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Montag, 31.12.2001

Mit Kosaken gegen Tannenbaum-Wilderer

Von Karsten Packeiser (Moskau/epd). Ein üppig geschmückter Tannenbaum gehört ebenso zum russischen Neujahrsfest wie die dicke Schneedecke vor dem Fenster und Väterchen Frost mit seinen Geschenken. Damit die Wälder rund um Moskau vor Silvester und dem orthodoxen Weihnachtsfest am 7. Januar nicht von Tannenbaum-Wilderern kahlgeschlagen werden, schieben Umweltschützer und Forstbeamte auch in diesem Jahr wieder Sonderschichten.

Einer von ihnen ist Mark Schapotschkin, stellvertretender Direktor des Nationalparks Lossinyj Ostrow („Elch-Insel"). Er lässt sich im Forsthaus per Funk über die Patrouillen Bericht er-statten. An den Wänden hängen Jagdtrophäen, vor dem Ofen räkelt sich Nikita, der Kater des Forst-Inspektors. Von irgendwo aus dem nachtdunklen Wald meldet sich „Delfin-4". „Alles ist ruhig", quakt die Stimme aus dem Funkgerät. Nur einmal habe die Patrouille heute den Stumpf einer abgesägten Tanne entdeckt, den Wilderer aber nicht mehr eingeholt.

„Eine Tanne ist doch nicht viel bei 12.000 Hektar Fläche und über 10 Millionen Menschen drum herum", meint Schapotschkin zufrieden. „Es gibt mit jedem Jahr weniger Weihnachtsbaum-Wilderer. Die Leute haben einfach Angst." Wer von Schapotschkins Männern erwischt wird, muss mit horrenden Strafen rechnen.

Illegaler Holzeinschlag im Nationalpark kann mit bis zu 10.000 Rubeln (735 Mark bzw. 375 Euro) Strafe geahndet werden. Das entspricht fünf Monatsgehältern eines Forst-Inspektors. Immerhin zwanzig Tannen-Wilderer wurden in der vergangenen Saison mitsamt ihrer Beute von den Inspektoren gestellt. Manche von ihnen müssen die Strafe über Monate hinweg abstottern.

Zusätzlichen Respekt bei den Anwohnern hat sich der Nationalpark verschafft, seit er zur Bewachung seines Territoriums einen örtlichen Kosaken-Verband zur Hilfe gerufen hat. „Ich hätte natürlich auch die Männer eines privaten Wachunternehmens einstellen können, aber die Kosaken sind doch alle Patrioten und deshalb zuverlässiger", meint Schapotschkin.

Die „Elch-Insel" ist ein weltweit wohl einmaliges Biotop. Ein Teil des Nationalparks liegt sogar noch innerhalb der Stadtgrenzen von Moskau. Nur wenige Kilometer vom Kreml entfernt tummeln sich hier in den Wäldern und Sümpfen Wildschweine, Biber und Elche. Manche Teilstücke des Nationalparks grenzen direkt an die Moskauer Trabantenstädte. Dort, wo es von den Wohnblöcken nur einige Schritte bis zum Wald sind, sind die Tannen besonders gefährdet. Hier liegen Forstbeamte und Kosaken auch schon einmal im Hinterhalt.

Die Moskauer Weihnachtsbaum-Wilderer können sich auch dann nicht in Sicherheit wiegen, wenn sie den Wald und seine Bewacher schon weit hinter sich gelassen haben. Auf der Straße kann jeder Passant mit einer Tanne unter dem Arm von der Polizei zur Weihnachtsbaum-Ausweiskontrolle angehalten werden, denn alle offiziell zugelassenen Tannen-Basare stellen für ihre Ware Pässe aus.

„Die Ausrede, der Baum stamme von der eigenen Datscha, hilft dann wenig", warnt Mark Schapotschkin. „Auch, wenn Sie auf Ihrem eigenen Grundstück einen Baum fällen wollen, brauchen Sie eine schriftliche Genehmigung der örtlichen Umweltschutz-Behörde."

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