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Weihnachtsmänner heißen in Russland Ded Moros (Foto: Packeiser/.rufo)
Weihnachtsmänner heißen in Russland Ded Moros (Foto: Packeiser/.rufo)
Donnerstag, 06.01.2005

Bräuche des orthodoxen Weihnachten in Russland

Moskau. Die Demokratiewende brachte das orthodoxe Weihnachten nach Russland zurück. Mit dem Beschluss des Obersten Sowjets der Russischen Föderation wurde der 7. Januar (25. Dezember nach dem julianischen Kalender) ab 1991 zum arbeitsfreien Staatsfeiertag erklärt. In der atheistischen Sowjetzeit war das christliche Fest verpönt.

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Zwar wurde in den Dörfern unverdrossen weitergefeiert. In der Stadt musste aber ein Funktionär, der sich zu Hause an der Festtafel, geschweige denn in der Kirche erwischen ließ, fest mit dem Hinauswurf aus der Partei Lenins und Problemen im Beruf rechnen. Bestenfalls blieb Weihnachten als verlängerte Neujahrsfeier getarnt bestehen. Heute sind die Russen fleißig dabei, zu alten Sitten und Gebräuchen zurückzukehren.

Eine Art „Gebrauchsanweisung für Weihnachten“ veröffentlichte die „Komsomolskaja Prawda“ in ihrer ersten Januarausgabe. Man solle neben dem Weihnachtsbaum einen Arm voll Stroh oder Heu plazieren – als Erinnerung an die Krippe. Den gewohnten fünfzackigen roten Stern sollte man durch einen silbrigen, achtzackigen ersetzen, als Erinnerung an Bethlehem, heißt es weiter. Das Festmahl beginne man mit „Sotschiwo“, einer Speise aus gekochten Weizenkörnern mit Walnüssen, Rosinen und Honig. Diese Regel gilt aber nur für jene, die vor Weihnachten gefastet hatten.

Was die Russen zu Weihnachten essen

Mit der vorweihnachtlichen Fastenzeit hat die russische Kirche ihre liebe Not, weil sich das Festmahl im Laufe von Jahrzehnten auf den Silvesterabend vorverschob. Man muss schon sehr fest in seinem Glauben sein, um selbst an der russischen Neujahrstafel mit zwei oder drei Sorten Kaviar und einem gebratenen Spanferkel weiter zu fasten. Auch zog das weltliche Neujahrsfest die weihnachtliche Bescherung um eine Woche vor. Trotzdem weigert sich die russisch-orthodoxe Kirche aus Rivalität mit dem Heiligen Stuhl hartnäckig, den neuen Kalender anzunehmen. Wurde dieser ja von Papst Gregor XIII. eingeführt.

Welcher Russe lehnt es ab, einmal mehr mitzufeiern. Zu russischen Weihnachtsgerichten zählen eine mit frischen Äpfeln im Ofen gebackene Gans oder ein mit Buchweizengrütze gefülltes Spanferkel. Die Tradition schreibt ein weibliches Tier vor, doch wie soll man es heute beim Einkaufen im Supermarkt oder auf dem Bauernmarkt unterscheiden. Im altrussischen Domostroi (Hausordnung) werden typische Weihnachtsspeisen aufgezählt: Schwäne inklusive Innereien, Birk- und Rebhühner, Lamm in Aspik und vieles andere mehr.

Schwäne gibts heute nur noch im Zoo, nicht mehr auf dem Weihnachtstisch (Foto: Ballin/.rufo)
Schwäne gibts heute nur noch im Zoo, nicht mehr auf dem Weihnachtstisch (Foto: Ballin/.rufo)
Schwäne gibt es heute nur noch im Zoo, also nimmt man mit dem, was da ist, vorlieb. Der Fleischsalat „Olivier“, so nach einem Moskauer Koch französischer Abstammung genannt, gehört unbedingt dazu, desgleichen die dunkelrote, harte „Schweinswurst“ mit großen, in dünnen Scheiben hindurch leuchtenden Speckaugen. Auch die kaukasische, ursprünglich aus der Levante stammende Küche hinterließ mit ihren in Walnuss- und Pfeffersoße eingelegten oder plattgedrückten und in der Pfanne gebratenen Hühnern Spuren in Russland.

Die Zeitung rät zu einem Gläschen Messwein zum Auftakt. Die uralte Hausordnung erwähnt gebrannten Hohnig, diverse Obstler und Kräuterschnäpse. Heute ziehen die Russen das nationale „Wässerchen“ vor (Der Name Wodka bzw. Wudka stammt übrigens aus Polen) sowie guten Weinbrand, möglichst „armenischen Kognak“ vor. Als der beste gilt der 15 bis 20 Jahre alte Achtamar, den Stalin einer Legende zufolge regelmäßig nach London für Winston Churchill schickte, mit dem ihn männliche Hassliebe verband.

Ein echtes Problem ist oft, dass verfügbare Vorräte an Ess- und Trinkbarem schon bei der ersten Feier verzehrt wurden. Zwischen Neujahr und Weihnachten konnte man jetzt in einer Apotheke nahe Moskau beobachten, wie eine nur aus Männern bestehende Schlange nach kleinen Fläschchen mit medizinischem Spiritus anstand. Es gab jeweils einen kompletten Satz: eine Tüte voll Alkohol und drei Packungen Alka-Seltzer dazu. Es sei gesünder und billiger als im Laden, sagte einer der Dürstenden.

Bei Russland-Aktuell
• Frohes Fest und Guten Rutsch ! (25.12.2004)
• Russland führt per Eilgesetz Neujahrsferien ein (27.12.2004)
Obwohl es in einem alten Buch heißt, heiter sein heiße in Russland trinken, beschränkte sich das russische Weihnachten nicht auf Völlerei allein. Besonders in Südrussland sangen junge Leute auf dem Lande lustige oder auch freche kurze Lieder vor fremder Haustür. Als Belohnung gab es mal eine Flasche, eine Wurst oder sogar eine halbe Gans. Heute kehrt dieser alte Brauch mancherorts zurück.

Wahrsagen, Kartenlegen, aus der Hand oder dem Kaffeesatz lesen ist eine alte russische (Un)Sitte. Als bombensicher gelten Erkenntnisse, die man auf diese Weise am Heiligabend erlangt. So wurde dem russischen Nationaldichter Alexander Puschkin der nahe Tod anhand der Reste in der Kaffeetasse vorausgesagt. Nur wenige Russen glauben nicht an dunkle Kräfte. So ließ Wladimir Putin Magier feuern, die seinen Vorgänger Boris Jelzin vor der Portscha schützten. Portscha ist „böses Auge“, kurz Unheil, das Missgönner über einen bringen können.

(adu/.ru)


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