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In Russland werfen so viele Menschen ihr Leben weg wie (fast) sonst nirgends in der Welt. (Foto: newsru.com)
In Russland werfen so viele Menschen ihr Leben weg wie (fast) sonst nirgends in der Welt. (Foto: newsru.com)
Montag, 10.10.2011

Russland mit zweitgrößter Selbstmordrate in der Welt

Moskau. In den letzten 20 Jahren haben 800.000 Menschen in Russland Selbstmord begangen. Damit liegt das Land weltweit auf Rang zwei. Die meisten Suizidfälle gab es in den Neunzigern, die aktuellen Raten sind immer noch hoch.

Mit diesen Zahlen tritt das Moskauer Wissenschaftszentrum für Sozial- und Gerichtspsychiatrie (GNZ) jetzt an die Öffentlichkeit. „Innerhalb von 20 Jahren, zwischen 1990 und 2010, haben etwa 800.000 Menschen ihrem Leben ein Ende gesetzt“, teilte ein Mitarbeiter des Zentrums am Montag gegenüber Interfax mit.

“Eine ganze Stadt“


„Das ist praktisch eine ganze Stadt“, heißt es weiter. Das mittlere Alter der männlichen Selbstmörder liege bei 45 Jahren, das der Frauen bei 52 Jahren, wobei Männer mehr Suizid begingen als Frauen. Der Grund für diese traurige Entwicklung liegt nach Meinung von Experten in den sozial schwierigen 1990er Jahren.

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• Schulbildung in Russland wird offiziell zum Luxus (20.09.2011)
• Geld für medizinische Hilfe alle, Operationen ausgesetzt (30.08.2011)
• Für behinderte Kinder kein Platz in der Statistik? (06.07.2011)
• Immer mehr Russen leben unter der Armutsgrenze (05.07.2011)
• Amtlich: Sterberate in Moskau hat sich verdoppelt (09.08.2010)
1995 habe es 42 Selbstmordfälle auf 100.000 Menschen gegeben, 2010 seien es 23,5 gewesen, was aber im Weltvergleich immer noch unverhältnismäßig hoch sei. In der Welt kämen auf 100.000 Menschen 14 Suizidfälle, in Russland ist die Ziffer also anderthalb Mal höher.

Präventivmaßnahmen nötig


Besonders gefährdet in dieser Hinsicht die russischen Teilrepubliken Komi und Udmurtien. Dort liegt die Selbstmordrate traditionell höher als in anderen Regionen des Landes. Die Experten vom GNZ weisen auch auf die völlig unzureichende Suizidvorbeugung in Russland hin.

In der Sowjetzeit habe es Hilfsdienste für Suizidgefährdete gegeben; heute existierten sie nur noch auf dem Papier. Das Zentrum habe ein neues System ausgearbeitet, es fehle jedoch die nötige staatliche Finanzierung, um es einzuführen.

Erschreckende Zahlen


Die Internetzeitung Newsru.com stellt der beunruhigenden Selbstmordstatistik eine nicht weniger erschreckende Zahl zur Seite, die unlängst auf der Internetseite des CIA veröffentlicht worden war. Dort hieß es, Russlands Bevölkerung schrumpfe 15 Mal als von den offiziellen russischen Behörden zugegeben wird.

Die Weltgesundheits- organisation und UNICEF hatten 2010 mitgeteilt, Russland liege bei Selbstmorden von Jugendlichen weltweit an der Spitze; außerdem gebe es nirgends in der Welt so viele Morde an Kindern und Jugendlichen wie hier.



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Paulsen-Consult 13.10.2011 - 17:18

Widersprüchliche Suizidalität

Die Suizidrate sagt weniger etwas darüber aus, wie verbreitet psychische Erkrankungen in einer Bevölkerung sind, als über die Qualität der psychiatrischen Versorgung. In Deutschland geht die Suizidrate stetig zurück, obwohl die Rate an psychischen Neuerkrankungen steigt. In der am schlechtesten psychiatrisch versorgten Bevölkerungsgruppe, den alten Menschen ist die Suizidrate demnach weniger rückläufig und hält sich seit den siebziger Jahren teilweise sogar konstant!\\r\\nDie Qualität der psychiatrischen Versorgung korreliert ungefähr mit dem Wohlstandsniveau eines Landes. In vielen Ländern der Erde gibt es überhaupt keine psychiatrische Versorgung.\\r\\nNach dem Zusammenbruch der Sowjetunion ist die Psychiatrie in Osteuropa nur punktuell besser geworden, häufig hat sie sich verschlechtert. Auch hier ein typisches Bild. Im Boomland Polen eine deutlich bessere Versorgung als in Weissrussland, das 2005 mit 35 Suiziden pro 100000 Einwohnern die höchste Suizidrate international hatte.\\r\\nEin paar andere Punkte sollen aber auch nicht verschwiegen werden. Alkohol und Drogen sind Risikofaktoren ersten Ranges. Sie bedingen auch Gewalt gegen andere, insbesondere familiäre Gewalt gegen Frauen und Kinder. Hier gibt es leider keine aussagefähigen Statistiken in Osteuropa, was auch gut nachvollziehbar ist, weil familiäre Gewalt häufig nicht nachhaltig verfolgt wird. Geschlagene Frauen dürfen auch nur sehr eingeschränkt auf die Hilfe der Polizei hoffen.\\r\\nTrotzdem sind gewalttätige Gesellschaften wie Russland nicht automatisch mehr suizidgefährdet, wie das Beispiel der USA zeigt, die auch eine hohe Gewaltrate aufweist, aber nur wenig Suizide, weniger als in Westeuropa, wo familiäre und öffentliche Gewalt in viel höherem Maße geächtet ist.\\r\\nSchließlich gibt es bei den Inuit in Grönland sehr hohe Suizidraten, obwohl dort eine wenig reglementierte gewaltarme Erziehung vorherrschen soll.\\r\\nDie Sache mit der Suizidalität ist also schwer zu fassen und direkte Schlüsse sind schwer zu ziehen. Keinesfalls kann man davon ausgehen, dass ärmere Gesellschaften ohne psychiatrische Versorgung auch automatisch höhere Suizidraten haben.\\r\\nSchließlich bleibt auch in Bezug auf Russland die offene Frage, warum sich die Zahl der Suizide in den letzten zehn Jahren reduziert hat, obwohl die psychiatrische Versorgung nicht nennenswert verbessert wurde?\\r\\nEin neuer Putin-Faktor? Immerhin scheint die russische Statistik einen Glücksfaktor von 73% aufzuweisen, wenn auch internationale Institute die Russen mit 37% nur halb so glücklich sehen, wie Russland-Aktuell kürzlich berichtete.\\r\\nIch persönlich denke, es liegt am Wodka, der nur kurzfristig glücklich macht und bereits am nächsten Tag zu einer erheblichen Imbalance der Glückshormone führt. Die Finnen haben mit ihrem Alkoholkonsum in den achtziger und neunziger Jahren auch ihre Suizidraten reduzieren können. Das sollten die Russen auch mal versuchen!


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