschirmt in einem Container. Nun kehren sie zurück, obwohl sie - genau genommen - nie weg waren.

Bei Russland-Aktuell
• Oliver Knickel glücklich von Marsexpedition zurück (14.07.2009)
• Mars-500: Gute Laune bei Rückkehr von simuliertem Marsflug (14.07.2009)
• Die ersten Mars-Städte entstehen in 100 Jahren (08.09.2003)
• 260 Tage: Halbzeit bei Moskauer „Mars-Fliegern“ (18.02.2011)
• Mars-500: Simulierter Marsspaziergang in Moskau (14.02.2011)
«Die Simulation ist viel schwieriger als ein wirklicher Flug», beschreibt Elektroingenieur Diego Urbina, einer der sechs «Marsianer», die Stimmung in dem mehr als 180 Quadratmeter großen «Raumschiff». Im Gegensatz zu einem wirklichen Flug zum mehr als 50 Millionen Kilometer entfernten Planeten fehlten beim Experiment Mars500 zwar Schwerelosigkeit und kosmische Strahlung.

«Stattdessen spürt man oft Einsamkeit und eine große Monotonie», erzählt der Italiener der Nachrichtenagentur dpa per Funk aus dem Modul.

Nur drei Quadratmeter Privatsphäre für jeden


Mehr als 30 Kameras übertragen das Geschehen im Container - bis auf eine je drei Quadratmeter «große» Privatkammer für jeden - in einen nahen Kontrollraum des russischen Instituts für Biomedizinische Probleme (IMBP).

Bei Russland-Aktuell
• Abenteuer Mars: Dossier zur Eroberung der Zweiten Erde (2003)
Dort ist auf einem der Bildschirme zu sehen, wie Urbina während des Gesprächs bequem in T-Shirt und kurzer Turnhose vor einer Holzvertäfelung sitzt, die sowjetischen Charme verbreitet. Der größte Gegner sei der Alltagstrott, gesteht der 28-Jährige. «Eine Frau an Bord wäre sicher gut. Man vermisst das, ganz ehrlich.»

Ein "Mars-Spaziergang" als Abwechslung - und Pseudo-Pannen


Urbina hat noch Glück. Mit dem Russen Alexander Smolejewski und dem Chinesen Wang Yue durfte er im Februar den röhrenförmigen Container kurz verlassen: für die virtuellen ersten Schritte eines Menschen auf dem Mars. Forscher hatten ein Stück des Roten Planeten im IMBP nachgebaut.

Bei Russland-Aktuell
• Marsflug-500-Simulant: Abenteuer erfordern Opfer (20.10.2011)
• Russland will in 20 Jahren Mondbasis errichten (07.04.2011)
• 260 Tage: Halbzeit bei Moskauer „Mars-Fliegern“ (18.02.2011)
• Mars-500: Simulierter Marsspaziergang in Moskau (14.02.2011)
• Mars500 startet: Weltraummission für irdische Zwecke (02.06.2010)
Alexej Sitjow und Suchrob Kamolow (beide Russland) sowie Romain Charles aus Frankreich mussten während der „Landung“ im «Mutterschiff» auf ihre Kollegen warten. «Aber Hand aufs Herz: Wir waren uns in jeder Sekunde bewusst, dass wir nicht wirklich auf dem Weg zum Mars waren», räumt Urbina augenzwinkernd ein. Um die Besatzung auf Trab zu halten, dachte sich die «Bodenstation» dutzende Experimente aus und inszenierte Pannen.

Holzwand-Allergien sind abzusehen


Fast 12.500 Stunden in einem fensterlosen Verlies, «das aussieht wie eine Mischung aus finnischer Sauna und ausgebautem Dachstuhl der 1970er Jahre» - so beschreibt das beteiligte Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) das Modul wenig schmeichelhaft.

Beim ersten Langzeitexperiment der Mars-Forscher vor zwei Jahren verbrachte unter anderem der Düsseldorfer Oliver Knickel 105 Tage im Moskauer «All». Mars500 bringe wortwörtlich «lebensrettende Erkenntnisse», betont Alexander Suworow vom IMBP. «Den Mars sehen und nicht sterben, darum wird es gehen bei einem wirklichen Flug zum Roten Planeten.»

Perfekt isolierte Versuchskaninchen


«Ich bin sicher, dass dies ein kleiner, aber wichtiger Schritt auf dem Weg zum Mars war», sagt Peter Gräf vom DLR. Da Experten Leben auf dem Mars nicht ausschließen, ist der erdähnlichste Planet im Sonnensystem für sie besonders spannend. 17 Monate auf sich gestellt, rund um die Uhr überwacht von Kameras - alles im Dienst der Wissenschaft. Auch in Deutschland sorgen die Resultate für Euphorie.

