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Ist das die Zukunft für Russland und Europa? Eiszapfen im Treppenhaus (Foto: TV)
Ist das die Zukunft für Russland und Europa? Eiszapfen im Treppenhaus (Foto: TV)
Montag, 23.01.2006

Golfstrom schaltet ab, neue Eiszeit beginnt bald

Moskau. Die Argumentation lässt frösteln: Wegen globaler Erwärmung kann es in Europa und Russland 2010 eine neue Eiszeit geben. Damit der Golfstrom nicht versiegt, müssen die sibirischen Flüsse umgeleitet werden. Schnell.

Ist die sibirische Kältewelle, die Russland und Europa zittern lässt, nur eine leichte Vorahnung einer neuen Eiszeit ? Der Moskauer Physiker Alexej Karnauchow meint das. Seine Theorie erschüttert zumindest den weitverbreiteten russischen Klimaoptimismus, nach dem ein wenig Klimakatastrophe für den kalten Norden gar nicht so schlecht ist. Laut Karnauchow wird es in Eurasien bald noch kälter, weil es global zu warm ist.

Weil es weltweit zu warm ist, wird’s in Europa eiskalt


Es klingt absurd: Gerade weil weltweit die Temperaturen steigen, die Gletscher schmelzen und die sibirischen Sümpfe auftauen, droht der Golfstrom zu versiegen, der ganz Europa und Nordrussland bis zum Ural hin mit Wärme versorgt.

Schon in drei bis vier Jahren könnte es so weit sein, sagt Karnauchow. Und dann droht es in Berlin und London so warm zu werden wie in Tomsk und Irkutsk. Die Gletscher rücken bis London, Berlin und Moskau vor. Bei Hannover breitet sich die Tundra aus …

Gazprom (Gasprom) wird dabei auch keine Alternative zum Golfstrom als eurasische Fernheizung sein können: die russischen Gasreserven (etwa 60 Prozent der Weltvorräte) werden vom ewigen Eis bedeckt sein.
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• Umfrage in Moskau: Was hilft gegen den Frost ? (20.01.2006)
• Kältewelle erreicht Kaliningrad (20.01.2006)
• Kältewelle: Geht auch die Stromversorgung baden? (19.01.2006)
• Rekordkälte als Jungbrunnen für Russland ? (19.01.2006)
• Papagei überlebt bei Rekordfrost in Russland (19.01.2006)
Die Frost-Apokalypse des Moskauer Klimaforschers beruht auf einem einfachen Mechanismus. Die warmen Wasser des Golfstroms, die auch in diesem Winter dafür sorgten, dass es in Norwegen, am Nordkap und in Murmansk wärmer war als in Moskau, kühlen auf dem Wege zum nördlichen Eismeer immer weiter ab und kehren schließlich in Gestalt des kalten Labradorstromes zwischen Grönland und Kanada nach Süden zurück.

Auf der Höhe der Neufundland-Bank kreuzen sich Goldstrom und Labradorstrom, ohne sich gegenseitig zu behindert, sagt Karnauchow. Die Wasser des Labradorstromes wärmen sich in Äquatornähe wieder auf und fließen wieder nach Norden. Es bildet sich eine 8-förmige Strömung.

Wenn das Eismeer zu wenig Salzgehalt hat, versperrt der Labrador-Strom dem Golfstrom den Weg


Hundeschlitten. Das europäische Transportgerät der Zukunft? (Foto:TV)
Hundeschlitten. Das europäische Transportgerät der Zukunft? (Foto:TV)
Wenn aber der Salzgehalt im Nördlichen Eismeer und im Nordatlantik und damit die spezifische Dichte des Labradorstromes weiter abnimmt, könnten die kalten Wassermassen nicht mehr unter dem warmen Golfstrom hindurchtauchen. Der Labradorstrom würde den Golfstrom unterbrechen. Die Fernheizung für Europa und Russland fällt aus – sagt Karnauchow. Die Folge wäre eine rasante Abkühlung des eurasischen Kontinentes.

Gletscher schmelzen auf Grönland und weltweit – in Norwegen wachsen sie wieder


Karnauchow verweist darauf, dass tatsächlich in den letzten Jahren zwar der weltweite Gletscherschwund zunimmt, gleichzeitig aber Gletscher in Norwegen wieder wachsen. Dieser Prozess könne sich extrem beschleunigen. Die aus dem Grönländischen Festlandseis gebohrten Eiskerne zeigen laut Karnauchow, dass „regionale“ Eiszeiten auf der Nördlichen Halbkugel im Laufe der letzten 140.000 Jahre manchmal einer relativen Warmzeit mit einem Abstand von nur drei bis vier Jahren folgten.

Beschleunigt werde dieser Prozess der bedrohlichen Entsalzung des Nordmeeres gegenwärtig nicht nur durch das Abschmelzen der Gletscher auf Grönland, sondern auch durch das Auftauen der sibirischen Permafrost-Sümpfe und vermehrte Niederschlagsmengen in Sibirien. In den letzten Jahrzehnten sollen die jährlichen Durchschnittstemperaturen in Sibirien um 2-3 Grad gestiegen sein. Durch die dabei freiwerdenden großen Mengen von Sumpfgasen werde der Treibhauseffekt weltweit noch verstärkt.


Sibirisches Süßwasser verdünnt das Salzwasser im Eismeer



Riesige Süsswassermengen gelangen zusätzlich über die gigantischen sibirischen Ströme, den Ob, die Lena und den Jenissej ins Eismeer und verdünnen dessen Salzwasser - mit den erwähnten Folgen für den Labradorstrom und den Golfstrom.

Einzige Rettung – Umleitung der sibirischen Ströme – wie von Breschnew geplant


Die Katastrophe, sagt Karnauchow, könne allerdings aufgehalten werden: Wenn die gigantischen sibirischen Ströme nach Süden umgeleitet würden – wie zu Sowjetzeiten ernsthaft geplant - könnte nicht nur der Aralsee aufgefüllt und ganz Mittelasien bewässert werden, sondern vor allem auch der Golfstrom, die eurasische Fernheizung und die europäische Kultur überhaupt gerettet werden.

Bisher steht Karnauchow allerdings auch in der russischen Wissenschaftswelt recht alleine mit seinen Warnungen und Empfehlungen.

(gim/.rufo)


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