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Viele Menschen suchen ihr Glück außerhalb der zerstörten Republik Tschetschenien und begegnen Misstrauen (Foto: Tutow/.rufo)
Viele Menschen suchen ihr Glück außerhalb der zerstörten Republik Tschetschenien und begegnen Misstrauen (Foto: Tutow/.rufo)
Montag, 04.09.2006

Tschetschenen: Konflikte um die Diaspora eines Volkes

Moskau. Die Pogrome in der karelischen Kleinstadt Kondopoga sind nicht der erste Konflikt, in den Vertreter der tschetschenischen Diaspora verwickelt sind. Schon mehrfach kam es in Russland zu derartigen Ausschreitungen.

Das Bild der Tschetschenen ist von Vorurteilen geprägt. Sowohl von einseitig negativen als auch von einseitig positiven. Doch weder das Bild des blind um sich schießenden Terroristen als das des ständigen Opfers geben eine reale Vorstellung von dem Kaukasusvolk.

Jahrhundertelanger Konflikt um eine Bergregion im Kaukasus


Tatsächlich ist die Geschichte Tschetscheniens seit Jahrhunderten von Konflikten geprägt. Die Kolonisierung des Kaukasus durch Russland stieß bei den Tschetschenen auf erbitterten Widerstand. Im 19. Jahrhundert leitete Imam Schamil über 20 Jahre den Kampf der Tschetschenen gegen die zaristischen Truppen. Erst nach seiner Gefangennahme 1859 gelang es dem Russischen Zarenreich, Tschetschenien unter Kontrolle zu bringen.

Stalin deportierte die Tschetschenen wegen Kollaborationsverdacht mit den Nazis nach Kasachstan und Mittelasien. Erst über ein Jahrzehnt später durften sie wiederkommen. Doch nicht alle kamen zurück. Die beiden Tschetschenienkriege nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion sorgten für einen weiteren Flüchtlingsstrom.

Mangelnde Integrationsbereitschaft führt zu Spannungen


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Viele Tschetschenen fanden in anderen Regionen Russlands ein neues Zuhause, während in ihrer Heimat gekämpft wurde. Dabei bevorzugen sie es – wie andere Kaukasusvölker in der Regel auch – in einer kompakten Gemeinschaft mit ihren Landsleuten zu wohnen und sich nicht zu integrieren. Das führt oft zu Spannungen, zumal nicht alle Tschetschenen bereit sind, sich den örtlichen Gegebenheiten anzupassen.

Die „Tschetschenenmafia“ ist in Russland bekannt und gefürchtet. Vielerorts hat sie das Business in den Regionen unter ihre Kontrolle genommen. Als so genannte „Kryscha“ („Dach“) erpresst sie Schutzgelder und geht rücksichtslos gegen Konkurrenten vor.

Bandenkriminalität gibt es nicht nur bei Tschetschenen oder Kaukasiern, doch fällt sie dort besonders auf, schon weil sich die Zugehörigkeit hier in der Regel ethnisch definiert. Unter vielen Tschetschenen herrscht darüber hinaus ein ausgeprägter Nationalismus. Das in Verbindung mit einem hohen Grad an Stolz ergibt eine explosive Mischung.

Die lange Tradition der Blutrache in Tschetschenien haben einige Hitzköpfe bis heute überliefert. Und so führt eine Kränkung, die gegen einen solchen Tschetschenen, oder eines seiner Familienmitglieder gerichtet ist, tatsächlich oft zu blutigen Auseinandersetzungen.

Kurze Chronik der Zwischenfälle


Im vergangenen Jahr sorgte solch ein tödlicher Zwischenfall in der Region Astrachan schon einmal für Massenkrawalle. Bei einer Schlägerei in der Ortschaft Jandyki hatten Tschetschenen die Waffen gezückt und einen jungen Kalmyken erschossen. Bei der Beerdigung des jungen Mannes kochten die Emotionen hoch und eine Menge von etwa 300 Kalmyken versuchte, alle Tschetschenen mit Gewalt aus der Ortschaft zu vertreiben. Dutzende Menschen wurden verletzt, acht Häuser in Brand gesteckt. Die Staatsanwaltschaft verurteilte zwölf Tschetschenen und einen Kalmyken zu Freiheitsstrafen.

Kurz darauf kam es in der Kaukasus-Republik Kabardino-Balkarien zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Studenten aus der Republik und Tschetschenen. Etwa 200 Menschen nahmen an der Massenschlägerei teil. Anschließend forderten die Teilnehmer einer Protestkundgebung in der Hauptstadt Naltschik, die Tschetschenen aus der Republik zu vertreiben.

Die Vergewaltigung eines jungen Mädchens durch einen Tschetschenen führte 2002 in der Ural-Region zum Ausbruch einer schweren Auseinandersetzung zwischen Russen und Tschetschenen. 400 Personen beteiligten sich an den Ausschreitungen.

Russische Nationalisten versuchen nach den Vorfällen in Kondopoga erneut, die Hetze gegen die Tschetschenen zu schüren. Leider gelingt ihnen das nur zu gut, auch weil viele Tschetschenen mit ihrer geringen Integrationsbereitschaft oft die örtliche Bevölkerung gegen sich aufbringen. Zu leiden haben darunter oft die Schwächsten: Frauen und Kinder. Das sind die, die am wenigsten Schuld tragen an den Konflikten.

(ab/.rufo)


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