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Bleigießen: eine alte Tradition, damit Wünsche in Erfüllung gehen
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Dienstag, 06.01.2004

Deutsche Neujahrwsünsche in Moskau

Moskau. Drei von vier Russen feiern Weihnachten nach dem russisch-orthdoxen Kirchenkalender. Die Kirchen sind voll. Aber es werden auch jahrhundertealte Bräuche zelebriert. Meist geht es um die große Liebe, Glück und Gesundheit. So werfen manche jungen Mädchen auf dem Land noch immer einen Stiefel über den Zaun: Aus der Richtung, nach der die Stiefelspitze zeigt, kommt im neuen Jahr der Traumprinz. Wir ließen die Stiefel an den Füßen. russland-aktuell befragte Deutsche in Moskau nach ihren Wünschen für 2004.

Rainer Beekes, Generaldirektor „Volkswagengruppe Finanz“, Russland: „Ich hoffe, dass unsere Firma weiter expandiert wie geplant. Ich gehe davon aus, dass Putin die Wahlen gewinnt, dass weiter Stabilität herrscht und die Wirtschaft wächst. Ich wünsche, dass zwei – drei Dinge vereinfacht würden: Gesetze und Bestimmungen. Es wäre ein Traum, dass das Bilanzierungsverfahren IAS in Russland (International Accounting Standard) eingeführt wird, weil das einen Haufen Aufwand ersparen würde.
Persönlich wünsche ich mir das Übliche, das heißt, Gesundheit für die Familie und mich und dass wir endlich Zeit finden für einen kurzen Urlaub. Dann habe ich noch einen irrealen Wunsch, dass der Verkehr in Moskau endlich flüssiger wird, damit ich nicht mehr so lange zur Arbeit brauche.“

Nika Schmalz, Deutscher Kulturkreis, Moskau: „Ich wünsche mir, dass Frieden bleibt. Dass es keine weiteren Unruhen im Land gibt. Durch die bevorstehende Präsidentenwahl sehe ich diese Gefahr durchaus. Das beunruhigt mich als Ausländerin schon. Persönlich wünsche ich mir, dass der Vertrag meines Mannes verlängert wird, er arbeitet in der Deutschen Botschaft. Dann könnten wir noch ein Jahr in Moskau bleiben.“

Frank Schmidt, Praktikant bei der Deutschen Welle, Moskau: „Ich möchte bei den deutschen Medien in Russland arbeiten. Warum Russland? Angefangen hat alles mit einem Praktikum im Nordkaukasus während meines Geografiestudiums. Dort habe ich vorbereitet, einen Naturpark in das Weltkulturerbe aufzunehmen. Die Russischkenntnisse habe ich dann bei einem Auslandsstudium in Maikop im Nordkaukasus vertieft. Seitdem bin ich vollkommen russifiziert.
Was fasziniert mich an Russland? Dass das Leben härter ist als in Deutschland. Ich habe den Eindruck, dass viele Deutsche hier nie leben könnten. Ich habe mich hingegen wie zu Hause gefühlt, als ich in Maikop wohnte. Das bestätigt den Satz von Grönemeyer „Heimat ist kein Ort, sondern ein Gefühl“. So tief in die Kultur einzutauchen ist mir bei meinen späteren kurzen Aufenthalten nicht mehr gelungen. Genau das wünsche ich mir.“

Katja Tichomirowa, Korrespondentin der „Berliner Zeitung“, Moskau: „Ich wünsche mir, dass ich auf dem Weg von meiner Wohnung zum Kiewer Bahnhof nicht alle zehn Meter auf einen Milizionär treffe. Dieses Gefühl des Überwachtseins empfinde ich als unangenehm. Ich meine nicht nur die Milizionäre in der Metro und auf den Bahnhöfen, sondern auch die, die dich beim Einkaufen im Supermarkt durch die Regalreihen begleiten.
Die Atmosphäre des Misstrauens sollte aufeglockert werden. Ich wünsche mir in dem Zusammenhang, dass die Öffnung Moskaus zu einer weltoffenen Metropole ihren Fortgang findet und nicht zurückgedreht wird. Und schließlich möchte ich in Moskau endlich aktuelle deutsche Tageszeitungen kaufen können, nicht die von gestern oder vorgestern, und auch nicht mehr zum drei- bis vierfachen Preis dessen, was ich in anderen europäischen Hauptstädten dafür bezahle.“

Bei Russland-Aktuell
• Weihnachten in Moskau (19.12.2003)
• Frohe katholische Weihnachten! (20.12.2003)
Jan Fischer, Soziologie-Student, in Moskau zu Besuch: „Ich wünsche mir mehr Transparenz in Russland, dass die Ein- und Ausreisebestimmungen deutlich erleichtert werden und dass der Tschetschenien-Konflikt entschärft wird. Auf kulturellem Gebiet, das heißt, Literatur, Theater, Musik, gefällt mir sehr gut, was in Russland passiert. Ich hoffe, dass dies so bleibt. Für mich persönlich hoffe ich, irgendwann als Geschäftsmann nach Russland zurück kommen zu können. Dabei will ich keine Angst vor Erpressungen haben müssen.“

(ab/isla/sp/.rufo)


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