«Diese geschlossene Gesellschaft war ein Paradies für Forscher», sagt Alexander Choukèr von der Ludwig-Maximilians-Universität München. Der Anästhesist nutzte die Isolation der Raumfahrt-WG, um mit Hilfe ihrer Urin- und Speichelproben die Wirkung von Stress auf das Immunsystem zu untersuchen.

Parallel analysierte die Universität Erlangen die Balance des Salz- und Wasserhaushalts, erzählt der Arzt Jens Titze. «Die Ergebnisse werden lange Bestand haben.»

Auch ein Erfolg: Keine Prügelei an Bord


Handgreiflichkeiten wie bei früheren Experimenten habe es nicht gegeben, beteuert Urbina. «Es war an Bord wie im normalen Leben: Nicht jeder muss jedermanns guter Freund sein.»

Sein Kollege Wang Yue freut sich unbändig auf den Ausstieg: «Ich habe Sehnsucht nach der Kochkunst meiner Mutter», gesteht der Chinese nach dem strikten Ernährungsdiktat der Forscher.

Zwar hatte das «Raumschiff» vier Tonnen Lebensmittel an Bord. Asiatische Küche war aber nicht dabei.

(Wolfgang Jung, dpa)


Artikel versenden Druckversion

Leser-Kommentare zu diesem Artikel (und Kommentare zu Kommentaren): ↓

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar, nachdem Sie sich hier unten für Kommentare neu registriert haben. Beachten Sie unbedingt die >>> Regeln für Leserkommentare. Sie können hier oder auch im Forum ( www.forum.aktuell.ru) mitdiskutieren.

Bisher gibt es zu diesem Artikel noch keine Leserkommentare


Überblick aller Leserkommentare zu allen Artikeln >>>



E-Mail (Zur Registrierung. Wird nicht veröffentlich)

Kennwort

Schnelle Neuanmeldung zum Schutz vor Spam
Klicken Sie hier, wenn Sie sich bisher noch nicht für Kommentare registriert haben.




nach oben
Alle Berichte aus dieser Rubrik
Alle Artikel vom Donnerstag, 03.11.2011
Zurück zur Hauptseite







(Topfoto: Archiv/.rufo)


Mail an die Redaktion schreiben >>>



Die populärsten Artikel der letzten drei Tage


Mail an die Redaktion schreiben >>>


Schnell gefunden
Neues aus dem Kreml

Die Top-Themen
Kommentar
Das neue Märchen: Putins Bomben sind Grund der Migrantenflut
Moskau
Parken: Moskaus Lizenz zum Gelddrucken
Kopf der Woche
Moskauer Polizei jagt Baulöwen nach vier Morden
Kaliningrad
Pech für Kaliningrader Glücksspielbetreiber
Thema der Woche
Russland in Syrien: Imagekorrektur per Krieg gegen IS
St.Petersburg
Ermordete Zarenkinder werden in St. Petersburg beigesetzt

Alle Berichte bei Russland-Aktuell ab 2000 finden Sie in unserem Archiv
Weitere Nutzung im Internet oder Veröffentlichung auch auszugsweise nur mit
ausdrücklicher Genehmigung der Redaktion (Chefredakteur: Gisbert Mrozek) und mit Quellenangabe www.aktuell.ru
E-mail genügt
www.Russland-Aktuell.ru (www.aktuell.ru) ist nicht verantwortlich für die Inhalte externer Internetseiten.

Basis-Information aus Russland, der Provinz und der GUS auf deutschen Internetseiten:
www.sotschi.ru
www.wladiwostok.ru, www.kasachstan.ru, www.russlanddeutsche.ru, www.georgien.ru, www.abchasien.ru, www.ossetien.ru, www.waldikawkas.ru, www.grosny.ru, www.sibirien.ru, www.wolga.ru, www.baikalsee.ru, www.kaukasus.ru, www.nowgorod.ru, www.nischni-nowgorod.ru, www.nowosibirsk.ru, www.rubel.ru, www.zeit.ru





top us casino sites for you!! casino payment solutions http://www.playonlineblackjack.us.com/ best us deposit bonus casinos Dragon Orb and many more the newest online slot play trusted online casinos still accepting U.S. players best online blackjack review Do you want to play real money slots 24/7?) Click to grab your slots bonus - up to $2500) best online casinos for usa players + Play the best casino games + Claim generous slots bonuses I found the best online casino bonus us friendly ever. Play online casino games with the best bonuses. TOP USA Casinos accepting credit cards - Visa, Mastercard, Amex - reliable deposits. One of the most popular casino sites among slots lovers. Start playing Polar Explorer, one of RTG's newest slots machines at rtgbrands. slots games how to win in vegas slots best online casino allow us customers big bonus online gambling sites