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Selbstversorgung: Kohle und Gas sind knapp, daher hacken die Einwohner Obstbäume (Foto: TV)
Selbstversorgung: Kohle und Gas sind knapp, daher hacken die Einwohner Obstbäume (Foto: TV)
Montag, 11.02.2008

Rekordkälte in Zentralasien – Bundeswehr friert mit

Taschkent. Während es in Europa und weiten Teilen Russlands ungewöhnlich warm ist, herrscht den zentralasiatischen GUS-Republiken seit Wochen ein strenger Winter. In vielen Regionen sind Heizung und Strom ausgefallen.

Es ist ein wahrer Schock für die gesamte Region. Ob Kasachstan, Kirgistan, Usbekistan, Turkmenistan oder Tadschikistan – in allen Ländern herrschen ungewöhnlich niedrige Temperaturen. Vor allem in den Wärme gewohnten Republiken Tadschikistan und Usbekistan herrscht Notstand.

Kalt erwischt – Rekordfröste seit über einem Monat


In Usbekistan hat der Frost Ende Dezember zum ersten Mal richtig zugeschlagen. Bis Ende Januar sanken die Temperaturen auf Minus 25 Grad ab. Die Region Choresmien am Amurdarja (Zufluss des Aralsees) wurde davon kalt erwischt – im wahrsten Sinne des Wortes.

„Während der Präsidentschaftswahlen (23.12.2007 – d.R.) hatten wir noch Licht, Gas und Wärme. Aber schon in der Woche vor Neujahr haben die Menschen die ganze Härte des Frosts gespürt“, erklärt Alischer ein Lehrer aus der Region. Das ganze Leben sei seither praktisch praktisch eingefroren.

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Selbstversorgung mit Brennstoff


Die Schulen wurden geschlossen, da es aufgrund der zusammengebrochenen Heizung in den Gebäuden ebenso kalt war, wie auf der Straße. Die Klagen der Anwohner sind nutzlos, Kohle und Gas als Brennstoff Mangelware. So sind viele der Bürger dazu übergegangen, sich ihren Brennstoffvorrat selbst zu hacken.

Inzwischen werden sogar Obstbäume und erfrorene Weinstöcke zu Kleinholz verarbeitet und verbrannt. Millionenschäden sind auf diese Weise schon zusammengekommen.

Überschwemmungen im Frühling befürchtet


Zudem wird weiteres Unheil befürchtet, wenn der Frühling einsetzt. Derzeit trägt der Amurdarja eine gut 0,5 Meter dicke Eisschicht. Sollte die schnell abschmelzen, drohen Überschwemmungen.

300 Mio. USD Verluste für Tadschikistan


Auch im Nachbarland Tadschikistan ist die Lage ernst. 300 Mio. USD soll der Frost die Volkswirtschaft bereits gekostet haben. Für das arme Tadschikistan ist das eine wirtschaftliche Katastrophe. Die GUS-Republik hat bereits offiziell um Hilfe gebeten. Berichte, dass wegen der Kälte bereits über 200 Neugeborene ums Leben gekommen sind, wurden offiziell bislang allerdings dementiert.

Aber auch so ist die Lage schrecklich. Der starke Frost hat das größte Wasserkraftwerk des Landes beinahe stillgelegt. Der Stausee ist praktisch leer. Die Stromzufuhr der Haushalte musste daher massiv eingeschränkt werden, dabei ist Wasserkraft eigentlich eines der wenigen Exportgüter Tadschikistans.

Die Verkäuferin in Handschuhen, das Wasser in der Flasche eingefroren - so etwas kennt man in Tadschikistan sonst nicht (Foto: TV)
Die Verkäuferin in Handschuhen, das Wasser in der Flasche eingefroren - so etwas kennt man in Tadschikistan sonst nicht (Foto: TV)
Die einzige Beleuchtung in den meisten Haushalten ist daher Kerzenlicht. Zudem verfeuern die Bewohner sämtliches Holz der Umgebung, um die Wohnung einigermaßen warm zu halten. Fließendes Wasser gibt es nicht – die Wasserleitung ist eingefroren.

Kälte am Bundeswehrstützpunkt, Unterkünfte sind warm


Von der Kälte ist auch die Bundeswehr betroffen. Im usbekischen Termes (Termiz) unterhalten Luftwaffe und Heeresflieger einen Transportstützpunkt für die Afghanistan-Mission. Etwa 200 Soldaten sind dort stationiert. Zwar ist der größte Frost inzwischen vorbei, doch nachts sinken die Temperaturen immer noch auf minus zehn Grad.

Dennoch, versichert OLT Markus Krammel, Pressesprecher der Bundeswehr, frieren die deutschen Soldaten zumindest in ihren Unterkünften nicht. „Es sind bislang noch keine Klagen eingegangen und die wären garantiert gekommen, wenn es dort nicht beheizt gewesen wäre“, erklärte er im Gespräch mit Russland-Aktuell.

Im benachbarten Afghanistan leistet der Bund derzeit Winterhilfe für 3.200 Familien. Allein 60 Tonnen Lebensmittel lieferten deutsche Soldaten in die Region. Das Verteidigungsministerium stellte 250.000 Euro als Soforthilfemaßnahme zur Verfügung.



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